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Ein Geheimnis, schwer wie Blei

Manfred Lang legt mit „Schattenwölfe“ seinen ersten Kriminalroman vor – Mechernicher Tagebau wird zum Schauplatz einer finsteren Geschichte zwischen NS-Vergangenheit und dem Jahr 1981 – Verleger Ralf Kramp: „Historie und Krimi in einem“

Mit „Schattenwölfe“ legt Manfred Lang seinen ersten Kriminalroman vor. Darin macht er den Bleiberg zum Schauplatz einer spannenden Geschichte, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschwimmen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

„Et öss do!“: Mit diesen Worten schickte Verleger Ralf Kramp seinem Freund und Autor Manfred Lang ein Foto vom druckfrischen Exemplar des neuen Eifelkrimis „Schattenwölfe“. Foto: Ralf Kramp/pp/Agentur ProfiPress

„Schattenwölfe“ heißt der neue Eifelkrimi von Manfred Lang, erschienen im KBV-Verlag. Tief unter der Erde nimmt die Geschichte ihren Ausgang und führt zu Antworten, die alles verändern könnten. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Ob mit zunehmendem Alter die Lust am Morden wachse? Manfred Lang muss nicht lange überlegen: „Ja, manchmal schon, dann überkommt es mich“, antwortet der Mechernicher Autor mit einem schelmischen Lächeln. Allerdings beschränkt er seine mörderischen Gelüste dann doch lieber aufs Papier. Genau dort hat er ihnen nun erstmals auf Romanlänge freien Lauf gelassen.

„Schattenwölfe“ heißt der erste Kriminalroman des 1959 in Bleibuir geborenen Autors, Journalisten, Diakons und Vortragskünstlers. Ganz neu ist das Genre für Lang allerdings nicht. Kurzkrimis schreibt er schon seit vielen Jahren, unter anderem für Anthologien und im Umfeld der Eifel-Krimifestivals. „Aber es ist in der Tat mein erster Kriminalroman“, sagt er. Und der habe ihn durchaus vor neue Herausforderungen gestellt. Viel gelernt habe er dabei auch von seiner Lektorin, die, wie Lang schmunzelnd erzählt, mit seinem Manuskript „nicht sehr pfleglich“ umgegangen sei.

Wer Lang vor allem von seinen heiteren Eifelgeschichten, Kolumnen und Bühnenauftritten kennt, dürfte bei „Schattenwölfe“ ohnehin eine Überraschung erleben. „Überhaupt nicht heiter, kein bisschen“, beschreibt er selbst den Ton des Romans. Sein Freund und Verleger Ralf Kramp vom KBV-Verlag bringt es ähnlich auf den Punkt: „Hier zeigt Manni eine ganz andere Seite.“

Ein ungleiches Ermittlerduo

Deren Schauplatz ist Lang dagegen bestens vertraut: der Mechernicher Bleiberg. Und dort auf dem Gelände des stillgelegten Tagebaus „Virginia“ platziert der Autor im November 1981 seinen ersten Toten. Das Ermittler-Duo besteht aus der der jungen Verwaltungsangestellten Lena Cremer, die auf Hinweise stößt, die nicht so recht zu einem Unfall passen wollen. Gemeinsam mit dem hartnäckigen Lokalreporter Albert Neesgen beginnt sie nachzuforschen. Alte Fotografien, manipulierte Akten und Drohungen öffnen ihnen den Zugang zu einer Vergangenheit, die offenbar nie wirklich begraben wurde.

Dabei ist die Konstellation der beiden Hobbyermittler durchaus reizvoll: Lena Cremer ist eine junge, gewissenhafte Verwaltungsmitarbeiterin, Albert Neesgen ein Lokalreporter alter Schule – hartnäckig, respektlos gegenüber Autoritäten und eine Spur rustikaler. Gerade weil beide völlig unterschiedlich funktionieren, ergänzen sie sich.

Im Zentrum steht aber nicht nur ein Kriminalfall. Lang nutzt den Bleiberg mit seiner sichtbaren Welt über Tage und der verborgenen Welt darunter als Bild für etwas Größeres. „Vordergründig geht es darum, dass man Dinge verstecken und verschwinden lassen kann“, sagt er. Doch die unterirdische Welt sei zugleich eine Metapher dafür, dass auch Gedanken, Haltungen und historische Belastungen unter der Oberfläche weiterleben können.

Diese Idee begleitet Lang schon lange. Der Bleiberg fasziniere ihn, „seit ich denken kann“, sagt er. Die verborgene Welt unter den Füßen sei für ihn zum Sinnbild dafür geworden, dass auch Nationalsozialismus, Antisemitismus und rechtsextremes Denken über Generationen fortbestehen können.

Deshalb spielt die Handlung auch bewusst im Jahr 1981. Menschen, die während der NS-Zeit Täter oder Mitwisser gewesen sein konnten, lebten damals noch mitten in der Gesellschaft. Gleichzeitig war die Zeit geprägt vom Kalten Krieg, dem NATO-Doppelbeschluss, der Friedensbewegung und dem RAF-Terrorismus. Für Lang bildet diese Gemengelage den Hintergrund einer Geschichte über Vergangenheit, Verdrängung und die Frage, was irgendwann doch wieder ans Licht kommt.

Dabei zieht der Autor eine klare Grenze zwischen Tatsachen und Erfindung. Prolog und Epilog des Romans seien historisch fundiert, erläutert Lang. Die rund 300 Seiten dazwischen seien Fiktion. Reale Gegebenheiten rund um den Mechernicher Bergbau, den Bleiberg und seine unterirdischen Anlagen bilden aber den glaubwürdigen Rahmen der Geschichte.

Historie und Krimi in einem

Für Ralf Kramp liegt genau darin eine besondere Qualität von „Schattenwölfe“. „Der Manni schließt da im Grunde genommen eine Lücke zwischen zwei Genres“, sagt der Verleger. „Das eine ist die historische Aufarbeitung der Eifelgeschichte, das andere ist der Kriminalroman.“ Zwar gebe es auch in anderen Regionalkrimis historische Bezüge. Hier aber seien sie ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt: „Hier kriegt man Historie und Krimi in einem.“

Und noch etwas unterscheidet „Schattenwölfe“ von vielen bisherigen Veröffentlichungen Langs. Humor gibt es zwar hin und wieder in den Dialogen zwischen Lena Cremer und Albert Neesgen. Doch er steht nicht im Vordergrund. „Das ist eher beklemmend, was da abgeht“, sagt Lang. Genau das sei gewollt: „Das hat auch etwas mit Haltung zu tun.“

Dass ihm das Schreiben eines Kriminalromans dennoch gefallen hat, lässt Lang keinen Zweifel. Ob weitere folgen? Das werde vor allem davon abhängen, wie „Schattenwölfe“ bei den Leserinnen und Lesern ankomme. Grundsätzlich, sagt er, würde er gerne weitermachen.Vielleicht wächst die Lust am literarischen Morden mit dem Alter also tatsächlich noch ein wenig.

„Schattenwölfe“ von Manfred Lang ist im KBV-Verlag erschienen. Das Taschenbuch umfasst 328 Seiten und kostet 15 Euro. ISBN 978-3-95441-767-4.

pp/Agentur ProfiPress

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