Gemeinsam für starken Lokaljournalismus
Kölnische Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger gehören seit Jahrzehnten zur Medienlandschaft im Kreis Euskirchen. Die angekündigte Schließung der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft sorgt deshalb auch bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Region für große Sorge. Collage: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Die angekündigte Schließung der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft und die damit verbundenen Veränderungen in der lokalen Berichterstattung sorgen auch bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Kreis Euskirchen für große Sorge. In einem gemeinsamen Schreiben an Herrn DuMont Schütte appelliert die Bürgermeisterkonferenz deshalb an die Verantwortlichen, die Auswirkungen der geplanten Veränderungen noch einmal sorgfältig zu prüfen.
Für die Kommunen ist eine unabhängige und kritische Berichterstattung ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Infrastruktur. Gerade in einer ländlich geprägten Region brauche es Journalistinnen und Journalisten, die die Menschen, Themen und Zusammenhänge vor Ort kennen, recherchieren, einordnen und Entwicklungen über längere Zeit begleiten. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz könnten diese Arbeit unterstützen, die persönliche Nähe und regionale Kenntnis aber nicht ersetzen.
Die Bürgermeisterkonferenz wirbt deshalb für eine dauerhaft verlässliche lokale Berichterstattung, eine ausreichende journalistische Präsenz vor Ort und den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region. Für die Bürgermeisterkonferenz hat Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel das Schreiben als deren Sprecher unterzeichnet.
Das Schreiben im Wortlaut
Sehr geehrter Herr DuMont Schütte,
die angekündigte Schließung der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft und die damit verbundenen Veränderungen in der lokalen Berichterstattung erfüllen uns als Bürgermeisterin und Bürgermeister im Kreis Euskirchen mit großer Sorge.
Gerade in einer ländlich geprägten Region wie unserer sind Lokalzeitungen weit mehr als Nachrichtenlieferanten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer demokratischen Infrastruktur. Eine unabhängige und kritische Berichterstattung ist für uns als Kommunen nicht immer bequem. Sie ist aber unverzichtbar, denn eine funktionierende Demokratie lebt auch davon, dass kommunales Handeln kritisch begleitet, hinterfragt und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar gemacht wird.
Für die Menschen vor Ort bedeutet guter Lokaljournalismus zudem, dass Themen aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld eine Stimme bekommen: Entscheidungen in Rat und Verwaltung, Entwicklungen in den Ortsteilen, Vereine, Ehrenamt, Wirtschaft, Kultur, Bildung, Infrastruktur und nicht zuletzt auch die Anliegen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Gerade diese Nähe macht Lokaljournalismus aus und unterscheidet ihn von überregionaler Berichterstattung.
In Zeiten, in denen sich Informationen immer schneller über soziale Netzwerke verbreiten, Falschinformationen zunehmen und das Vertrauen in demokratische Institutionen unter Druck steht, braucht es professionellen Journalismus, der Orientierung bietet, Zusammenhänge verständlich macht und für Verlässlichkeit steht.
Natürlich verändert sich die Medienwelt. Digitalisierung, neue Produktionsformen und Künstliche Intelligenz bieten dabei Chancen und können journalistische Arbeit sinnvoll unterstützen. Sie ersetzen aus unserer Sicht jedoch nicht die persönliche Nähe zu den Menschen und die gewachsene Kenntnis einer Region.
Ein starker Lokaljournalismus ist ein wesentlicher Baustein einer funktionierenden Demokratie. Das gilt heute vielleicht mehr denn je. Er schafft Öffentlichkeit, ermöglicht gesellschaftlichen Diskurs und trägt dazu bei, dass kommunale Entwicklungen für die Menschen nachvollziehbar bleiben: Wir appellieren deshalb an Sie, die angekündigte Entscheidung noch einmal zu überdenken und gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort nach Lösungen zu suchen, die eine dauerhaft verlässliche lokale Berichterstattung im Kreis Euskirchen ermöglichen. Zu einer solchen Lösung gehört aus unserer Sicht auch der Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.
Uns geht es dabei ausdrücklich nicht darum, redaktionelle Entscheidungen zu beeinflussen. Die Unabhängigkeit der Presse ist ein hohes Gut, das wir ausdrücklich respektieren und schützen. Uns geht es vielmehr um die Frage, welche journalistischen Strukturen es braucht, damit diese Unabhängigkeit und die notwendige lokale Präsenz auch künftig gewährleistet werden können.
Guter Lokaljournalismus braucht auch künftig eine ausreichend große Zahl von Menschen, die vor Ort recherchieren, einordnen und berichten. Künstliche Intelligenz und neue technische Möglichkeiten können diese Arbeit unterstützen und dazu beitragen, journalistische Arbeit effizienter zu gestalten. Die persönliche Kenntnis der Region, der direkte Kontakt zu den Menschen und die journalistische Einordnung vor Ort bleiben jedoch unverzichtbar. Das hat sich nicht zuletzt bei der Flutkatastrophe gezeigt und wird aktuell auch bei den Bränden deutlich: Gerade in solchen Situationen sind eine verlässliche, schnelle und ortsnahe Berichterstattung und Menschen, die die Region und ihre Besonderheiten kennen, von unschätzbarem Wert.
Wir bitten Sie daher, die Auswirkungen der geplanten Veränderungen auf die lokale Berichterstattung im Kreis Euskirchen noch einmal sorgfältig zu prüfen und gemeinsam mit den betroffenen Redaktionen nach einem tragfähigen Weg für die Zukunft zu suchen.
Denn letztlich geht es nicht allein um die Zukunft einzelner Redaktionen. Es geht um die Frage, wie die Menschen in unserer Region auch künftig verlässlich, unabhängig und umfassend über das informiert werden, was unmittelbar vor ihrer Haustür geschieht.
Für einen Austausch über die Bedeutung und Zukunft des Lokaljournalismus in unserer Region stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
für die Bürgermeisterkonferenz im Kreis Euskirchen
Michael Fingel
Bürgermeister der Stadt Mechernich
Sprecher der Bürgermeisterkonferenz






