Bauprojekt vorerst geparkt
Mechernich – Eigentlich sollte der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss der Stadt Mechernich grünes Licht für ein großes Wohnbauprojekt am Chantal-Gougouzian-Weg geben. Geplant sind dort zehn Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 110 Wohneinheiten. Doch nach einer ausführlichen und teils kontroversen Diskussion wurde die Entscheidung am Ende vertagt. Der Vorschlag des Ausschussvorsitzendes Michael Averbeck, das Thema in der nächsten Sitzung erneut zu beraten, wurde einstimmig angenommen.
Zuvor hatte Ingenieur Peter Sampels das Projekt ausführlich vorgestellt. Vorgesehen sind zwei Wohnhöfe mit jeweils fünf dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern samt Staffelgeschoss. Die Gebäude sollen als moderne Karreebebauung mit begrünten Innenhöfen entstehen. Insgesamt sind rund 7300 Quadratmeter Wohnfläche mit Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen geplant. Die Wohnungen sollen öffentlich gefördert und barrierefrei sein.
Sampels erläuterte insbesondere die schwierige Topografie des Geländes. „Zwischen den beiden Grundstücken besteht ein Höhenunterschied von bis zu elf Metern“, so Sampels. Dadurch würden mehrere Gebäude die im Bebauungsplan festgesetzten Höhen überschreiten. Teilweise liegen die Abweichungen bei mehr als zwei Metern. Gleichzeitig betonte Sampels, dass die höchsten Gebäude immer noch unterhalb der bereits bestehenden Mehrfamilienhäuser oberhalb des Grundstücks lägen.
Überschreitungen von bis zu 2,40 Meter
Genau an zwei Punkten entzündete sich die Diskussion: an der Höhenentwicklung und an der Zahl der Stellplätze. „Wir als CDU-Fraktion haben ein, zwei Bauchschmerzen“, sagte Tobias Heidemann. Bei Überschreitungen von 2,40 Metern oder 2,30 Metern könne er nicht mehr von „geringfügigen Abweichungen“ sprechen. Zwar füge sich das Projekt aus seiner Sicht ins Gelände ein, „aber geringfügige Abweichungen sehen für mich anders aus“.
Auch bei den Stellplätzen meldete Heidemann Bedenken an. Für 110 Wohnungen sind 102 Stellplätze vorgesehen, während die städtische Stellplatzsatzung grundsätzlich 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit vorsieht. „Wenn ich jetzt hier sage, ich drücke das so durch, dann ist das ein Freifahrtschein für andere Objekte“, warnte der CDU-Sprecher.
Daniel Decker machte für die SPD deutlich, dass seine Fraktion den Standort und das Ziel grundsätzlich positiv bewerte. „Insgesamt finden wir, dass das ein sehr wichtiges Projekt ist, um Wohnraum zu schaffen, der auch erschwinglich ist“, sagte er. Der Standort sei zentrumsnah, Einkaufsmöglichkeiten und Schulzentrum lägen in der Nähe. Aber: „Der Knackpunkt für uns ist die Parkplatzsituation.“ In der Eifel seien viele Menschen auf das Auto angewiesen.
Ähnlich argumentierte Karl-Heinz Seeliger für die UWV. „Auch wir begrüßen diese Planung, aber wir haben auch das Problem mit der Parkplatzsituation“, sagte er. Aus anderen Orten kenne er, dass Straßen rund um Mehrfamilienhäuser schnell komplett zugeparkt seien. Außerdem müsse man verhindern, dass der nahe Pendlerparkplatz künftig von Anwohnern belegt werde.
Robert Krug, Sprecher der Grünen im Ausschuss, stellte ebenfalls klar, dass bezahlbarer Wohnraum dringend gebraucht werde. Gleichzeitig fragte er, ob das zusätzliche Staffelgeschoss wirklich zwingend erforderlich sei. Es gehe nicht nur um die Höhe im Vergleich zur Umgebung, sondern auch um die Aufenthaltsqualität in den Wohnhöfen. „Wir wollen nicht, dass da soziale Brennpunkte oder Hotspots entstehen“, sagte Krug. Jeder Faktor, den man vorher ausschließen könne, müsse geprüft werden.
Schwierige Rahmenbedingungen
Die Verwaltung verwies darauf, dass Höhenabweichungen immer im Einzelfall bewertet würden. Beim Thema Stellplätze sei die Kritik jedoch nachvollziehbar: Die geforderte Zahl werde nach der städtischen Satzung nicht erreicht. Andererseits könnten Zentrumslage, ÖPNV-Nähe und Wohnungsstruktur Gründe für eine Abweichung sein.
Ein Vertreter des Investors erklärte, ohne die zusätzlichen Staffelgeschosse sei das Projekt bei den aktuellen Rahmenbedingungen kaum wirtschaftlich. Gestiegene Zinsen, Baukosten und weggefallene Fördermöglichkeiten machten die Umsetzung schwieriger. Eine Tiefgarage sei wegen des massiven Höhenunterschieds technisch und wirtschaftlich kaum darstellbar.
Am Ende schlug Michael Averbeck die Vertagung vor: Man solle keinen negativen Beschluss fassen, sondern Planer, Investor und Politik die Möglichkeit geben, offene Fragen bis zur Juni-Sitzung zu prüfen. Die Erwartungshaltung, die Größe und Höhe der Gebäude zu reduzieren und damit auch die Anzahl der vorgesehenen Wohnungen, um somit auch ausreichend Stellplätze bauen und vorhalten zu können, klang damit deutlich durch. Averbeck sagte in Richtung Investor: „Wir können von beiden Seiten prüfen, wie dies realisierbar ist, und treffen uns dann im Juni wieder hier.“






