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„Open-Air“-Segen und Apfelkuchen

Burg Heistard war erneut Schauplatz des evangelischen Erntedankgottesdienstes – Pfarrer Thorsten Schmitt und Diakonin Jutta Lindenfels freuten sich über rund 140 Gäste aus Holzheim und Umgebung – Beim Danken half das „Märchen vom grauen Stein“

Mechernich-Holzheim - Immer wieder ist es etwas Besonderes, das Erntedankfest dort zu begehen, wo unser Essen herkommt: Auf den Höfen der Landwirte, die Korn anbauen oder ihr Geld mit Tierhaltung verdienen. Auch der Erntedankgottesdienst, den die Evangelische Gemeinde Roggendorf auf Burg Heistard bei Holzheim feierte, machte da keine Ausnahme. Rund 140 Teilnehmer waren gekommen, um auch den himmlischen Kräften Dank dafür zu sagen, dass es an Lebensmitteln bei uns nicht mangelt.  

Nicht zum ersten Mal war die Burg Heistard Schauplatz für den Erntedankgottesdienst. Bereits im vergangenen Jahr hatten Ute und Hans Jürgen Gerber ihr Gehöft für den Gottesdienst zur Verfügung gestellt. „Im letzten Jahr mussten wir allerdings wegen des Wetters in den Kuhstall ausweichen“, erinnerte sich Pfarrer Thorsten Schmitt. Was ungewöhnliche Folgen hatte. Denn sowohl der Schlüssel für die Kirche in Roggendorf als auch das Buch mit den Abkündigungen waren anschließend verschwunden. „Ich habe die drei Monate später im Tierfutter wiedergefunden“, verriet Gerber schmunzelnd.  

Ein Problem, das in diesem Jahr nicht auftauchen sollte, denn angesichts der trockenen Witterung fand der Gottesdienst unter freiem Himmel im Hof des altehrwürdigen Gehöfts statt. Auf das Jahr 1333 wird die erste Erwähnung der Wasserburg datiert, auch wenn die meisten Gebäude aus späteren Jahrhunderten stammen. „Es ist wenig in den Archiven zu finden“, sagte Hans-Jürgen Gerber.  

Handgeflochtener Erntekranz

Derzeit wird Burg Heistard als landwirtschaftlicher Betrieb geführt. Ihr Großvater sei Ende der Fünfziger Jahre auf den Hof gekommen, berichtete Ute Gerber. „Burg Heistard war seitdem immer Milchviehbetrieb“, sagte sie. 90 Rinder lebten auf dem Hof, darunter 50 Milchkühe. Rund 50 Hektar werden von dem Betrieb bewirtschaftet.  

Die malerische Atmosphäre lockt nicht nur die Evangelische Kirche an. „Wir hatten in diesem Jahr bereits zwei Hochzeiten und zwei Polterabende hier“, so Hans-Jürgen Gerber. Der Kontakt zur Evangelischen Kirche sei entstanden, da Ute Gerber Presbyterin in der Gemeinde gewesen sein, informierte Schmitt. Doch nicht nur Protestanten waren gekommen. „Ich sehe auch Katholische, vor allem aus Holzheim“, stellte Hans-Jürgen Gerber mit einem prüfenden Blick in die Runde fest. Doch das sei ja mittlerweile nichts ungewöhnliches mehr.  

Mit Feld- und Baumfrüchten war der Altar geschmückt, der auf dem Hof aufgebaut war. Blumenschmuck hatte die Gärtnerei Kolvenbach beigesteuert. Den Erntedankkranz, der hinter dem Altar an der Wand hing, hatten Hille Schumacher und Edith Emons vom Ortskartell geflochten.  Mit Psalm 145 eröffnete Diakonin und Prädikantin Jutta Lindenfels den Gottesdienst, den sie gemeinsam mit Pfarrer Schmitt feierte. Naheliegenderweise stand im Mittelpunkt, Danke zu sagen. 

„Danke-Steine“ für alle

So erzählte Schmitt das Märchen von dem grauen Stein, der nicht Danke sagen wollte, egal, was ihm Gutes widerfahren mochte. Doch eines Tages, als ihn ein Passant mitnahm, überlegte er es sich anders, dankte und wurde plötzlich weiß. Passend dazu wurden an die Anwesenden weiße Steine mit der Aufschrift „Danke“ verteilt. „So einen Danke-Stein habe ich selbst in meinem Büro und denke jedes Mal, wenn mein Blick darauf fällt, wofür ich nun danken kann.

Die Predigt hielt Lindenfels über die Geschichte der Brotvermehrung aus dem Markusevangelium. Doch nicht nur Danke zu sagen, thematisierte sie, sondern stellte auch das Beten in den Fokus. „Wer betet, erlebt Wunder“, sagte sie. Schon ein Tischgebet zu halten, verändere etwas, da so bewusstwerde, dass das tägliche Brot nicht selbstverständlich sei.  Improvisationsstimmung wie bei den Springmäusen kam auf, als Schmitt sich bei einem Lied über das Danken Begriffe aus dem Publikum zuriefen ließ, die er flugs mit dem Musiker Stephan Bertram zu neuen Strophen umgestaltete. Nach dem Schlusssegen freuten sich die Besucher über das Kuchenbüffet, das mit Apfelkuchenspenden reich bestückt war.

pp/Agentur ProfiPress

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