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„Mechernich ist bunt!“

Hunderte Teilnehmer bei „Demo für lebendige Demokratie und gegen Faschismus“ auf dem Brunnenplatz – Vertreter aus Politik, Vereinen und anderen Institutionen machten sich gemeinsam für Menschlichkeit und eine freie Gemeinschaft stark

Voller Platz, gute Laune und bunte Farben: die „Demo für lebendige Demokratie und gegen Faschismus“ auf dem Mechernicher Brunnenplatz stand im Zeichen von Demokratie, Gemeinschaft und Menschenrechten, die es zu bewahren gilt. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Jeck gegen Rechts“ und bester Laune spielte „Drehorgel-Simon“ stilecht im Regenbogen-Outfit. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Fielen ins Auge: Mitglieder von „Jeck op Europa“ und „Pulse of Europe“, die eigens aus Köln angereist waren. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Kult-Kölsch-Rocker Stephan Brings stellte gegenüber Demokratiefeinden auch im Namen seiner Kollegen klar: „Finger weg von unseren Liedern!“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Bei bestem Wetter war der Brunnenplatz mit Besuchern jeden Alters gut gefüllt. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Die „Omas gegen Rechts“ waren mit einem Stand vor Ort… Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

… genauso wie der „Queere Stammtisch Euskirchen“. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Niemand stellt sich über unsere Verfassung!“ betonte der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Gute Laune hatten die meisten ganz automatisch. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Wie herrlich ist es, dass niemand warten muss, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen“, zitierte Landrat Markus Ramers das Holocaust-Opfer Anne Frank. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Moderiert wurde der Nachmittag von Stephan Siemens. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Es war ein deutliches Zeichen, das am Wochenende rund 300 Leute auf dem Brunnenplatz geeint hat: „Mechernich ist bunt!“ Und das wortwörtlich: denn bei der „Demo für lebendige Demokratie und gegen Faschismus“ wehten Fahnen der verschiedensten demokratischen Parteien neben Regenbogen- und Europaflaggen, Protestschildern, Ständen der „Omas gegen Rechts“, des „Queeren Stammtisches Euskirchen“ sowie weiterer Institutionen und vieler gut gelaunter Menschen jeden Alters, die sich für einen Erhalt der Demokratie in Deutschland stark machten.

Neben den offiziellen Stadtverbands-Chefs der Parteien waren auch der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, sein Stellvertreter Günter Kornell, Stadtkämmerer Ralf Claßen und Landrat Markus Ramers erschienen, um „Flagge zu zeigen“. Komplettiert wurde das „Promiaufgebot“ von Kult-Kölsch-Rocker Stephan Brings, der die ausgelassene Stimmung mit musikalischen Einlagen untermalte.

Als Moderator führte Stephan Siemens durch den sonnigen Nachmittag, organisiert hatte das Ganze Robert Krug mit vielen weiteren Akteuren aus Politik, Vereinen wie der „Tafel“, dem „Freundeskreis Mechernich-Nyons“ und Gesellschaft. Polizei, DRK und zahlreiche Ordner sorgten indes für einen reibungslosen Ablauf. Gegendemonstranten gab es nicht.

 

„Herz von Europa“

 

„Jeck gegen Rechts“ spielte „Drehorgel-Simon“ aus Euskirchen Lieder, darunter die Europahymne „Ode an die Freude“. Diese sangen insbesondere auffällig gekleidete Mitglieder der Vereine „Jeck op Europa“ und „Pulse of Europe“ laut mit, die sich die „Verteidigung des Herzens von Europa“ auf die dunkelblaue Fahne mit gelben Sternen geschrieben haben und extra aus Köln für die Demo angereist sind. Die Gründe seien ganz einfach: „Die EU wird häufig zu negativ dargestellt, dabei hat sie uns sehr viele wichtige Gesetzte, Hilfen und Handelsbeziehungen gebracht, die auch unserer Wirtschaft helfen.“ Ihr Appell laute darum, zur Europawahl im Herbst „unbedingt wählen zu gehen“ und „demokratische Parteien zu unterstützen“.

Deren Stadtverbands-Vorsitzende standen ebenfalls auf der Bühne und sprachen sich für eine wehrhafte Demokratie aus, die sich nicht untergraben lassen dürfe, gerade weil im Herbst Europawahlen anständen. Ähnlich sah es Pfarrer Erik Pühringer von der GdG St. Barbara Mechernich: „Ich bin prinzipiell nicht gegen Dinge. Ich stehe hier, um mich dafür einzusetzen, dass unsere Demokratie weder angegriffen noch zerstört wird.“

 

„Geheimes“ Treffen gab Ausschlag

 

Eines der großen Themen war das Geheimtreffen in Potsdam vor einigen Monaten, das in Deutschland hohe Wellen geschlagen hatte und eine unvergleichbare Bewegung des Protestes in der Bevölkerung nach sich zog. Damals hatten Rechtsextreme sowie Vertreter aus der Wirtschaft und Politik hinter verschlossenen Türen – gegen eine Eintrittsgebühr von 5.000 Euro - über „Remigrationspläne“ fantasiert; die zu großen Teilen rechtswidrige Abschiebung von Millionen von Menschen mit Migrationshintergrund. Bekannt geworden war dies erst durch eine investigative Recherche des Magazins „Correctiv“.

