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Barbara soll wieder unter die Leute

Bruno Grobelny (90) schenkt dem Mechernicher Bergbaumuseum eine aus polnischer Steinkohle geschlagene Figur der Schutzpatronin der Bergleute – Dauerleihgabe erinnert an Euskirchener Polenhilfe Anfang der achtziger Jahre – Neuer Platz im Trauzimmer unter Tage

Bruno Grobelny (l.) übergab die aus polnischer Steinkohle gearbeitete Barbara als Dauerleihgabe an Günter Nießen, den Vorsitzenden des Fördervereins Bergbaumuseum Mechernich. Die Schutzpatronin der Bergleute soll künftig im Trauzimmer unter Tage ihren Platz finden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bruno Grobelny präsentiert die schwarze Barbara, die einst als Dank für die große Euskirchener Polenhilfe Anfang der 1980er-Jahre überreicht wurde. Die aus Steinkohle gehauene Figur erinnert zugleich an Bergbautradition, Glauben und gelebte Solidarität. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Günter Nießen (r.) erläutert Bruno Grobelny bei einem Rundgang durch das Bergbaumuseum Modelle und Darstellungen zur Geschichte des Mechernicher Bleibergbaus. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Damit die Barbara wieder unter die Leute kommt“: Bruno Grobelny übereichte eine aus polnischer Steinkohle gemeißelte Figur der Schutzpatronin der Bergleute, die künftig im Mechernicher Besucherbergwerk aufgestellt werden soll. Museumsleiter Günter Nießen spricht von einem Glücksfall. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich/Euskirchen – „Dann kommt die Barbara wieder unter die Leute“, scherzte Günter Nießen. Und damit dürfte der Vorsitzende des Fördervereins Bergbaumuseum Mechernich ziemlich genau getroffen haben, was sich Bruno Grobelny für die schwarze Heiligenfigur gewünscht hat.

Der langjährige Geschäftsführer des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Euskirchen und frühere stellvertretende Landrat übergab die aus polnischer Steinkohle gehauene Barbara am Montag als Dauerleihgabe an das Mechernicher Bergbaumuseum. Ihren künftigen Platz soll die Schutzpatronin der Bergleute ausgerechnet dort finden, wo heute im einstigen Mechernicher Bleiberg Menschen heiraten können: im unterirdischen Trauzimmer des Besucherbergwerks „Grube Günnersdorf“, einer Außenstelle des städtischen Mechernicher Standesamtes.

„Ich bin stolz darauf, dass wir der Empfänger sind“, sagte Nießen bei der Übergabe. Und Grobelny selbst sprach von einer „guten Gabe Gottes“. Dass ausgerechnet er eine Barbara aus Steinkohle besitzt, ist alles andere als Zufall. Bruno Grobelny, geboren am 13. März 1936, stammt aus einer alten oberschlesischen Bergmannsfamilie. Um 1900 kamen seine Vorfahren ins Ruhrgebiet. Sein Vater Wladislaw, den die Kumpel „Wadek“ nannten, arbeitete auf der Zeche „Prosper II“ in Bottrop.

Der Sohn wurde zwar kein Bergmann, wuchs aber mitten in dieser Welt auf. In Bottrop lernte er bei der Maschinenbaufirma Böger in der Nähe des Hauptbahnhofs den Beruf des Schlossers. Das Unternehmen baute damals unter anderem Maschinen und Förderanlagen, wie sie beim Wiederaufbau Deutschlands gebraucht wurden.

Vom Vater übernahm Bruno Grobelny nicht nur die Nähe zur Welt der Kumpel, sondern auch den katholischen Sozialgedanken. Wadek Grobelny engagierte sich in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung KAB. Bruno selbst gehörte der katholischen Jugend an und übernahm in St. Josef in Bottrop Verantwortung als Gruppen- und Pfarrjugendführer. Später bezeichnete er sich selbst gern als „Sozialchrist“.

Mit 500 Mark und Schreibmaschine

Am 1. April 1963 kam Bruno Grobelny nach Euskirchen. Er hatte zwischenzeitlich neben seinem Schlosserhandwerk die Abendschule besucht und soziale Arbeit studiert. Als Sozialsekretär sollte er die verbandliche Caritas im Kreis Euskirchen und insbesondere die Suchtkrankenhilfe aufbauen. „Mit einem Koffer, 500 Mark und einer Schreibmaschine“ sei er damals am Euskirchener Bahnhof angekommen, erinnerte er sich Jahrzehnte später. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich ein Verband mit einem breiten Netz sozialer Dienste.

Grobelny leitete und prägte die Euskirchener Caritas bis 1999. Am 1. April jenes Jahres übernahm Franz Josef Funken seine Amtsgeschäfte. Damit lagen 36 Aufbaujahre zwischen Grobelnys Ankunft und seinem Ausscheiden. Heute ist Martin Jost Chef des Kreiscaritasverbandes.

