„Pfiati, Servus und Glück auf!“
Der scheidende Leiter des Bundeswehrdepots West, Oberstleutnant Jochen Schnabel (l.), seine Nachfolgerin Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke und Oberst André Mundt besiegelten die Übergabe mit Handschlag. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Mit „zwei weinenden Augen“ verabschiedet sich Oberstleutnant Jochen Schnabel. Im Hintergrund Bürgermeister Michael Fingel (v.r.), der Erste Beigeordnete Thomas Hambach und Bürgermeister a.D. Dr. Hans-Peter Schick. Foto: Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Großer Bahnhof auf dem Depotgelände: Militärische und zivile Beschäftigte sowie zahlreiche Gäste bildeten den würdevollen Rahmen für die Kommandoübergabe. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Das Kammerensemble des Heeresmusikkorps Koblenz begleitete den Übergabeappell. Auf Wunsch des scheidenden Depotleiters erklangen „Nothing Else Matters“ von Metallica und das traditionsreiche Steigerlied. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Auch Landrat Markus Ramers (2.v.l.) und sein Stellvertreter Ralf Claßen (l.) verfolgte mit zahlreichen hochrangigen Gästen aus Bundeswehr, Politik und Stadtgesellschaft die feierliche Kommandoübergabe. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Mechernich – „Brunhilde“ muss sich künftig wohl auf weniger gemeinsame Stunden mit Jochen Schnabel einstellen. Hinter dem Namen verbirgt sich keine militärische Ausrüstung, sondern das Fitnessgerät des scheidenden Leiters des Bundeswehrdepots West. Weil Schnabel in seiner neuen Verwendung viel unterwegs sein wird, sah Oberst André Mundt durchaus „das ein oder andere Risiko“ für diese besondere Beziehung. Dafür, so mutmaßte er augenzwinkernd, könnten sich Schnabels Nachbarn freuen, wenn dessen roter Camaro künftig morgens etwas häufiger in der Garage bleibt, statt „mit lautem Röhren und Knallen“ davonzufahren.
Und einen guten Wunsch gab der Oberst dem gebürtigen Franken ebenfalls mit auf den Weg: „Möge immer eine Leberkäs-Semmel in Reichweite sein."
Es waren solche humorvollen und persönlichen Töne, die einer überaus würdevollen und stilvollen Kommandoübergabe im Bundeswehrdepot West eine besondere Note verliehen. Bei heiterem Wetter waren Soldatinnen und Soldaten sowie die zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Materiallagers Mechernich und des Stabes Bundeswehrdepot West angetreten. Hinzu kamen Abordnungen der Materiallager aus Diepholz, Straelen und Königswinter.
Zahlreiche Gäste aus Bundeswehr, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft verfolgten den militärischen Appell, bei dem Oberstleutnant Jochen Schnabel nach rund zweieinhalb Jahren die Verantwortung an Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke übergab.
Intensive Verbundenheit mit der Stadt
Zu den Gästen gehörten Landrat Markus Ramers, sein Stellvertreter Ralf Claßen, Bürgermeister Michael Fingel, der Erste Beigeordnete Thomas Hambach, Bürgermeisterreferentin Manuela Holtmeier, Ordnungsamtsmitarbeiterin Jacqueline Langhanke sowie der ehemalige Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Außerdem waren zahlreiche Repräsentanten militärischer und ziviler Dienststellen, der Polizei, der Militärseelsorge, der Reservistenkameradschaft Mechernich/Bad Münstereifel, sozialer Einrichtungen und Hilfsorganisationen gekommen.
Jochen Schnabel freute sich besonders darüber, dass Michael Fingel mit einer „breiten Phalanx aus dem Rathaus“ vertreten war. Darin sah der scheidende Standortälteste ein deutliches Zeichen für die langjährige und in den vergangenen beiden Jahren noch einmal intensivierte Verbundenheit zwischen Stadt und Bundeswehr.
„Nun ist es soweit“, begann Jochen Schnabel seine Abschiedsrede. „Endlich“, möge mancher denken, „leider“ hoffentlich die Mehrheit. Für ihn selbst sei der Abschied ein sehr großes „Leider“.
„Wenn ein Kommandeur nicht mit zwei weinenden Augen geht, dann hat er wohl etwas falsch gemacht“, sagte Schnabel. Er selbst verlasse das Depot als Leiter und den Mechernicher Bundeswehrstandort als Standortältester tatsächlich „mit zwei weinenden Augen“, so sehr er sich auch auf seine neue Aufgabe freue.
Seine Dienstzeit am Bleiberg war geprägt von einer angespannten weltpolitischen Lage, dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Cyberangriffen, Sabotagegefahren, internationalen Krisen sowie dem personellen und materiellen Aufwuchs der Bundeswehr.
Professionalität und Eifeler Gelassenheit
In Mechernich galt es unter anderem, eine der größten Materialumlagerungen des Depots innerhalb kürzester Zeit von unter Tage nach über Tage zu bewältigen. Hinzu kamen neue Strukturen, erste Schritte zu einer Kooperation mit den Nordeifel-Werkstätten oder eine bundesweite Medienaufmerksamkeit, auf die Schnabel und seine Beschäftigten wohl gerne verzichtet hätten.
