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Wie Julia zu ihrem Transporter kam

Nach über zwei Jahren und fast 50.000 Euro an Spenden konnte für Julia Sievernich endlich ein behindertengerechter Transporter angeschafft werden

Mechernich-Weyer – Kurz vor Weihnachten 2022 wird eine ganz besondere Geschichte öffentlich. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich der Wunsch von Wilfried Sievernich und seiner schwerstbehinderten Tochter Julia – der Wunsch nach einem Weihnachtswunder in Form eines neuen behindertengerechten Transporters.

Der Gang in die Öffentlichkeit fiel dem damals 57-jährigen nicht leicht, aber für seine Tochter hat er sich sehr gerne überwunden. Denn Julia wollte gerne wieder Ausflüge mit ihrem Vater unternehmen. Für einen dafür nötigen speziell ausgebauten Transporter fehlte allerdings das Geld.

Julia muss 24 Stunden am Tag betreut werden, sie leidet an Tetraparese, Tetraplegie sowie Muskeldystrophie, einer seltenen, unheilbaren Erbkrankheit. Kurz nach ihrer Geburt hatten die Eltern davon erfahren, Julias Lebenserwartung sollte nur zwei Jahre betragen. Doch laut ihrem Vater ist sie eine „Kämpfernatur“. Und so geht sie nun schon auf die 29 zu.

Bis 2015 hatten die beiden einen Bus, mit dem Julia nicht nur zu Therapien gefahren werden konnte, sondern der die beiden auch zu Ausflügen in den Kölner Zoo oder raus in die Natur brachte. Dann kam das Gefährt nicht mehr über den TÜV und war ohnehin zu klein geworden, weil Julia inzwischen liegend transportiert werden musste.

Alle Versuche, Unterstützung zu erhalten, scheiterten. Anträge, Schreiben und Klinkenputzen des Vaters waren nicht von Erfolg gekrönt. Der Traum von Julia, einmal in ihrem Leben das Meer zu sehen, schien unerreichbar. Bis ihr Vater beschloss, um ein Weihnachtswunder zu bitten.

Die Hilfe von überall

Nach einem Bericht der Agentur ProfiPress in Zusammenarbeit mit dem Bad Münstereifeler Journalisten Manfred Görgen sowie Veröffentlichungen in den lokalen Tages- und Wochenzeitungen, tat sich bereits in wenigen Tagen unfassbar viel. Weinend saß Wilfried Sievernich zu Beginn des neuen Jahres nach eigener Aussage auf dem Parkplatz vor der Bank im Auto – vor Freude.

Denn der Spendenaufruf erreichte viele hilfsbereite Menschen. Jugendfreunde aus Iversheim, die der ehemalige Postbote aufgrund der zeitraubenden Pflege seiner Tochter aus den Augen verloren hatte, meldeten sich und überwiesen Geld. Auch gänzlich unbekannte Menschen, teilweise von weit her, unterstützten ihn und seine Tochter finanziell. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute von Herzen helfen“, so der tief berührte Vater, der mit seiner Tochter lange in Bad Münstereifel gelebt hatte. Auch von dort kam jede Menge Unterstützung.

Ein Highlight der vielen Hilfsaktionen war ein Benefizkonzert in Euskirchen Ende Januar 2023. Organisiert wurde es von Johannes Bernd Moers und Tanja Milden, die inzwischen das Alte Brauhaus in Kreuzweingarten betreiben und dort im Juni dieses Jahres einen Empfang für Julia Sievernich organisierten.

Rund 23.000 Euro an Spendengeldern kamen bei dem Benefizkonzert zusammen. Viele engagierte Menschen aus der Region, Bands, Vereine und Firmen sorgten für diese beachtliche Summe. Die große Hilfsbereitschaft hielt an. Und so kamen letztendlich fast 50.000 Euro zusammen. Nun steht endlich ein Transporter für Julia in Weyer und die langersehnten Ausflüge können beginnen.

Bald endlich ans Meer

Etwas über sechs Meter lang ist der weiße Opel, 130 PS hat er. Julia kann in ihm sicher liegend transportiert werden, auch ihre Sauerstoffversorgung ist gewährleistet. Ein Teil ihres Betreuungsteams vom Intensivpflegedienst Lanzerath aus Wald ist in dem Fünfsitzer stets an ihrer Seite.

Die ersten Ausflüge haben Vater und Tochter bereits hinter sich, mal ging es in den Mühlenpark, mal nach Bad Münstereifel und mal nach Effelsberg zum Radioteleskop. Julia kann leider nicht gut sehen, ihr Hörsinn ist dagegen besonders ausgeprägt. So konnte sie beim Radioteleskop neben dem Gezwitscher der Vögel auch den Geräuschen lauschen, die beim Drehen dieser beeindruckenden Weltraumbeobachtungstechnik entstehen.

Belastend sind diese Ausflüge für sie nicht. „Es ist für Julia kein Stress, sondern ein Glücksgefühl“, so ihr Vater. Im Auto hört sie stets ihre Lieblingsmusik: Rock, Pop und Karnevalslieder.

Als nächstes steht Köln auf dem Programm. Dabei sein wird auch Julias Mutter, die Eltern leben seit einigen Jahren getrennt. Im Dom will die Familie den Madonnen-Altar besuchen, beten und Kerzen anzünden. Dann soll es weitergehen zum Zoo, denn „Julia liebt Tiere über alles“, erklärt Wilfried Sievernich. Die Geräusche der Tiere im Zoo dürften ihr daher besonders gut gefallen. „Hoffentlich trötet einer der Elefanten im Gehege dann mal.“

Und natürlich soll es auch eine Fahrt ans Meer geben. Einmal den Sand fühlen und im Salzwasser schwimmen, ist einfach ein Erlebnis, dass jeder Mensch einmal in seinem Leben gemacht haben sollte. Und dank einer speziellen Weste und dem Transporter soll auch Julia Sievernich diese Erfahrung bald endlich machen können.

Rike Piorr/pp/Agentur ProfiPress

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