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Ein Stück Geschichte kehrt zurück

Kommerner Gerichtssäule entsteht im örtlichen Freilichtmuseum als meisterhafte Nachbildung - Bewegte Geschichte – „Rückkehr“ an alten Platz

Mechernich-Kommern - Es ist ein Stück Geschichte, das Kommern über Jahrhunderte prägte – und nun, nach fast 60 Jahren, in das Herz des Ortes zurückkehrt: die historische Gerichtssäule, einst Symbol der niederen Gerichtsbarkeit im Ort. Im örtlichen LVR-Freilichtmuseum wurde sie über Jahrzehnte bewahrt und restauriert.

Nun entsteht dort, dank Steinmetz-Meisterin Ulrike Glaubitz, eine detailgetreue Nachbildung in traditioneller Handwerkskunst. Übergeben werden soll das Werk nach seiner Fertigstellung an die Bürgerinnen und Bürger von Kommern und künftig wieder an alter Stelle stehen: der Ecke Kölner Straße/Kirchberg.

So wohnte auch der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick dem ersten „Schlag“ bei, den der Kommerner Ortsbürgermeister Rolf Jaeck persönlich mit Hammer und Meißel tat. Danach übernahm die Spezialistin, die die Nachbildung in monatelanger Arbeit und über 200 Arbeitsstunden anfertigen wird. Dabei sei jeder herzlich eingeladen, ihr bei der Arbeit in der Baugruppe „Bergisches Land“ über die Schulter zu schauen. Rund 2,30 Meter werde die fertige Säule messen – samt Kugelabschluss und feiner Profilausbildung. 

Zeichen von Macht

„Die Gerichtssäule war ein Hoheitszeichen. Jeder wusste damals: Kommern hat eine eigene Gerichtsbarkeit“, erklärt Museumschef Dr. Carsten Vorwig die Bedeutung des steinernen Symbols. Errichtet vermutlich im 17. Jahrhundert, markierte die Säule über Generationen hinweg die Macht der Obrigkeit. Oft stand sie zwischen weltlicher und kirchlicher Macht – unweit von Kirche und Burg.

Eine Anekdote aus den 1960er-Jahren aber zeigt, wie sich die Zeiten änderten: nach einer Ratssitzung schossen die Herren eines Nachts – nach Genuss von viel Alkohol - kurzerhand mit einem Jagdgewehr quer über die Straße auf die Gerichtssäule. Ein leichtes, stationäres Ziel. Direkt am nächsten Morgen soll Gemeindedirektor Norbert Leduc dann direkt das Museum gebeten haben, sich des geschundenen steinernen Stückes anzunehmen, das seinen neuen Platz fortan in der Baugruppe Eifel fand.

„Viele Kommerner hatten sich gewünscht, das Original wieder an den alten Platz zurückzuholen“, so Bürgermeister Dr. Schick. Eine Rückgabe sei aus rechtlichen Gründen aber nicht möglich. Stattdessen einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Museums-Steinmetzin fertigt eine exakte Kopie an. Sie freut sich: „Das ist für mich ein besonders schönes und spannendes Projekt. Denn die Gerichtssäule ist nicht nur ein Stück Handwerkskunst, sondern erzählt auch vom gesellschaftlichen Leben vergangener Jahrhunderte.“ Entsprechend erfreut und dankbar waren auch Bürgermeister Dr. Schick und Ortsbürgermeister Jaeck für das Engagement aller Beteiligten.

„Auf Schultern von Riesen“

Glaubitz arbeitet dabei wie ihre Zunft seit Jahrhunderten: vom groben Spitzeisen über das Zahneisen bis hin zu feinen Schablonen, die ihr die Museumschreinerei passgenau angefertigt hatte: „Wir Steinmetze stehen auf den Schultern von Riesen und führen die alten Techniken mit modernem Werkzeug fort.“ Die Materialkosten übernimmt die Mechernicher Stadtverwaltung. Der verwendete Sandstein kommt aus dem Kylltal. „Das ist ein sehr schönes, gebändertes Material“, so Glaubitz.

Wie man es aus dem Museum kennt, leben im Rahmen dieses Projektes auch andere alte Bräuche auf. Zerbricht während der Arbeit ein Werkstück, trägt es den Namen „Bernhard“ und wird feierlich bestattet – samt „Leichenschmaus“ für die Kollegen. Dies soll die besondere Wertigkeit von Material und Arbeit unterstreichen. „Aber einen Bernhard will ich mir hier ersparen“, schmunzelt die Steinmetzin.

Bis Mai nächsten Jahres soll die Nachbildung vollendet sein, aufgestellt auf einem stabilen Fundament – fest verdübelt und wetterbeständig. „Damit bekommen die Bürgerinnen und Bürger ein Stück ihrer Geschichte zurück“, so Dr. Vorwig. Mit der Rückkehr der Gerichtssäule schließt sich also ein Kreis: Was einst Symbol der Gerichtsbarkeit war, wird heute zum Zeichen lebendiger Erinnerungskultur – geschaffen in traditioneller Handarbeit und getragen von dem Wunsch, Geschichte und Heimat wieder enger zu verbinden.

pp/Agentur ProfiPress
 

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