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Als das Kloster Frauen Freiheit gab

Blick in die Mechernicher Nachbarschaft: Musikwochenende am 5. und 6. September im Kloster Steinfeld: „Markgräfliche Hofmusik“ entdeckt komponierende Ordensfrauen aus Renaissance und Barock neu – Tags darauf spielt der tschechische Organist František Vaníček in der Basilika

Musik, die Jahrhunderte überbrückt: Die „Markgräfliche Hofmusik“ widmet ihr Steinfelder Konzert unter dem Titel „Das ewig Weibliche zieht uns hinan“ vor allem Komponistinnen, die an der Schwelle von Renaissance und Barock in Klöstern jene künstlerischen Freiräume fanden, die Frauen außerhalb der Konvente häufig versagt blieben. Foto: Adrian Kehr/Veranstalter/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich/Steinfeld - Klostermauern sollen Grenzen ziehen. Aber nicht im Sinne von Ein- oder Aussperren, sie können Freiräume schaffen. Von diesem für im wahrsten Sinne „Außenstehende“ zunächst verblüffenden Gedanken erzählt ein außergewöhnliches Konzert, mit dem am Samstag, 5. September, um 19 Uhr ein musikalisches Wochenende im Kloster Steinfeld beginnt. Einen Tag später, am Sonntag, 6. September, um 16 Uhr, gehört die Basilika dann ganz der Königin der Instrumente: Der international konzertierende tschechische Organist František Vaníček spielt an der Steinfelder Orgel Werke aus vier Jahrhunderten.

„Das ewig Weibliche zieht uns hinan“ hat das Ensemble „Die Markgräfliche Hofmusik“ sein Samstagsprogramm in der Hauskapelle des Salvatorianer-Klosters überschrieben. Im Mittelpunkt stehen Frauen, deren Namen heute selbst vielen Musikliebhabern kaum noch geläufig sein dürften: Komponistinnen wie Vittoria Raffaella Aleotti, Claudia Francesca Rusca, Chiara Margarita Cozzolani, Isabella Leonarda, Maria Xaveria Peruchona und Marieta Morosina Priuli.

Sie lebten und komponierten an der Schwelle von Renaissance und Barock – und mehrere von ihnen fanden ausgerechnet hinter Klostermauern Möglichkeiten ihrer künstlerischen Entfaltung, die Frauen in der damaligen weltlichen Gesellschaft weitgehend verschlossen waren. Der Schleier bedeutete für sie deshalb nicht zwangsläufig Rückzug aus der Welt. Das Kloster konnte auch Schutzraum für Bildung, Musik und schöpferische Freiheit sein.

„Markgräfliche Hofmusik“

Diese heute beinahe paradox anmutende Geschichte macht die „Markgräfliche Hofmusik“ hörbar. Anne Hönig (Blockflöte, Sopran, Cembalo), Katharina Schaffer-Klehr (Blockflöten, Alt, Percussion), Tobias Schaffer-Klehr (Tenor) und Fritz Klehr (Cembalo, Orgel, Bass) stellen die Werke der Ordensfrauen in den musikalischen Kosmos ihrer Epoche.

So begegnen ihnen Stücke von Francesco Turini und Biagio Marini; dazwischen erklingen unter anderem Ruscas „Gaudete gaudio magno“ und „Cantate Domino“, Cozzolanis „Venite sodales“, Peruchonas „Regina caeli“ und „Plaude, plaude“ sowie eine Sonate Isabella Leonardas. Mit eigenen Diminutionen von Anne Hönig und Katharina Schaffer-Klehr schlägt das Ensemble zugleich eine kleine Brücke in die Gegenwart.

In Steinfeld sind die Musiker keine Unbekannten. Bereits im November 2023 gastierte die „Markgräfliche Hofmusik“ dort. Im Sommer 2024 kehrte das Ensemble zurück, um im Kloster eine CD einzuspielen, die beim Konzert ebenfalls erhältlich sein wird.

Von Buxtehude bis Gordon Young

Am Sonntagnachmittag wechselt nicht nur der Spielort von der intimen Hauskapelle in die weite Eifelbasilika, sondern auch die musikalische Dimension. Um 16 Uhr nimmt František Vaníček an der Orgel Platz. Der Tscheche springt für den ursprünglich angekündigten italienischen Organisten Paolo Oreni ein.

Vaníček, Jahrgang 1969, studierte am Konservatorium in Pardubice, an der Akademie der musischen Künste in Prag sowie in Utrecht. Bereits 1991 errang er den zweiten Preis beim Albert-Schweitzer-Orgelwettbewerb im niederländischen Deventer. Seit 1989 hat er nach Angaben der Veranstalter mehr als 1200 Orgel-Solokonzerte gespielt – von Europa über die USA bis nach Japan, Australien und Singapur.

Seit 1995 lehrt er Orgel an der Universität Hradec Králové. Von 2016 bis 2024 stand er als Dekan der Pädagogischen Fakultät vor, seit 2024 ist er Prorektor der Universität. Die internationale Presse attestierte ihm unter anderem „faszinierendes Orgelspiel“ und „Orgelmusik in Perfektion“.

Sein Steinfelder Programm spannt einen weiten Bogen. Es beginnt mit Dieterich Buxtehudes Toccata C-Dur BuxWV 137, führt über Leo Hassler und Johann Jacob Froberger zu Johann Sebastian Bach. Von Bach erklingen das Choralvorspiel „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 641 sowie Präludium und Fuge G-Dur BWV 541.

Mit Lefébure-Wélys „Boléro de Concert“ und Sätzen aus Léon Boëllmanns „Suite gothique“ führt der Weg ins 19. Jahrhundert. Werke von Jiří Strejc und Gordon Young schließlich schlagen die Brücke zur Orgelmusik des 20. Jahrhunderts.

So stehen an diesem Septemberwochenende zwei sehr verschiedene Klangwelten nebeneinander: am Samstag jene Frauen, die vor Jahrhunderten hinter Klostermauern ihre musikalische Stimme fanden, und am Sonntag ein Instrument, das die mächtige Steinfelder Basilika selbst zum Resonanzkörper werden lässt.

Der Eintritt zu beiden Konzerten ist frei. Am Ausgang wird jeweils um eine Spende gebeten, mit der weitere kirchenmusikalische Projekte in Steinfeld unterstützt werden sollen. Weitere Informationen gibt es unter www.geg-steinfeld.de.

pp/Agentur ProfiPress

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