Ein Idiotikon für die Region
Erftstadt-Erp/Mechernich – Wer sich für regionale Mundart und sprachliche Besonderheiten interessiert, kommt neuerdings am „Erper Platt“ kaum vorbei. Elisabeth und Josef Reger sowie die Redaktion des Sprachkreises „Erper Platt“ haben ein umfangreiches Idiotikon veröffentlicht, das die sprachliche Nähe zwischen Erftstadt und der früheren Zugehörigkeit zum Kreis Euskirchen deutlich erkennen lässt.
Unter dem Titel „Von Aatejeschier büs Zuppejrön“ beleuchtet das 191 Seiten starke Werk im handlichen DIN-A5-Format nicht nur die Vielfalt der Ausdrücke, sondern zeigt auch Unterschiede in der Aussprache auf. Der Arbeitskreis „Erper Platt“ mit Hans-Theo Abel, Martina Abel, Melanie Bungert, Anneliese Kratzer, Elisabeth und Josef Reger, Walter Schiffer, Margret Schmitt, Katharina Schnalle und Claudia Schumacher hat das Werk (ISBN 978-3-00-083644-2) bei einem Info-Abend vor zwei Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Sowohl die Buchvorstellung, als auch das Buch selbst stießen auf reges Interesse. Die Anwesenden zeigten sich begeistert von den Einblicken in die lokale Sprachgeschichte und der Fülle an Beispielen, die den einzigartigen Charme des Erper Platts widerspiegeln. Der Verkaufserfolg war so groß, dass die erste Auflage bereits vergriffen ist. Josef Reger: Vor Weihnachten soll es aber rechtzeitig Nachschub im Buchhandel und bei den Mitgliedern geben.“
„Ee Köngk öss kee Köngk“
Das Idiotikon selbst ist ein Schatzkästchen für alle Liebhaber der Mundart. Einige Ausdrücke weichen von dem Platt ab, das beispielsweise am Mechernicher Bleiberg gesprochen wird. So wird das kleine Kind in Erftstadt „Ürbelsche“ genannt, während lautes Geschwätz als „Jeschratel“ bezeichnet wird. Ein Polizist heißt „Blöh“, eine Nonne „Bejeng“. In der Küche stößt man auf Begriffe wie „Koisch“ für Brotkrume und „Hauf“ für Hof.
Wer schlechte Arbeit leistet, leistet „Kotzel“, und „Ongefangs“ meint die Beine. Die Vielfalt geht weit über diese Beispiele hinaus – die sprachlichen Eigenheiten reichen vom Alltag bis hin zu alten Redewendungen, die Weisheit und Humor der Region spiegeln: „Dö bravste Päerd komme ömme en de Kah“ oder „Ee Köngk ös kee Köngk, zwei Köngde sen Spellköngde, drej Köngde vell Köngde…“.
Nicht nur Linguisten, auch Liebhaber regionaler Geschichten kommen auf ihre Kosten. So wird der Heilige Antonius humorvoll zur Eile angetrieben: „Hellije Antonijes flöck, flöck, flöck, maach öns jäng de Meestestöck“. Gleichzeitig dokumentiert das Buch niederländische Einflüsse, etwa beim Begriff „Komkommere“ für Gurken.
Die erste Auflage des Werks ist bereits ausverkauft, doch Interessierte können sich auf eine Nachbestellung freuen. Ende November/Anfang Dezember wird die nächste Bestellliste zusammengestellt, sodass das Buch bald wieder verfügbar sein dürfte.
„Erper Platt“ ist damit nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern ein lebendiges Zeugnis für die sprachliche Vielfalt im Rheinland – ein Stück Kultur, das es sich lohnt, zu bewahren und zu erkunden.






