Kürbis-Giganten auf der Waage

Lohmar/Mechernich – Monatelang werden sie gehegt, gedüngt, zugedeckt und vor Hitze geschützt. Manche bekommen einen Ventilator spendiert, andere angeblich sogar Musik vorgespielt. Und am Ende entscheidet eine einzige Zahl: das Gewicht. Am Samstag, 12. September, kommen auf dem Krewelshof Lohmar wieder die ganz großen Kürbisse auf die Waage. Bei der mittlerweile 15. NRW-Kürbis-Wiegemeisterschaft treffen sich ambitionierte Züchter aus Deutschland und den Nachbarländern.
„Das ist dieses Wetteifern, was so spannend ist“, sagt Krewelshof-Bäuerin Danielle Bieger. Denn wie schwer ein Kürbis tatsächlich ist, lässt sich selbst von erfahrenen Züchtern nicht immer zuverlässig vorhersagen. Zwar werden die Giganten vor dem Wiegen vermessen und anhand ihres Umfangs vorab eingeschätzt und platziert, doch auf der Waage kann es durchaus Überraschungen geben. „Da war schon einmal einer eigentlich für den fünften Platz eingeschätzt und landete dann auf Platz drei“, erinnert sich Bieger.
Dass es den Züchtern dabei um weit mehr geht als um ein bisschen Gartenarbeit, zeigt der Aufwand, der hinter den Riesengewächsen steckt. Über Monate wird beobachtet, gemessen und gepflegt. Wird es zu heiß, kommt mitunter ein Ventilator zum Einsatz. Droht eine kühle Nacht, bekommt der Kürbis eine Decke. Auch Wasser und Dünger werden genau dosiert. „Die Leute arbeiten ein ganzes Jahr auf diesen einen Kürbis hin“, beschreibt Danielle Bieger die besondere Leidenschaft der Szene.
Gabelstapler und Hebegurte
Wie weit diese Pflege führen kann, zeigte die Meisterschaft im vergangenen Jahr. Damals gewann Andreas Wild bereits zum vierten Mal in Lohmar. Sein Atlantic Giant Squash brachte stattliche 633,5 Kilogramm auf die Waage. Der zweitplatzierte Wouter de Wever kam auf 614 Kilogramm. Schon das Verladen wird bei solchen Dimensionen zum Kraftakt: Die schweren Exemplare müssen mit Gabelstapler und Hebegurten bewegt werden.
Wer in diesem Jahr vorne liegt, entscheidet sich ab 12.30 Uhr. Dann beginnt das eigentliche Wiegen der Riesenkürbisse. Die Exemplare müssen spätestens um 12 Uhr auf dem Gelände angekommen, registriert und vermessen sein. Gewogen wird nach den internationalen Regeln des „Great Pumpkin Commonwealth“, kurz GPC. Damit können die Ergebnisse auch in die internationale Wertung einfließen. Für den Sieger sind 1.000 Euro ausgelobt. Stammt der schwerste Kürbis über 500 Kilogramm aus Nordrhein-Westfalen, kommen weitere 500 Euro NRW-Prämie hinzu. Auch die Plätze zwei bis sieben werden mit Preisgeldern bedacht.
Doch nicht nur bei Kürbissen gilt in Lohmar an diesem Tag: größer, länger, schwerer. Bereits am Vormittag werden bei der Deutschen und NRW-Riesengemüsemeisterschaft außergewöhnliche Züchtungen vermessen und gewogen. Gesucht werden unter anderem die schwerste Tomate und Zucchini, die längste Gurke beziehungsweise Long Gourd sowie besonders große Kohlrabi, Kohlköpfe oder Sonnenblumen.
Was dabei möglich ist, bewies das vergangene Jahr eindrucksvoll: Stephen und Sonja Williams aus Bonn brachten eine 68 Kilogramm schwere Marrow-Zucchini mit nach Lohmar und stellten damit einen Deutschland-Rekord auf. Eine Wassermelone brachte 71 Kilogramm auf die Waage, eine Long Gourd maß 2,65 Meter, und selbst eine Tomate brachte es auf mehr als 2,7 Kilogramm.
Die Preisverleihung ist gegen 15 Uhr vorgesehen. Rund um die Wiegemeisterschaft läuft auf dem Krewelshof das herbstliche Programm weiter. Die aktuelle Kürbisschau ist täglich von 12 bis 17.30 Uhr geöffnet; im Hofladen und in der Gastronomie dreht sich ebenfalls vieles um das orangefarbene Herbstgemüse.
Und für Kürbisfans geht das außergewöhnliche Wochenende gleich am nächsten Tag weiter: Am Sonntag, 13. September, wechseln die Giganten den Krewelshof und teilweise sogar das Element. Auf dem Krewelshof Eifel in Mechernich-Obergartzem startet ab 12 Uhr die Kürbis-Regatta. Dort werden 200 bis 300 Kilogramm schwere Riesenkürbisse ausgehöhlt und zu schwimmenden Booten, in denen die Teilnehmer über den Krewelshofer See paddeln. Weitere Informationen zu beiden Events gibt es unter www.krewelshof.de









