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380 Kilometer für 689,5 Kilo

Kevin Rataj aus Ostfriesland reist mit seinem Kürbis-Giganten am weitesten an und gewinnt die 15. NRW-Kürbis-Wiegemeisterschaft auf dem Krewelshof Lohmar – Auch Krewelshof-Bauer Max Bieger war mit einem eigenen Schwergewicht vertreten und holte den vierten Platz

Strahlende Sieger zwischen den Kürbis-Giganten: Kevin Rataj gewann mit offiziell 689,5 Kilogramm vor dem Belgier Mark Feyaerts mit 521,5 Kilogramm. Tristan Möller belegte mit 521 Kilogramm Platz drei und wurde zugleich NRW-Meister. Gemeinsam mit ihnen freuten sich die weiteren Preisträger der Wiegemeisterschaft. Foto: Krewelshof/pp/Agentur ProfiPress

Schwergewicht an Schwergewicht: Aufgereiht warteten die Kürbis-Giganten auf ihren großen Auftritt bei der 15. NRW-Kürbis-Wiegemeisterschaft auf dem Krewelshof Lohmar. Foto: Krewelshof/pp/Agentur ProfiPress

Nicht nur die Kürbisse wuchsen über sich hinaus: Bei der Deutschen und nordrhein-westfälischen Riesengemüse-Meisterschaft traten auch gewaltige Zucchini, Kohlrabi, Auberginen und andere Garten-Giganten an. Foto: Krewelshof/pp/Agentur ProfiPress

Moderator „Magic Ingo“ gratulierte „Zucchini King“ Stephen Williams zum neuen deutschen Rekord: Seine Marrow-Zucchini brachte 73 Kilogramm auf die Waage. Foto: Krewelshof/pp/Agentur ProfiPress

Ein König mit seinem 73-Kilo-Gemüse: Stephen Williams aus Bonn präsentierte stolz die Marrow-Zucchini, mit der er den deutschen Rekord aus dem Vorjahr um weitere fünf Kilogramm verbesserte. Foto: Krewelshof/pp/Agentur ProfiPress

Lohmar – 380 Kilometer Anreise am frühen Morgen, fast 690 Kilogramm Kürbis auf dem Anhänger – und am Ende der Sieg: Kevin Rataj aus Ostfriesland hatte nicht nur den weitesten Weg zur 15. NRW-Kürbis-Wiegemeisterschaft auf dem Krewelshof Lohmar, sondern auch das mit Abstand schwerste Gewächs im Gepäck.

689,5 Kilogramm. Dann 690. Und schließlich wieder 689,5. Für einen kurzen Moment schien selbst die Waage überlegen zu müssen, bevor sie sich auf das offizielle Siegergewicht festlegte. „Die Waage schwankte zwischen 689,5 und 690 Kilogramm“, berichtete Krewelshof-Bäuerin Danielle Bieger aus dem spannenden Finale. Gewertet wurden schließlich 689,5 Kilogramm. Das sind knapp 14 Zentner Kürbis und der verdiente Titel für den weitestgereisten Teilnehmer.

Damit gelang Rataj ein gewaltiger Sprung. Im vergangenen Jahr hatte er mit 339 Kilogramm noch den dritten Platz belegt. Nun holte er nicht nur den Gesamtsieg, sondern brachte auch das höchste Siegergewicht seit 2021 auf die Waage. Selbst der 679,5 Kilogramm schwere Gewinnerkürbis des Belgiers Mark Feyaerts aus dem Jahr 2022 blieb zehn Kilogramm darunter.

 

500 Gramm entscheiden

 

Während Rataj an der Spitze einen deutlichen Vorsprung herausarbeitete, wurde es dahinter denkbar knapp. Mark Feyaerts aus Belgien belegte mit 521,5 Kilogramm den zweiten Platz. Gerade einmal 500 Gramm weniger brachte der Kürbis von Tristan Möller aus Nieheim auf die Waage.

