Sechs unvergessene Nachbarn
Mechernich-Kommern – Dem Schicksal jüdischer Familien gedenken und zugleich die Erinnerung an Anne Frank wachhalten: Dazu lädt der Arbeitskreis „Forschen – Gedenken –Handeln“ am Samstag, 10. Oktober, in Kommern ein. Sechs neue Stolpersteine sollen die Erinnerung an während des Holocausts deportierte und ermordete Mitbürger lebendig halten. Nach der Verlegung steht die Enthüllung einer Informationstafel zum Anne-Frank-Baum auf dem jüdischen Friedhof am Prinzenweg auf dem Programm.
Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Mühlengasse 7 – dort, wo ein jüdisches Ehepaar aus Mechernich bis zu seiner Deportation kurzfristig lebte. Bernhard Kahn war selbständiger Uhrmachermeister mit eigenem Geschäft in Mechernich. Er und seine Ehefrau Bertha waren im Zuge des Pogroms enteignet worden und gezwungen, im Haus ihrer Tochter in Kommern unterzukommen. 1942, so ergaben die Nachforschungen des Arbeitskreises, wurde das Ehepaar deportiert und wenig später im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.
Im Anschluss führt der Weg die Gedenkenden zur Gielsgasse 12. Dort soll an Familie Frohwein erinnert werden: Den Witwer Louis Frohwein, der 1942 in Theresienstadt ermordet wurde, und seine Töchter Jenny und Sibylla sowie Sohn Julius, die „in Richtung Osten“ deportiert wurden und für immer verschwanden. Jüdische Zeitzeugen hätten seinerzeit vermutet, auch das ergaben die Forschungen des Arbeitskreises, dass eine weitere Tochter der Familie Frohwein in die USA entkommen sei. Aufzeichnungen darüber existieren jedoch nicht.
Informationen zu besonderem Baum
Die letzte Station befindet sich schließlich am jüdischen Friedhof am Prinzenweg, wo Elke Höver (Lehrerin an der Marienschule Euskirchen) zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Mechernich sowie deren Geschichtslehrerin Elke Bruns zum Tagebuch der Anne Frank sprechen wird. Vor dem Friedhofseingang wird danach eine neue Tafel mit Informationen zum Anne-Frank-Baum enthüllt. Bei der jungen Kastanie, die 2022 in Kommerner Boden gepflanzt wurde, handelt es sich um einen Nachfahren jenes Baumes in Amsterdam, den Anne Frank aus ihrem Hinterhaus sehen konnte und den sie mehrfach in ihrem Tagebuch erwähnt hat. Die Tafel soll den historischen Hintergrund erläutern und die Verbindung zur Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordete Frankfurter Schülerin Anne Frank dauerhaft sichtbar machen.
Eine Bitte haben die Veranstalter an männliche Teilnehmer ab zwölf Jahren: Sie mögen beim Betreten des jüdischen Friedhofs eine Kopfbedeckung tragen.
Der Arbeitskreis „Forschen-Gedenken-Handeln“ beschäftigt sich seit rund fünfundzwanzig Jahren intensiv mit der jüdischen Geschichte vor Ort und setzt sich dafür ein, die Namen und Lebensgeschichten der Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden, im öffentlichen Bewusstsein zu halten. Im Zuge dessen hat der vierköpfige Arbeitskreis schon 68 Stolpersteine verlegt. Sechs weitere kommen nun hinzu.








