Aufhelfen, nicht niedermachen
Mechernich steht im Blickpunkt der regionalen Entwicklung. Sowohl bedeutende Gewerbebetriebe (Molkerei Hochwald, 300 Arbeitsplätze) als auch eine nicht abreißende Zahl bauwilliger meist junger Familien interessieren sich für unsere Stadt und wollen hier bauen. Das ist manchen, die bereits hier leben und sich offenbar trotz geogener Bleibelastung wohlfühlen, zu viel. Einige schlagen vor, die Tür zuzumachen.
Im Augenblick wird viel Stimmung gemacht, um dieses persönliche Ziel zu erreichen. Negativstimmung für die Stadt, für den Rat, für mich als Bürgermeister. Dabei wird nicht viel nach der Korrektheit der Fakten gefragt. Es ist offenbar im Stil der Zeit, über soziale und weniger soziale Medien zu diffamieren und „fertig“ zu machen.
Deshalb möchte ich vor Ostern den Versuch unternehmen, an das zu erinnern, was man einmal „gemeinsame Werte“ nannte - auch im Umgang miteinander. Oder nennen sie es „anständig“ – ein völlig aus der Mode gekommener Begriff, der für den einen oder anderen noch Bedeutung hat. In einem Gemeinwesen, das diesen Namen verdient, müssen nicht alle einer Meinung sein, aber sie müssen die Dinge besprechen, zu Mehrheitsüberzeugungen gelangen und dann ordnen und gestalten.
Die Außenwahrnehmung von Mechernich als eine der konstruktivsten und entwicklungs-, bildungs- und wirtschaftspolitisch erfolgreichsten Kommunen im Umland ist eine ganz andere, als das Bild, das zurzeit immer und immer wieder und wider besseres Wissen von einer überschaubaren Zahl von Wortführern in den Medien verbreitet wird.
In unserer Stadt wird demnach getrickst und hintergangen, die Gesundheit der Bürger missachtet und absichtlich geschädigt, Bauherren werden übers Ohr gehauen und Gegner mundtot gemacht. Es wird gelogen und betrogen und der Bürgermeister und der Stadtplaner sind die schlimmsten. Wahrscheinlich haben sie das geogene Blei selbst an Ort und Stelle verstreut und eingegraben . . .
Die meisten spüren, dass das böswillige Unterstellungen sind. Selbst das Thema Blei ist möglicherweise nur deshalb hervorgeholt worden, um zu verhindern, dass Menschen neben dem eigenen Grundstück bauen. Hier komfortabel wohnen – dort bleiverseuchter Boden...
Dabei kann man in Mechernich nicht nur gut wohnen und arbeiten, man kann hier – leben. Und das ist für viele ein qualitativer Quantensprung gegenüber den Wohnsilos und endlos anmutendem Reihensiedlungen der Rheinschiene. Unsere politischen „Vorfahren“ haben schon vor 20 Jahren in den Gebietsentwicklungsplänen festgelegt, wo unsere Entwicklungsschwerpunkte liegen, in Mechernich, in Kommern und in Firmenich/Obergartzem.
Bei uns werden keine 08/15-Schablonen übers Land gelegt und auch der Vorwurf ist Unsinn, hier solle „eine Großstadt entstehen“, wie ich unlängst in einem Zeitungs-Leserbrief zur Kenntnis nahm. Es scheint, als sei kein Argument zu absurd, um die Kommune niederzumachen.
Dabei leben, entscheiden und bauen hier keine Idioten, wie man uns zurzeit glaubhaft machen will. Hier entstehen nicht nur höchst individuelle Einfamilienhäuser, wie die expandierende Miet- und Eigentumswohnungslandschaft in der „City“ zeigt. Mit dem neuen Rathaus und der Polizei sind vor zehn Jahren städtebauliche Impulse in einem Bereich geglückt, der architektonisch ein hoffnungsloser Fall war.
Und wir sollten nicht vergessen, dass bei uns Siedlungen seit prähistorischer Zeit durch die Jahrtausende von der Kultur hier lebender Menschen geprägt sind. Einschließlich zahlreicher Schlösser, Burgen, Kirchen und Kapellen, die bis in die heutige Zeit von weltberühmten Architekten wie Peter Zumthor und Kaspar Krämer errichtet wurden.
Noch wichtiger ist in dem Zusammenhang die Relevanz christlicher Nächstenliebe im täglichen Leben, die Solidarität und soziale Verantwortung unserer Bürgerinnen und Bürger. Ich danke allen, die zusammenhalten, die anderen helfen, denen es dreckig geht und denen Zeit schenken, die Zuspruch brauchen. Für einen Menschen, der am Boden liegt und auf den immer weiter eingetreten wird, ist es Ostern, wenn sich eine Hand entgegenstreckt und aufhilft. Auferstehung.
Ich wünsche Ihnen allen, liebe Mechernicher Bürgerinnen und Bürger, liebe Mitglieder unserer politischen Gremien, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Bauhofs, der Stadtwerke, der Schulen und aller übrigen städtischen Einrichtungen mit ihren Familien, unseren Geschäftspartnern sowie allen Freunden und Bekannten frohe und gesegnete Ostern.
Ihr
Dr. Hans-Peter Schick
(Bürgermeister)






