Zum Hauptinhalt springen

Unvergessen

Steine des Erinnerns für Eva und Lilly Kaufmann aus Kommern – Nachfahrin Regina Cohen ist eigens aus den USA angereist – Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine – Auf Initiative von Rainer Schulz, Elke Höver, Gisela und Wolfgang Freier - Bürgermeister lud Familie ins Rathaus ein

Zwei neue Stolpersteine hat Gunter Demnig (r.) für Eva und Lilly in der Kommerner Gielsgasse verlegt, wo die beiden jüdischen Schwestern geboren und aufgewachsen sind. Lillys Tochter Regina Cohen (v.l.), Enkelin Jasmine Eva Spivack und ihr Sohn Chachar sind extra aus Baltimore (USA) angereist. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Es sei unendlich wichtig, diese Aktionen durchzuführen, sagte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (l.): „Die Stolpersteine sind Steine der Erinnerung und Steine der Mahnung, damit so etwas wie in der Zeit des Nationalsozialismus nie wieder passiert.“ Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Regina Cohen (l.) ist die Tochter von Lilly Clyne (geb. Kaufmann), die 1938, bedroht durch die Nazis, mit ihrer Schwester die Flucht nach England ergriff. „Ich bin sehr froh, heute hier zu sein“, bekennt die Amerikanerin in ihrer kleinen Ansprache.“ Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die beiden Stolpersteine sollen für immer erinnern an Eva und Lilly, die beiden Töchter der Familie Kaufmann, eine jüdische Familie, die vor dem Holocaust glücklich und zufrieden in Kommern wohnte. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Viele Kommerner Bürger, Mechernicher Politiker und Verwaltungsmitarbeiter sind gekommen, um der besonderen Zeremonie beizuwohnen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Bei dem Besuch im Rathaus waren auch die Organisatoren der Stolpersteinverlegung mit dabei. Außerdem auch Ursula und Günter Schulz, die heute in dem früheren Haus von Regina Cohens jüdischen Vorfahren leben. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich-Kommern – Was nur mag in Regina Cohen in diesem Moment vorgegangen, welche Bilder vor dem inneren Auge vorbeigezogen sein? Sie ist mit Sohn Schachar und Enkelin Jasmine Eva Spivack aus dem rund 6300 Kilometer entfernten Baltimore (USA) angereist, um dabei zu sein, wie zwei Stolpersteine in das Pflaster des Bürgersteigs in der Gielsgasse eingelassen werden.

Sie sollen für immer erinnern an Eva und Lilly, die beiden Töchter der Familie Kaufmann, eine jüdische Familie, die vor dem Holocaust glücklich und zufrieden in Kommern wohnte. Regina Cohen ist die Tochter von Lilly Clyne (geb. Kaufmann), die 1938, bedroht durch die Nazis, mit ihrer Schwester die Flucht nach England ergriff. „Ich bin sehr froh, heute hier zu sein“, bekennt die Amerikanerin in ihrer kleinen Ansprache.“

Viele Kommerner Bürger, Mechernicher Politiker und Verwaltungsmitarbeiter sind gekommen, um der besonderen Zeremonie beizuwohnen. Cohens Sohn streicht liebevoll über die gerade frisch eingelassene Messingplatte, Enkelin Jasmine hält alles mit dem Smartphone für die Lieben zu Hause und die Ewigkeit fest. Initiiert hatten die Aktion gegen das Vergessen Rainer Schulz, Elke Höver sowie Gisela und Wolfgang Freier.

75.000 Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig hatte die Gedenksteine eingelassen in den Boden – wie immer, denn er ist der Vater der Stolpersteine. 1992 startete er mit seiner Idee, damals noch nicht absehend, wie groß die Wirkung werden sollte. In 26 Ländern sind seine quadratischen Messingtafeln mittlerweile zu finden. „Überall dort in Europa, wo die Deutsche Wehrmacht, die SS, die Gestapo ihr Unwesen getrieben haben, Menschen ermordet und deportiert haben.“ Damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Am Sonntag, 29. Dezember, nach dem Kirchgang werde in Memmingen der 75.000. verlegt. Demnig: „Zufälligerweise wohnt in diesem Haus, der Vorsitzende der AfD.“

Es sei unendlich wichtig, diese Aktionen durchzuführen, sagte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Wenn die nachkommenden Generationen diese Zeit schon nicht mehr von Zeitzeugen selbst oder aus Büchern erfahren könnten, dann sollten die Steine diese symbolische Aufgabe übernehmen, so der Bürgermeister weiter: „Die Stolpersteine sind Steine der Erinnerung und Steine der Mahnung, damit so etwas wie in der Zeit des Nationalsozialismus nie wieder passiert.“

Zwei Briefe im Rathaus

Auf Einladung des Bürgermeisters kam Regina Cohen mit Familie tags darauf auch ins Rathaus. Dort hatte Dr. Hans-Peter Schick eine besondere Überraschung für die Amerikanerin parat: Zwei Briefe ihrer Mutter an ihn, die Regina Cohen nicht kannte.

Die Tochter war mit ihrer Mutter 1992 das erste und einzige Mal gemeinsam nach Kommern gereist. Es sei seltsam gewesen vor dem Wohnhaus in der Gielsgasse zu stehen, wo damals ihre Familie auf so tragische Art und Weise auseinandergerissen wurde. „Es ist heute so ein friedlicher Ort“, sagte sie.

„Wir hören nicht auf und arbeiten weiter an den nächsten Steinen“, so Schulz. Mit den beiden neuen gibt es nun 24 Stück in Kommern. Insgesamt 29 jüdische Familien lebten damals nach heutigem Wissensstand im Ortskern von Kommern.

Eva Wallace (geborene Kaufmann) verstarb in London, kinderlos, im Jahre 1994. Lilly Clyne (geborene Kaufmann) verstarb in London am 27. März 2015 im Alter von 105 Jahren. Zeit ihres Lebens hatte Letztere die Verbindung nach Kommern nie ganz gekappt, war sogar zweimal noch zu Besuch. 

pp/Agentur ProfiPress

Unsere neuesten Neuigkeiten für Sie

Gedenkgang für Opfer von Verfolgung und Gewaltherrschaft am Dienstag, 10. November in Mechernich – Schulen und Kirchen laden ein

Weiterlesen

Am zweiten Adventswochenende: Budenzauber und Glühweinduft rund um die Alte Kirche in Mechernich – Vereine, Schulen und Kindergärten können sich mit…

Weiterlesen

Der vorletzte Vorlesenachmittag für dieses Jahr findet am Dienstag, 10. November, in der Stadtbücherei statt – Vorgelesen wird die Geschichte „Fritzi…

Weiterlesen

Das Deutsche Rote Kreuz sucht Kursleitungen: – Eltern-Kind-Schwimmen und Babyschwimmen

Weiterlesen

Maf Räderscheidt präsentierte zur 50. Ausstellung in der Galerie im Rathaus ihr außergewöhnliches Projekt „A painting a day keeps the doctor away“ –…

Weiterlesen

Donnerstag, 22., und Freitag, 23. Oktober: Dringende Maßnahmen der DB in Satzvey

Weiterlesen