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„Jede Mutter und jeden Arzt ehren“

Hubert Schilles (68), der „Held von der Steinbachtalsperre“, lehnt Auszeichnungen ab: „Eine Selbstverständlichkeit!“

„Dann hätte jede Mutter, Krankenschwester und jeder Arzt eine Auszeichnung verdient“, sagte der Floisdorfer Landwirt und Bauunternehmer Hubert Schilles (68) dem Mechernicher „Bürgerbrief“. Der „Held von der Steinbachtalsperre“ war nicht unter denen, die jetzt in der Düsseldorfer Staatskanzlei mit der NRW-Rettungsmedaille ausgezeichnet wurden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich/Düsseldorf – Die Deutsche Presseagentur (dpa) verbreitete jetzt eine Meldung, dass einer der bekanntesten Retter der Flutkatastrophe im Juli vergangenen Jahres nicht mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wird.

Der Floisdorfer Landwirt und Bauunternehmer Hubert Schilles (68) hatte als Baggerführer durch seinen waghalsigen Einsatz verhindert, dass der Damm der Steinbachtalsperre unter dem Druck der Wassermassen brach. „Vom Bruch des Damms wären nach Schätzung von Experten 10000 Menschen unmittelbar betroffen gewesen.  Die Ortschaften Swisttal und Rheinbach waren evakuiert worden“, so zitiert der „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Presseagentur.

Als jetzt die seit 1951 verliehene Rettungsmedaille des Landes NRW vergeben wurde, fiel ausgerechnet einer am meisten auf, weil er nicht dabei war: Hubert Schilles. Leute, die ihn kennen, wundert das nicht – Der Floisdorfer Unternehmer will gar nicht ausgezeichnet werden. Er hält sein Handeln für selbstverständlich. „Man soll nicht die Brust rausdrücken. Ich bin eher der, der im Hintergrund arbeitet“, sagte der zum Zeitpunkt der Flut 67-Jährige dem Mechernicher „Bürgerbrief“.

„Dankbarkeit der Menschen reicht“

„Wenn ich eine Ehrung bekommen sollte, dann müssten auch alle Mütter und alle Ärzte, die jeden Tag ihr Bestes geben, einen Orden erhalten“, sagte Hubert Schilles auf Rückfrage der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er habe nur getan, „was selbstverständlich“ gewesen sei. „Ich habe mich gefreut, dass die Menschen mir damals dankbar waren. Das reicht völlig. Eine offizielle Auszeichnung brauche ich nicht.“

„Am 16. Juli vergangenen Jahres hatte Schilles sechs Stunden lang mit seinem Caterpillar-329-Bagger den von Geröll und Lehm verstopften Grundablass der Talsperre im Kreis Euskirchen freigeräumt. Ein Einsatz unter Lebensgefahr - arbeitete er doch 18 Meter unterhalb des Wasserspiegels. Der Damm hätte jederzeit brechen können, wenn Schilles einen Fehler gemacht hätte. Feuerwehrleute und Anwohner, die die extrem mutige Aktion beobachteten, hielten den Atem an“, heißt es im „Stadt-Anzeiger“.

„Gesegnet und runtergefahren“

Und weiter: „Die SPD im Düsseldorfer Landtag hatte jetzt eine Kleine Anfrage dazu gestellt, warum der Baggerführer nicht zur Ordensverleihung eingeladen wurde. Der frühere NRW-Innenminister Ralf Jäger will wissen, warum Wüst oder NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) den Helden von der Steinbachtalsperre nicht für die Auszeichnung vorgeschlagen haben.“

Hubert Schilles ist ein tief religiöser Mann. Er machte auch keinen Hehl aus seinem Glauben, als er vergangenen Juli mit seinem Bagger den Grundablass der hochwasserbedingt überschwappenden Steinbachtalsperre bei Euskirchen-Kirchheim freilegte. Hubert Schilles zeigte vor laufenden Fernsehkameras seinen Rosenkranz, den er immer bei sich trägt. Der Chef von 57 Mitarbeitern einer Bauunternehmung, die Hubert zusammen mit seinem Zwillingsbruder Peter betreibt, wollte keinen seiner Leute in einen lebensgefährlichen Einsatz schicken.

„Ich habe mich gesegnet und bin runtergefahren“, sagte er im Fernsehen. Mit Todesverachtung, denn wenn der Staudamm gebrochen wäre, wovor alle Verantwortlichen pausenlos warnten, dann hätte es den Floisdorfer Landwirt und Unternehmer mitsamt seinem schweren Arbeitsgerät fortgerissen. „Ich hatte keinen Augenblick Angst“, sagte Hubert Schilles zur Deutschen Presseagentur (dpa).

pp/Agentur ProfiPress

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