Zu Beginn seiner Amtszeit sorgte der aufgebogene Zaun an einem Wasserhochbehälter mit der anschließenden Sperrung der Wasserversorgung für Schlagzeilen. Gegen Ende waren es verdächtige Drohnenflüge über dem Standort. Beide Situationen habe die Belegschaft mit „Professionalität, Eifeler Gelassenheit und Ruhe“ bewältigt, lobte Schnabel.
Ein besonderer Höhepunkt seiner Amtszeit war der Besuch des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Carsten Breuer, im April 2025 in Mechernich. Aber auch an den weiteren Standorten des Depots musste eine Vielzahl von Herausforderungen bewältigt werden.
Mit der Zeit seien aus Kameraden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wegbegleiter geworden, resümierte der scheidende Kommandant. Aus den gemeinsamen Erfolgen, Niederlagen und Herausforderungen seien Erinnerungen entstanden. „Ich gebe nicht einfach einen Dienstposten ab“, sagte Schnabel: „Ich verabschiede mich von Menschen, mit denen ich einen wichtigen Abschnitt meines Lebens verbringen durfte.“
Dafür sagte er Danke: für Vertrauen, Unterstützung, Loyalität und die Bereitschaft, jeden Tag Verantwortung für die Bundeswehr zu übernehmen. Er habe seine Aufgabe mit Überzeugung und Herzblut wahrgenommen und hoffe, dass die Menschen dies gespürt hätten.
Seiner Nachfolgerin wünschte er eine glückliche Hand, das notwendige Soldatenglück, viel Erfolg und vor allem eine Mannschaft, auf die sie sich verlassen könne. „Ich melde mich nicht bei Ihnen ab“, sagte er zum Abschluss: „Ich sage auf Wiedersehen, Pfiati, Servus und Glück auf!“
Metallica am Bleiberg
Für seinen Abschied hatte sich Jochen Schnabel zwei Musikstücke gewünscht, die unterschiedlicher kaum sein konnten und dennoch hervorragend zu diesem Tag passten. Das Kammerensemble des Heeresmusikkorps Koblenz interpretierte zunächst „Nothing Else Matters“ von Metallica.
Später erklang das traditionelle Steigerlied „Glück auf, der Steiger kommt“. Es symbolisierte die enge Verbindung des Bundeswehrdepots West mit Mechernich als ehemaliger Bergbaustadt. Auch der gemeinsame Schlachtruf „Glück auf!“ durfte bei dem Appell nicht fehlen.
Oberst Mundt, stellvertretender Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr und Kommandeur der Ortsfesten Logistischen Einrichtungen, würdigte Schnabel als einen Leiter, der das Depot auch in unruhigen Zeiten auf Kurs gehalten und ohne hektische Manöver durch manchen Sturm geführt habe.
Schnabel habe mit Weitblick geführt, kreative Lösungen entwickelt und seinen Beschäftigten Freiräume für eigene Ideen gegeben. Seine positive Einstellung, sein offenes Ohr sowie sein hohes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein hätten ihn ausgezeichnet. Sein Depot mit den Soldaten und zivilen Mitarbeitern habe ihm in besonderem Maße am Herzen gelegen.
Künftig wird Jochen Schnabel als Adjutant des Befehlshabers des Unterstützungsbereichs der Bundeswehr tätig sein. Statt vergleichsweise kurzer Fahrten zu den Materiallagern warten auf ihn nun Termine im gesamten Bundesgebiet und im Ausland.
Drohne flog dem Konvoi voraus
Mit Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke übernimmt eine erfahrene Logistikerin das Bundeswehrdepot West. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrungen aus Führungs- und Stabsverwendungen innerhalb der Logistik und darüber hinaus. Zu ihren bisherigen Stationen gehörten unter anderem eine Verwendung als Staffelchefin, das Luftwaffentruppenkommando, das Kommando Streitkräftebasis, das Kommando Luftwaffe und zuletzt das Bundesministerium der Verteidigung.
Auf die neue Leiterin wartet ein breit gefächerter logistischer Auftrag an vier Standorten mit zahlreichen Sonder- und Spezialaufgaben. Oberst Mundt zeigte sich überzeugt, dass sie dafür bestens gerüstet sei. Er wünschte ihr Soldatenglück, Erfolg und eine fürsorgliche Hand für die ihr anvertrauten Menschen. Seine wichtigste Empfehlung war ebenso kurz wie eindringlich: „Führen Sie mit Herz.“
Für die persönliche Verabschiedung des bisherigen Depotleiters hatten sich die Beschäftigten ein eindrucksvolles Finale ausgedacht. Ein Konvoi aus Logistikfahrzeugen, Fahrzeugen der Bundeswehrfeuerwehr und Gabelstaplern setzte sich zu einer Ehrenrunde über das Gelände in Bewegung.
Begleitet wurde er von einer Aufklärungsdrohne. Solche Drohnen können bei realen Einsätzen weit vor dem Spitzenfahrzeug eines Konvois fliegen und dem Konvoiführer wichtige Aufklärungsergebnisse liefern.
Nach der Ehrenrunde endete der Appell. Die geladenen Gäste kamen anschließend zu einem Empfang in der Depotkantine zusammen. Dort blieb Zeit für persönliche Abschiedsworte und erste Gespräche mit der neuen Leiterin. Jochen Schnabel hatte nicht nur das Kommando, sondern auch eine klare Botschaft hinterlassen: Entscheidend sind nicht Hallen, Fahrzeuge oder Lagerflächen. Entscheidend sind die Menschen.