Für Möller bedeuteten die 521 Kilogramm dennoch einen besonderen Erfolg: Da Gesamtsieger Kevin Rataj aus Niedersachsen und der Zweitplatzierte Mark Feyaerts aus Belgien stammen, war der Nieheimer der bestplatzierte Züchter aus Nordrhein-Westfalen und durfte sich über den Titel des NRW-Meisters freuen.

Auch Krewelshof-Bauer Max Bieger war mit einem eigenen Schwergewicht vertreten. Sein in Zülpich-Enzen herangewachsener Kürbis brachte 466,5 Kilogramm auf die Waage und sicherte ihm den vierten Platz. Damit lag er drei Kilogramm vor Wouter de Wever aus dem belgischen Gent.

 

Innen leichter als erwartet

 

De Wevers Kürbis hatte bis in die letzten Tage hinein noch kräftig zugelegt. Rund vier Kilogramm täglich, solange die Pflanze gesund blieb und vom Mehltau verschont wurde. Die Voraussetzungen waren gut: Der belgische Züchter verfügt über einen hervorragenden Boden und ein Gewächshaus für seine Zucht.

Doch das Vermessen vor dem großen Auftritt führte diesmal auf eine falsche Spur. Anhand der Außenmaße war sein Kürbis auf etwa 481 Kilogramm geschätzt worden. Tatsächlich zeigte die Waage nur 463,5 Kilogramm an. Das Gewächs war innen offenbar weniger kompakt als vermutet.

Denn Umfang und tatsächliches Gewicht müssen bei den Giganten keineswegs exakt zusammenpassen. Auch Bewässerung und Düngung können beeinflussen, wie dicht und schwer das Fruchtfleisch im Inneren wird. So brachte Max Biegers Kürbis trotz geringerer Erwartungen am Ende drei Kilogramm mehr auf die Waage als das belgische Exemplar.

 

Titelverteidiger auf Platz sechs

 

Der viermalige Lohmar-Sieger und Titelverteidiger Andreas Wild aus Lindlar musste sich diesmal mit 455 Kilogramm und Platz sechs begnügen. Im vergangenen Jahr hatte sein grüner „Atlantic Giant Squash“ noch stattliche 633,5 Kilogramm gewogen. 2024 hatte Wild mit 642,5 Kilogramm sogar den seinerzeit schwersten grünen Kürbis der Welt präsentiert.

Martin Keller aus Bottrop kam diesmal auf 356 Kilogramm. Gleich zwei große Exemplare brachte Lukas Kitz aus Zülpich-Enzen mit nach Lohmar. Die 252 und 218 Kilogramm schweren Kürbisse hatte er gemeinsam mit seiner Mutter im heimischen Garten großgezogen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Kitz bei der Wiegemeisterschaft auf sich aufmerksam gemacht. Damals erhielt ein gemeinsam mit seinem Freund Max Bieger gezüchteter Kürbis den „Howard Dill Award“ für das schönste Exemplar des Wettbewerbs. Auch Robin Lobe aus Velbert stellte sich mit seinem 23,5 Kilogramm schweren Kürbis dem offiziellen Wiegen.

 

Ein Jahr Arbeit für eine Zahl

 

Hinter jedem einzelnen Gewicht steckt monatelange Arbeit. Die Pflanzen brauchen viel Platz, sorgfältig dosiertes Wasser und Dünger sowie täglichen Schutz vor Hitze, Kälte, Starkregen, Hagel und Krankheiten. Manche Züchter bauen eigene Gewächshäuser, stellen Ventilatoren auf oder decken ihre Schützlinge nachts mit Decken zu.

Trotzdem bleibt der Weg zur Waage bis zuletzt ein Risiko. Ein abgebrochener Stiel, ein Loch, Fäulnis oder eine andere größere Verletzung kann dazu führen, dass ein Kürbis nicht zur Wertung zugelassen wird. Das Wiegen erfolgt nach den internationalen Regeln des „Great Pumpkin Commonwealth“, kurz GPC. Nur wenn die strengen Vorgaben erfüllt sind, kann das Ergebnis auch in die internationale Rangliste einfließen.