Viele soziale Initiativen im Kreis tragen seine Handschrift. Gemeinsam mit Ulrike Neubert-Pitzen gehörte er 1993 etwa zu den Initiatoren des ambulanten Hospizdienstes der Caritas. Auch beim Aufbau der Nordeifelwerkstätten gehörte Grobelny 1975 zu den Gründungsmitgliedern.

Parallel engagierte er sich kommunalpolitisch. Der Christdemokrat gehörte über Jahrzehnte zur politischen Landschaft im Kreis Euskirchen und amtierte zeitweise als stellvertretender Landrat. Noch 2024 wurde er für 60 Jahre CDU-Mitgliedschaft ausgezeichnet. Die schwarze Barbara erinnert jedoch an eine ganz besondere Episode dieses langen sozialen Wirkens.

Als Polen Hilfe brauchte

Um die Jahreswende 1980/81 herrschte in Polen große Not. Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs waren knapp. In Euskirchen wurde eine umfangreiche Hilfsaktion organisiert. Nach Grobelnys Erinnerung kamen rund 60.000 Mark an Spenden zusammen. Lebensmittel wurden gekauft, Pakete gepackt und zu bedürftigen Familien gebracht. Das Lazarus Hilfswerk übernahm einen wesentlichen Teil der Transporte. Dass die Organisation bereits 1980 Lebensmitteltransporte nach Polen durchführte, ist auch in ihrer eigenen Chronik festgehalten.

Mit engagiert waren nach Grobelnys Erinnerung unter anderem sein Weggefährte Karl Schlesinger, ein Herr Prokoll aus dem Gesundheitswesen des damaligen Erftkreises sowie Geistliche aus dem Kreis Euskirchen. Dazu gehörten Kreisdechant und Herz-Jesu-Pfarrer Matthias Bädorf und Pfarrer Josef Maaßen aus Stotzheim, der selbst aus Oberschlesien stammte. Auf polnischer Seite waren Ursulinenschwestern wichtige Partnerinnen. Grobelny erinnert sich besonders an deren damalige Oberin Schwester Margret.

Als Dank für die Hilfe schenkten die Ordensfrauen den Euskirchenern jene Barbara, die jetzt ihren Weg nach Mechernich gefunden hat. Die Figur wurde nach Grobelnys Erinnerung im Raum Krakau aus polnischer Steinkohle herausgearbeitet.

Später folgten weitere Hilfsaktionen für Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen der Ursulinen. Grobelny erinnert sich unter anderem an eine Großspende des Lebensmittelherstellers Kühne mit zahlreichen Konserven sowie an große Mengen Süßwaren, die für Kinder und Jugendliche nach Polen gebracht wurden.

Auch kirchlich wurden diese Hilfen wahrgenommen. Grobelny wurde nach eigener Erinnerung von Kardinal Józef Glemp, dem damaligen Primas von Polen, ausgezeichnet. Auch Mathilde Breuer aus der KAB gehörte zu den Geehrten.

Eine starke Beziehung zu Maria

Neben Barbara spielt eine andere Heilige in Bruno Grobelnys Leben eine besondere Rolle: Maria. Seine Marienverehrung ist bis heute ausgeprägt. Noch am Sonntag vor der Übergabe der Barbara hatte der 90-Jährige an einem Bündnistag für Männer im Schönstattzentrum Maria Rast teilgenommen.

Eine kleine Verbindung zwischen Maria Rast und dem Mechernicher Bergbaumuseum besteht bereits: Schwester Maria Regina stellte dem Museum Krippenfiguren für die Weihnachtskrippe zur Verfügung. Vermittelt worden war die Schenkung dieser Krippenfiguren und jetzt der Heiligen Barbara von Mathild Krumbein aus Wüschheim.

Auch von seinen früheren Polenreisen hat Grobelny religiöse Erinnerungsstücke bewahrt. Eine Fahrt führte nach Krakau und nach Tschenstochau zur Schwarzen Madonna. Von dort brachte er einen Wandteppich mit, für den er inzwischen ebenfalls eine neue Heimat vorgesehen hat: Er soll der Communio in Christo in Mechernich übergeben werden.

So schließt sich mehrfach ein Kreis

Die Barbara aus polnischer Steinkohle erinnert an Bergleute, an den Glauben eines oberschlesischen Arbeiterhaushalts, an die Solidarität mit notleidenden Menschen in Polen und an ein Leben, in dem soziales und christliches Engagement für Bruno Grobelny nie voneinander zu trennen waren. Und nun steht sie demnächst wieder dort, wo Barbara seit Jahrhunderten hingehört: unter Tage.

Nur eben nicht allein zwischen Erz, Gestein und Bergmannsgerät. Sondern im Mechernicher Trauzimmer – dort, wo Menschen einander versprechen, füreinander einzustehen. Ganz im Sinne des alten Sozialchristen Bruno Grobelny: „Das ist ein sehr bewegender Augenblick für mich!“.

pp/Agentur ProfiPress
 

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