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48 Jahre und drei Monate

Ein Berufsleben für die Stadt Mechernich: Kämmerer und Dezernent Ralf Claßen geht zum 31. Oktober in den Ruhestand – Sein Fazit: „Ich habe es nie bereut“

Mechernich – Umtriebig. So würde ihn wohl mancher beschreiben. Ein Mann, der schneller spricht als sein Schatten, sagen andere. Und den liebevollen Titel „Party-Dezernent“ trägt er längst mit einem Augenzwinkern. „Den habe ich mir hart erarbeitet“, sagt Ralf Claßen lachend. Wer ihn kennt, weiß, was gemeint ist. Kaum ein Fest, kein Jubiläum, kein Vereinsevent, bei dem er in den vergangenen Jahrzehnten nicht dabei war – als Gast, Unterstützer oder einfach als einer, der dazugehört. „Ich bin einfach gerne unter den Leuten. Mir macht der Austausch Spaß, die Gespräche, das echte Miteinander, dass ist für mich Heimat“, sagt er.

Und dieser Heimat war der aus Kalenberg stammende 65-Jährige überaus lange treu. 48 Jahre und drei Monate um genau zu sein. So lange war Ralf Claßen Teil der Stadtverwaltung Mechernich. Eine Zeitspanne, die heute kaum noch jemand erreicht. Als er 1977 seine Ausbildung begann, ahnte wohl niemand, dass daraus fast ein halbes Jahrhundert werden würde. „Ich habe es nie bereut“, kann er heute überzeugt resümieren.

Dass er sich damals für den öffentlichen Dienst entschieden hat, war im Freundeskreis nicht unbedingt en vogue. „Das war ja nicht gerade der bestbezahlte Beruf. Aber mein Vater, der am Bauhof gearbeitet hat, kannte viele hier und hat gesagt: ‚Mach das, Junge, da hast du Sicherheit und kannst was bewegen.‘“ Und er sollte recht behalten.

Seine ersten Jahre verbrachte Claßen in einer Verwaltung, die noch ganz anders funktionierte als heute. „In einem Dreier-Büro gab es ein einziges Telefon mit so einem Schwenkarm, damit man sich das Telefon hin- und herschieben konnte“, berichtet Claßen. Computer? „Das kam alles erst später.“ Die Lohnabrechnungen liefen noch über Magnetkonten, Programme mussten minutenlang geladen werden. „Das war EDV zu Fuß“, sagt er schmunzelnd.

Prägende Jahre, prägende Menschen

In all den Jahren gab es Menschen, die Claßen besonders beeinflusst haben. Einer davon war Horst Müller, sein damaliger Chef und späterer Kämmerer. „Ein großartiger Mensch, sozial, kollegial, menschlich – und trotzdem streng, wenn’s sein musste. Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt.“ Über 30 Jahre arbeiteten die beiden zusammen.

Auch Margit Böttcher gehörte zu den Menschen, die ihn geprägt haben als Kollegin, Wegbegleiterin, Freundin. „Wir saßen damals zu dritt in einem Büro, man bekam alles voneinander mit, gute und schlechte Tage. Das schweißt zusammen.“ Ihre gemeinsame Zeit beschreibt Claßen als prägend, fast familiär. „Margit war jemand, auf den man sich immer verlassen konnte.“ Das war auch so, als Ralf Claßen und seine Familie in Gemünd von der Flut heimgesucht wurden. Margit Böttcher und ihre Familie waren sofort da, um zu helfen.

Weitere wichtige Weggefährten waren Stefan Mannz, Christian Baans und Dr. Hans-Peter Schick. „Stefan ist total ruhig, das genaue Gegenteil von mir, und fachlich brillant, wir haben uns immer perfekt ergänzt“, sagt der 65-Jährige. Gemeinsam mit dem Beigeordneten Christian Baans haben sie insbesondere die Finanzen der Stadt modernisiert. Beim Umstieg von der alten Kammeralistik hin zum Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF) war Mechernich ganz vorne mit dabei.

Gefragte Referenten

Claßen und Mannz wurden zu gefragten Referenten, reisten durch die ganze Republik, hielten Seminare, gaben Schulungen, erklärten Kommunen wie moderner Verwaltungshaushalt funktioniert. „Wir haben damals zahlreiche Schulungen gegeben, von der kommunalen Ebene bis zu Landkreisen. Das war eine aufregende Zeit“, erinnert sich Claßen, der auch schwierige Phasen für den Stadthaushalt mitgemacht hat. 2010 musste konsolidiert werden.

Personalkosten mussten runter, die Stadtverwaltung wurde schlanker und auf Effizienz getrimmt.

„Ab 2015 ging es dann wieder aufwärts“, sagt der Dezernent. Zehn Jahre in Folge waren die Haushalte positiv, die sogenannte Ausgleichsrücklage konnte gut gefüllt werden. Ein Polster, das nun helfen muss, die schwieriger werdenden Zeiten zu überstehen.