Entsprechend groß war die Anspannung, als die Giganten nacheinander mit dem Gabelstapler angehoben und mithilfe breiter Gurte zentimetergenau auf der geeichten Waage abgesetzt wurden. Zahlreiche Besucher verfolgten das Spektakel, Kamerateams hielten die entscheidenden Augenblicke fest. Bei jeder neuen Zahl wurde gerechnet, verglichen und unter den Züchtern gefachsimpelt.

 

Zwei neue deutsche Rekorde

 

Nicht nur bei den Riesenkürbissen wurden bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Gleich zwei neue deutsche Rekorde stellte die Riesengemüse-Meisterschaft auf. Für einen doppelten Triumph sorgte Tristan Möller aus Nieheim: Nachdem ihm sein 521 Kilogramm schwerer Kürbis bereits den Titel des NRW-Meisters eingebracht hatte, setzte er auch bei den Auberginen eine neue nationale Bestmarke. Sein violetter Gemüse-Gigant brachte unglaubliche 4,575 Kilogramm auf die Waage. Damit ließ er die Exemplare von Johannes Goell mit 1,710 Kilogramm, Martin Keller mit 1,285 Kilogramm und Johannes Offermann mit 905 Gramm deutlich hinter sich.

Den zweiten deutschen Rekord stellte Stephen Williams aus Bonn mit seiner gewaltigen Marrow-Zucchini auf. Das präsentierte Riesengemüse brachte 73 Kilogramm auf die Waage. Bereits im vergangenen Jahr hatten Stephen und Sonja Williams mit einem 68 Kilogramm schweren Exemplar die nationale Bestmarke gesetzt. Nun legte der „Zucchini King“ noch einmal fünf Kilogramm drauf und verbesserte seinen eigenen deutschen Rekord.

Auch die übrigen Ausmaße konnten sich sehen lassen: Johannes Goell brachte einen 11,5 Kilogramm schweren Kohlrabi und eine Pastinake mit stattlichen 2,015 Kilogramm auf die Waage. Die Kohlrabis von Martin Keller und Johannes Offermann wogen 5,425 beziehungsweise 4,75 Kilogramm. Offermann präsentierte außerdem einen 1,98 Meter langen „Long Gourd“ und einen Sonnenblumenkopf mit 43 Zentimetern Durchmesser. Einen weiteren mächtigen Hingucker lieferte T. Bronck mit einem 24,1 Kilogramm schweren Butternut-Kürbis.

 

 

Kerne für die nächste Generation

 

Die prämierten Kürbisse und Gemüse bleiben nach der Meisterschaft auf dem Krewelshof ausgestellt. Beim späteren „Kürbisschlachten“ werden die Giganten geöffnet und ihre Kerne den jeweiligen Züchtern übergeben. Sie sind der eigentliche Schatz im Inneren: Erfolgreiches Saatgut besitzt in der Szene einen dokumentierten Stammbaum und bildet die Grundlage für die nächste Generation möglicher Rekordkürbisse.

Für Kevin Rataj dürfte die rund 380 Kilometer lange Rückfahrt nach Ostfriesland deutlich leichter gewesen sein als der Hinweg. Sein fast 690 Kilogramm schwerer Kürbis bleibt schließlich in Lohmar. Der Titel des Kürbiskönigs und die Erinnerung an eine bis zuletzt schwankende Waage reisen mit ihm nach Hause.

Und für Kürbisfreunde ist das außergewöhnliche Wochenende damit noch nicht beendet. Bereits am Sonntag, 13. September, wechseln einige der Riesengewächse auf dem Krewelshof Eifel in Mechernich-Obergartzem sogar das Element. Dann werden ausgehöhlte Kürbisse bei der traditionellen Kürbis-Regatta zu schwankenden Rennbooten.

pp/Agentur ProfiPress

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