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„Da steckt so viel Herzblut drin“

Überraschungsfeier für Matthias Hoß: 1. KG Rot-Weiß Bleibuir verabschiedete Gründungs- und Vorstandsmitglied nach 48 gemeinsamen Jahren – Verdienstorden verliehen

Mechernich-Bleibuir - Das war mal eine gelungene Überraschung. Nur ein leichter Verdacht beschlich Matthias Hoß, als er am Donnerstagabend mit seiner Frau Renate zur Alten Schule in Bleibuir ging, um, wie sie gesagt hatte, die letzten Verabredungen für die Feier zu seinem 70. Geburtstag in wenigen Wochen zu besprechen. „Ich habe mich schon gewundert, dass der Parkplatz so voll war, doch da Donnerstagsabends der Musikverein Probe hat, habe ich mich nichts dabei gedacht“, berichtete er.

Dabei habe es einen anderen Moment gegeben, der ihm komisch vorgekommen war. „Meine Frau hat gesagt, ich soll mir noch ein anderes Hemd anziehen“, verriet er.

Und er habe noch geantwortet: „Was soll der Blödsinn?“

Der Blödsinn war gar keiner, denn unversehens fand Hoß sich im Zentrum der Aufmerksamkeit wieder, welches das frische Hemd durchaus rechtfertigte. Denn sein Verein, die 1. KG Rot-Weiß Bleibuir, verabschiedete ihn mit einer Überraschungsfeier im Saal der Alten Schule. Knapp 50 Mitglieder waren gekommen. 

Einen Menschen wie Hoß als Urgestein des Bleibuirer Karnevals zu bezeichnen, wäre ein Euphemismus. Er war vielmehr sein Herzstück. Denn er war nicht nur Gründungsmitglied der KG im Jahr 1976, sondern auch über 48 Jahre Mitglied des Vorstandes. Erst anlässlich der Jahreshauptversammlung vor wenigen Wochen verkündete er seinen Abschied und machte Platz für die neue erste Vorsitzende Gaby Kriesch, die nun mit ihren Stellvertretern Ralf Linden und Heike Braun an der Spitze der KG steht. 

Doch Hoß war nicht nur Gründungsmitglied des Vereins, sondern auch Büttenredner der ersten Stunde der Bleibuirer Karnevalssitzung, die 1976 Premiere feierte. Dort stand er als „Jockey“ in der Bütt – im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Redner stellten sich mit den Füßen in eine kleine Plastik-Badewanne. Auch im Männerballett war Hoß mit dabei. Seit 2003 war er als Präsident der Sitzung aktiv. Ein weiterer Höhepunkt des Bleibuirer Karnevallebens ist der Rosenmontagszug, der seit 1969 durch den Ort zieht. 

Verdienstorden in Gold mit Edelsteinen

Nicht nur viele Mitglieder der KG waren gekommen, um den Abschied von Hoß zu feiern und ihm für seinen jahrzehntelangen Einsatz zu danken, auch der Musikverein Bleibuir brachte ihm ein Ständchen und ließ dabei die ersten Karnevalslieder in diesem Jahr in Bleibuir erklingen. 

Als Ehrengast war Norbert Niebes als Vertreter des Regionalverbands Düren (RVD) im Bund deutscher Karneval gekommen. Im Gepäck hatte er eine hohe Auszeichnung: Für die 48 Jahre dauernde Vorstandstätigkeit verlieh Niebes an Hoß den Verdienstorden des RVD in Gold mit Edelsteinen. 

Doch Hoß bleibt, wie er an dem Abend noch einmal bekräftigte, den Bleibuirer Karnevalisten erhalten und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Gerade in der Organisation der jährlichen Sitzung konnte er viele Erfahrungen sammeln und erlebte dabei auch Höhen und Tiefen, wie er erzählte. So fiel der Saal der Bleibuirer Kneipe, in der die Sitzung Premiere gefeiert hatte, im Laufe der Jahre weg. 

Nach einigen Jahren, in der die Sitzung in der Halle eines Kranverleihers stattfand, zog sie in das Zelt vor der Alten Schule um. „Wir haben es dann, als das Zelt verkauft werden sollte, mit Boden und Anhänger erworben“, erinnerte sich Hoß. „Das war immer eine Geschichte mit vielen Unbekannten“, sagte er. So sei einmal das Zelt unter der Last einer Schneedecke beinahe zusammengebrochen oder in einem anderen Jahr sei die Heizung ausgefallen.

„Nach 50 Jahren kann man den Karneval nicht einfach an den Nagel hängen, sagte Ralf Linden in seiner Laudatio. Unzählige Stunden ehrenamtliche Arbeit habe Hoß in seine Vorstandstätigkeit investiert. „Ein Karnevalsverein kann nur existieren, wenn Menschen anpacken, auch wenn es kein Vergnügen ist“, betonte er. Doch auch wenn es hektisch geworden sei, sei Hoß immer ruhig geblieben. Doch nun könne Hoß bei der Sitzung im Zuschauerraum Platz nehmen, es sei alles organisiert. „Ob Du das schaffst?“, fragte Linden scherzhaft. 

Mit Wehmut nehme er Abschied, sagte Hoß. „Da steckt so viel Herzblut drin“, beschrieb er seine Gefühle. „Ohne einen funktionierenden Vorstand wäre das nicht gegangen, aber das hatte ich 48 Jahre“, dankte er seinen Vorstandskollege. Auch der Musikverein Bleibuir habe er immer unterstützt, sagte er in Richtung der Musiker. Dann ließen die Karnevalisten in gemütlicher Runde alte Zeiten Revue passieren.

pp/Agentur ProfiPress
 

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