Zurück zu den prägenden Personen während seiner Rathaus-Zeit. Denn bei der Auflistung darf Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick definitiv nicht fehlen. Immerhin haben beide insgesamt 26 Jahre gemeinsam die Geschicke der Stadt mitgestaltet. „Insbesondere in den zurückliegenden 15 Jahren haben wir ganz eng zusammengearbeitet und gemeinsam auch vieles bewirkt. Der eine konnte sich auf den anderen verlassen“, stellt Claßen fest. So sei es auch Hans-Peter Schick gewesen, der ihm 2018 geraten habe, nicht für Schleiden als Bürgermeister anzutreten. „Ein sehr guter Rat.“ Auch weil Mechernich einfach seine Heimat ist. „Ich bin hier groß geworden, hab hier Fußball gespielt, gefeiert, gearbeitet“, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder und zweifacher Opa, der seit 1991 in Gemünd lebt. 

In fast fünf Jahrzehnten hat Claßen die Stadtverwaltung wachsen und sich verändern sehen. „Früher war’s familiärer, heute professioneller. Damals waren wir mehr ‚Obrigkeitsverwaltung‘, inzwischen sind wir mehr Dienstleistungsunternehmen geworden“, stellt der scheidende Dezernent fest. Was für ihn in all den Jahren gleichgeblieben ist? „Ich habe mich immer wertgeschätzt gefühlt.“ Ein Gefühl, das er auch seinem Team immer habe mitgeben wollen. Ihm sei immer wichtig gewesen, dass man miteinander redet, dass man sich gegenseitig ernst nimmt.

Stark durch Teamwork

Teamwork war eine weitere Säule seiner Arbeit. „Ohne ein gutes Team kannst du gar nicht führen“, sagt Claßen, der sich immer auf seine Teamleitungen habe verlassen können. Kein Wunder, dass er dankbar dafür ist, dass er immer auf Kollegen wie Manuela Holtmeier, Stefan Mannz, Fotini Bung, Holger Schmitz, Kathi Jakob, Michael Käppeler habe bauen können.

Auch deshalb sei er immer gerne zur Arbeit ins Rathaus gekommen. Die sei in einer ‚kleineren‘ Verwaltung wie Mechernich auch immer abwechslungsreich. „Natürlich hätte man für mehr Gehalt in eine größere Behörde wechseln können, aber da ist man nur eine Nummer, bearbeitet möglicherweise nur die Buchstaben A bis C“, so Claßen. Das sei nichts für ihn gewesen. Ihn habe die breite der Aufgaben in Mechernich immer gereizt, mitunter eben auch das familiäre und dass man die Menschen, mit denen man es zu tun hat, eben auch im Alltag immer wieder trifft.

Neben der Umstellung der Haushaltsführung oder die Etablierung eines interaktiven Haushalts für mehr Transparenz gegenüber Politik und Bürgern erinnert sich der Kämmerer besonders an die Euro-Umstellung. Das war eine spannende Zeit. „In der Untertageanlage der Bundeswehr hatte die NRW-Bank damals das Hartgeld gelagert.“ 

Wichtig für ihn war auch immer der Austausch mit den Partnerstädten. Skarszewy in Polen und Nyons in Frankreich. „Diesen Austausch habe ich immer sehr gerne begleitet“, sagt Claßen. Dass er im April dieses Jahres in Frankreich zum Olivenritter geschlagen wurde, ist ein Beleg dafür, dass sein Engagement auch dort anerkannt ist. „Darauf bin ich schon sehr stolz“, so der Dezernent, der auch der Mechernich-Stiftung vorsitzt.

Ein Amt, das er auch im Ruhestand weiter ausüben möchte. Genauso wie sein Engagement im Förderverein des Kreiskrankenhauses Mechernich. Langweilig wird ihm ab dem 1. November sowieso nicht werden. Bei der Wahl am 14. September wurde er für die CDU schließlich in den Kreistag gewählt. „Auf die die neuen Herausforderungen freue ich mich schon“, sagt der Mann, der als Mechernicher Kämmerer nicht selten die Höhe der Kreisumlage kritisiert hat. Man darf also gespannt sein, welcher Hut im Kreistag nun die Oberhand gewinnt.

Kreistag und Dozent

Wenn er dort einmal nicht gefordert ist, wird er dennoch ausgelastet sein. Denn seine Tätigkeit als Dozent beim Rheinischen Studieninstut für kommunale Verwaltung wird er fortsetzen und ausbauen. „An vier Tagen in der Woche werde ich in Köln unterrichten“, so Claßen. Seinen Schülerinnen und Schülern wird er dort in der Hauptsache die Feinheiten des kommunalen Haushalts näher bringen. Neben den nackten Zahlen wird er sicherlich auch seine Erfahrungen im Umgang mit der Politik weitergeben. Denn auch das war ihm immer wichtig, dass er „seinen“ Haushalt verständlich rüberbringt, damit er im Rat auch eine Mehrheit findet.  

„Die 48 Jahre sind unglaublich schnell vergangen“, sagt er sehr bedächtig. Für einen Mann, der sonst schneller spricht als sein Schatten, ist das ein Indiz dafür, dass beim Gedanken an den Ruhestand doch eine gehörige Portion Wehmut aufkommt. Was sicher ist? Der Titel „Party-Dezernent“ wird ihm auch über seine aktive Zeit hinaus bleiben. Umtriebig bleibt er sowieso. Und nach 48 Jahren und drei Monaten in der Stadtverwaltung Mechernich ist noch etwas gewiss: Niemals geht man so ganz…

pp/Agentur ProfiPress

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