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Windkraft spaltet die Region

Turbulente Bürgerversammlung in Glehn endete halbwegs versöhnlich – Bürgerinitiative übergab 332 Unterschriften gegen die geplanten sechs Anlagen zwischen Glehn, Bergbuir und Düttling

Mechernich-Glehn – Der Saal im Neuen Dorfgemeinschaftshaus Glehn war brechend voll. Mehr als 200 Menschen, nicht nur aus Glehn, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften Bleibuir, Eicks und Düttling, waren gekommen, um sich über die geplanten sechs Windkraftanlagen am Nordwestrand von Glehn zu informieren – und um ihrer Sorge, ihrem Ärger und ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass es vielleicht noch nicht zu spät ist.

Am Ende gab Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick den Windkraftgegnern tatsächlich einen Hoffnungsschimmer: Er schließt nicht aus, dass die Stadt eine von Hubert Braun geforderte Resolution verabschieden oder gar rechtliche Schritte gegen das Verfahren prüfen könnte. Außerdem riet er der Betreiberfirma REA, über eine finanzielle Beteiligung der Bevölkerung nachzudenken.

REA-Geschäftsführer Wildrath und Projektleiter Bach griffen den Vorschlag auf: „Wir können uns vorstellen, eine Bürgerenergiegenossenschaft zu gründen wie in Nideggen, an der sich die Menschen aus Glehn und Umgebung beteiligen und so von den Gewinnen profitieren.“

100.000 Euro Gewerbesteuern

Für die Stadt Mechernich könnten nach Aussage der REA jährliche Gewerbesteuereinnahmen von ca. 100.000 €  in Aussicht gestellt werden. Außerdem würde der städtische Haushalt über die gesetzlich beschlossene Teilhabe an Windenergieprojekten einen Betrag von ca. 20.000 € pro Windrad und Jahr erhalten. 

Eröffnet wurde die Versammlung vom Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick namens der Stadtverwaltung, die eingeladen hatte, obwohl nicht sie Herrin des Verfahrens ist, sondern Kreis Euskirchen als Untere Immissionsschutzbehörde und Kölner Regierungspräsident.

Auf dem Podium im Dorfgemeinschaftshaus Glehn saßen Vertreter der Stadt Mechernich, des Kreises Euskirchen und der Betreiberfirma REA Regionale Energieanlagen Management GmbH aus Düren. Das waren Sandra Bottin, Thomas Schiefer und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick für die Stadtverwaltung, Achim Blindert, Frank Fritze, Bernd Scheipers und Luca Mehren für die Genehmigungsbehörde Kreis Euskirchen sowie Klaus Wildrath und Projektleiter Dustin Bach für die REA GmbH.

Ruhe vor dem Sturm

Die Veranstaltung begann mit drei sachlichen Vorträgen. Sandra Bottin erklärte die gesetzlichen Grundlagen und die Zuständigkeiten bei der Ausweisung von Windenergiebereichen. Die Stadt selbst sei nicht Herrin des Verfahrens wolle aber „Transparenz schaffen“. Teamleiter Bernd Scheipers stellte die Aufgaben des Kreises vor, der im Auftrag des Regierungspräsidenten Köln die Genehmigungsbehörde ist.

Projektleiter Dustin Bach präsentierte schließlich die Eckdaten: sechs Anlagen, drei etwa 200 Meter, drei bis zu 250 Meter hoch, Rotordurchmesser bis 163 Meter, Gesamtausbeute 90 Millionen Kilowattstunden – genug für 30.000 Haushalte. „Wir sparen damit jährlich 67 000 Kilogramm CO₂ ein. Das ist für mich die Hauptmotivation“, so Bach.

Bis dahin blieb es im Saal ruhig. Auch als Hubert Braun eine Liste mit 332 Unterschriften gegen die Glehner Windräder an Landrats-Vertreter Achim Blindert übergab. Doch als Moderator Manfred Lang die Diskussion eröffnete, wurde es gleich turbulent. Aus dem Publikum hagelte es kritische Fragen.

Hauptstreitpunkt war der reduzierte Mindestabstand von 1000 auf 700 Meter zur Wohnbebauung in den Ortslagen und von 500 m zu den Aussiedlerhöfen. Viele fürchten Wertverluste ihrer Immobilien, Lärmbelästigung (geplante Geräuschwerte: 35–45 Dezibel) und den sogenannten Schattenwurf (bis zu acht Tage im Jahr, dann automatische Abschaltung).

„Wir haben schon Starkregenereignisse – wenn da oben noch Boden versiegelt wird, landen die Wassermassen in unseren Kellern“, warnten Bürger. Eine Frau sprach von „Monster-Windrädern“ und erhielt Applaus, als sie forderte: „Stoppen Sie das Projekt jetzt, solange es noch geht!“

Kritik nicht nur aus dem Publikum

Nicht nur im Auditorium, auch am Podium selbst gab es kritische Töne. Mehrfach wurde das Genehmigungsverfahren als „bundes- und landespolitisch gewollt“ bezeichnet. Aus der Schar der Bürger, die nicht alle einen Sitzplan fanden, wurde das Wort „Willkür“ laut. Vertreter des Kreises betonten dagegen die Rechtslage: „Wir sind an das Bundesimmissionsschutzgesetz gebunden. Wenn die Vorgaben eingehalten sind, müssen wir genehmigen“, sagte Achim Blindert.

Dass die Diskussion so hitzig geführt wird, überrascht Beobachter nicht: Zwar hatte die Stadt schon vor 20 Jahren drei Windkraft-Konzentrationszonen ausgewiesen, deren Anlagen weitgehend geräuschlos akzeptiert wurden. Doch die neuen geplanten Türme sind fast doppelt so hoch wie die bisherigen – und sie stehen näher an den Dörfern. 

Das Vorhaben in Glehn soll in einem, gemäß der in Aufstellung befindlichen Regionalplanung – Sachlicher Teilplan Erneuerbare Energien – ausgewiesenen Windenergiebereich realisiert werden. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich über alle Gebietsausweisungen im Stadtgebiet im aktuellen Entwurf des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien informieren. Die entsprechenden Unterlagen sind unter folgendem Link verfügbar: ttps://beteiligung.nrw.de/portal/brk/beteiligung/themen/1015147.

pp/Agentur ProfiPress
 

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