Auferstehung kommt von Aufstehen
Frühling, Ostern, neuer Anfang, neues Leben: „Auferstehung“ hat nicht nur im Kontext des christlichen Ostern etwas mit „Aufstehen“ zu tun. Die Auferstehung Jesu vom Todesschlaf ist ein Glaubensgeheimnis, aber auch ein Bild für unser Aufstehen aus Untätigkeit, Unlust und Resignation.
„Auferstanden aus Ruinen“, die ehemalige Nationalhymne des anderen, des untergegangen oder vielmehr in der „neuen“ Bundesrepublik aufgegangenen deutschen Staates, wurde von Johannes R. Becher ursprünglich als „Friedenshymne“ komponiert und getextet.
Das alte barbarische Nazi-Deutschland war untergegangen. Wiederaufbau bedeutete nicht nur den Wiederaufbau im Bombenhagel zertrümmerter Städte, sondern auch das Aufstehen einer neuen Zeit, einer neuen, hoffentlich geläuterten Generation, die ein neues, demokratisches, auf das Gemeinwohl ausgerichtetes Land aufbaute.
In der gesamten abendländischen Tradition, sei es aus der Sicht der klassischen Antike oder der des Christentums, gehört der individuelle Beitrag des Einzelnen zum allgemeinen Wohl unverzichtbar zu einem sinnerfüllten Leben.
Wenn das Gemeinwesen alle angeht, dann auch Sie und mich, nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Bürger. Ob wir spenden, in der Nachbarschaft helfen, Blut spenden, uns in Vereinen, Organisationen oder der Kirche engagieren – wir signalisieren damit: Der Mensch ist keine Insel, einsam und auf sich gestellt in einem unendlichen Ozean. Wir sind, um bei dem Vergleich zu bleiben, Festlandbewohner und stehen sicher auf festem Boden, am besten Schulter an Schulter.
Das Ehrenamt stand im Mittelpunkt unseres diesjährigen städtischen Jahresempfangs. Grüne Damen aus dem Kreiskrankenhaus, Feuerwehrleute und Hospizhelferinnen im Communio-Sterbehospiz „Stella Maris“ und in der Caritas, Rotkreuzler, Bergbauveteranen, Ortsvorsteher und Vereinsbewegte stellten sich stellvertretend für Tausende Bürger aus dem Stadtgebiet vor, die nicht nur für Lohn und Brot arbeiten, sondern auch in ihrer Freizeit oder in ihrem Ruhestand ohne Geld oder andere Vergünstigungen dafür zu bekommen.
Eine Wurzel des ehrenamtlichen sozialen Engagements findet sich in der christlichen Tradition im Liebesgebot der Bibel. Im Mittelalter zeigte es sich im Falle der Versorgung von Armen mit Almosen. Während der frühen Neuzeit wurde der ehrenamtliche Dienst am Gemeinwesen formalisiert und institutionell verankert. Die Mitbestimmung des Bürgertums war in der Preußischen Städteordnung von 1808 festgeschrieben. Dort liegt auch der Ursprung des in Deutschland immer noch üblichen Begriffs der ehrenamtlichen Arbeit.
Allen „Aufstehenden“ in der Stadt Mechernich, aufrechten Menschen, die sich öffentlich oder im Stillen für ihre in Not geratenen Mitmenschen, für die Schwachen und Kranken in unserer Gesellschaft engagieren, spreche ich meine persönliche Wertschätzung und meinen herzlichen Dank aus. Jeder von Ihnen hilft mit, auch unsere Stadt Tag für Tag ein Stückchen besser zu machen.
Abwarten und die Hände in den Schoß legen, ist nicht zielführend. Schon Goethe wusste: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz der Welt verändern.“
Also packen wir es gemeinsam an! Auch unsere Stadt besteht nicht nur aus Steinen und Mörtel, sondern aus uns. Unser Miteinander von Menschen, in dem einer nach dem anderen guckt und einer auch ein bisschen auf den anderen aufpasst und für ihn handelt, wo er selbst vielleicht handlungsunfähig geworden ist, ist ein Stück Ostern.
Ihr
Dr. Hans-Peter Schick
Bürgermeister