„Sie nennen es Remigration. Doch wir wissen was dahintersteckt und nennen es beim Namen: Deportation!“, wie ein Redner betonte. „Kaum vorzustellen, was dies auch für unsere ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft bedeuten würde“, so ein Anderer.

Wichtig zu merken sei dabei, das Parteien wie die „AfD“ oder die „Werteunion“ zwar demokratisch gewählt würden, jedoch keine demokratischen Positionen vertreten würden. Hinzu käme, dass gemeinsame Aufritte mit Reichsbürgern, Querdenkern und anderen extremistischen Vereinigungen nicht tolerierbar seien, weil deren Ziel „die Destabilisierung und Zerstörung der Demokratie“ sei.

 

„Würde des Menschen ist unantastbar“

 

In Mechernich hatte man dazu eine klare Meinung, auch anlässlich der bevorstehen 75-Jahrfeier zum Deutschen Grundgesetz. Aus dessen erstem Artikel zitierte unter anderem Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und niemand stellt sich über unsere Verfassung!“ Im Gegensatz dazu freute ihn besonders das „große Engagement für Demokratie“.

Doch der Protest richtete sich nicht nur gegen rechts. „Wir sind gegen Extremismus und Rassismus jeder Art. Sei es von rechts, links oder religiös motiviert“, so Dr. Schick weiter. Zusätzlich gab er passende Zitate von Albert Einstein, Nelson Mandela und Dunya Hayali zum Besten, ganz nach dem Motto: „Lasst Euch die Vergangenheit eine Lehre sein!“

 

Jeder kann die Welt besser machen

 

„Nie wieder ist jetzt!“, einer der meistgehörten Ausrufe, passte dabei wie die symbolische Faust aufs Auge. Auch Landrat Markus Ramers machte sich gegen das Vergessen stark: Schutz von Grundrechten, Eigentum, Meinungs- und Pressefreiheit. „Darum stehe ich hier heute auch nicht als Politiker oder Landrat, sondern als Demokrat!“

Er betonte: „Wir müssen gemeinsam zu Lösungen kommen, statt NS-Sprache, Spaltung und Populismus zum Opfer zu fallen. Darum dürfen wir nicht wegsehen. Und mit rechtswidrigen Abschiebungen werden wir die Kriminalität nicht stoppen können!“ Er endete mit einem Zitat des jüdischen Mädchens Anne Frank, die vom Nazi-Regime verfolgt und in einem KZ ermordet wurde: „Wie herrlich ist es, dass niemand warten muss, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.“

 

 „Finger weg!“

 

Auch einer der meist erwarteten Acts, Kölsch-Rocker Stephan Brings, sei auf Nachfrage der Veranstalter „sofort dabei“ gewesen, wie er gegenüber der Agentur ProfiPress erklärte: „Wir müssen über das Problem sprechen, laut werden und darauf Aufmerksam machen, für die Demokratie und für Einander einzutreten!“

Auf der Bühne spielte er „Liebe gewinnt“ „Jeck Yeah“ und „So läuf dat he“, ein Gemeinschaftsprojekt der Kölschen Bands „Höhner“, „Brings“, „Kasalla“, „Bläck Fööss“, „Paveier“ und „Cat Ballou“ – was das Publikum mit schallendem Applaus und Jubelrufen untermalte. „Finger weg!“, stellte er schließlich auch im Namen seiner berühmten Kollegen gegenüber all jenen klar, die sich legendärer kölscher Hits für antidemokratische Zwecke bedienen wollten.

Neben den „Omas gegen Rechts“ und Mitorganisatorin Sabine Henze sprach auch Pfarrer Dr. Michael Stöhr im Namen der Kirche, zitierte Immanuel Kant mit dem Satz „Habe den Mut dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ und lobte besonders den Mechernicher Ordo Communionis in Christo, der vor kurzem erst ein „Interreligiöses Friedensgebet“ zwischen Christen, Muslimen, Juden und Buddhisten organisiert hatte. Er betonte: „So funktioniert Vielfalt. Wie wir hier heute zusammenstehen, wünsche ich es mir für das ganze Land: mit Verstand, Herz und Liebe!“

pp/Agentur ProfiPress

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