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Stolpersteine vom Staub befreit

2022 kommen in Kommern acht neue Stolpersteine hinzu – Aufführung „Adressat Unbekannt“ (25. Januar) sowie Lesung mit Jennifer Teege und „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ (7. April) geplant

Rainer Schulz befreit mit Elke Höver die Stolpersteine in Kommern an diesem Tag vom Staub der Zeit und poliert sie auf, damit sie weiter mahnen und die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

In Gedenken an die grausam zu Tode gekommenen jüdischen Mitbürger legten Rainer Schulz und Gisela Freier Rosen an die Stellen, wo Stolpersteine erinnern und am Eingang des jüdischen Friedhofs. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich-Kommern – In Kommern wurde in diesem Jahr auf einen großen Pogrom-Rundgang verzichtet. Im kleinen Kreis zog man dennoch durch die Gassen des Fachwerkstädtchens und legte am jüdischen Friedhof sowie an allen Stolpersteinen im Ort eine Rose im Gedenken nieder. Damit die Gedenksteine weiterhin für alle gut sichtbar bleiben, wurden sie von Rainer Schulz und Elke Höver in einer groß angelegten Putzaktion mit einem Tuch fein säuberlich vom Dreck und Staub befreit und poliert.

Gemeinsam mit Gisela Freier und ihrem Mann Wolfgang sowie Elke Höver bereitet Rainer Schulz zudem derzeit Großes vor. Am 25. Januar 2022 sollen acht neue Stolpersteine verlegt werden. „Dafür sind Sponsoren immer herzlich willkommen“, so Rainer Schulz. Abends wird das Stück „Adressat Unbekannt“ von Kressmann Taylor unter der Leitung von Axel Gehring und Michael Mombauer in der Bürgerhalle Kommern aufgeführt, das von der Freundschaft zweier deutsch-amerikaner Geschäftsleute zu Beginn der NS-Zeit erzählt. Außerdem wird am 7. April Jennifer Teege zu Gast sein mit ihrem Buch „Amon - Mein Großvater hätte mich erschossen“. 

Jenniger Teege kommt nach Kommern

Die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers bringt eine außergewöhnliche und dazu wahre Geschichte mit: Denn mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. 

Für die Verlegung der Stolpersteine kommt der Vater der Gedenkquader, Gunter Demnig, eigens angereist. Seit 1996 setzt er sich weltweit ein, um das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus mit den Stolpersteinen wachzuhalten, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort die kleinen Tafeln aus Messing verewigt.

In Kommern werden die neuen Stolpersteine an die Familie Kaufmann und Lewin erinnern – speziell an Sigmund Kaufmann und seine Frau Bertha Kaufmann, geb. Scheuer und an ihre beiden Töchter Emmy Kaufmann, ver. Golding und Gerda Kaufmann, ver. Schwarz. Die Familie Kaufmann wohnte im schönsten Fachwerkhaus Kommerns in der Kölner Straße. „Sie lebten über 3 Generationen in diesem Haus“, berichtet Gisela Freier. Und: „Erich Lewin war Uhrmacher, ob er ein Geschäft in Kommern hatte, ist unbekannt. Erich Lewin, seine Frau Karolina, geb Kahn und ihre Tochter Käthe wurden am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert und dort ermordet. Ihre Tochter Else wurde am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert und dort ebenfalls ermordet.

pp/Agentur ProfiPress

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