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Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf fällt auf – nicht nur, wie hier, während der Rapsblüte. Dass es sich bei dem Beton-Turm um ein Gotteshaus handelt, erkennt man eigentlich erst im Inneren. Geplant hat der Schweizer Stararchitekt Peter Zumthor den dem Heiligen Nikolaus von der Flüe geweihten Sakralraum. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf

Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf wurde von dem Schweizer Star-Architekten Peter Zumthor entworfen – Außergewöhnlicher „Betonturm“ mit extravagantem Inneren

Wer von Wachendorf aus Richtung Rißdorf spazieren geht, dem fällt sie sofort auf: die von Landwirt Hermann-Josef Scheidtweiler und seiner Frau Trudel gestiftete Bruder-Klaus-Kapelle. Allerdings wird erst im Inneren klar, dass es sich bei diesem eigentümlich geformten Betonturm von 12 Metern Höhe um ein geweihtes Gotteshaus handelt. Allenfalls das kleine Kreuz über der dreieckigen Eingangstür weist von außen auf die sakrale Bedeutung des Gebäudes hin.

Tausende pilgern das ganze Jahr zur Bruder-Klaus-Kapelle in die Stadt Mechernich, die eine Hälfte aus Interesse an atemberaubender moderner Architektur, die andere Hälfte aus spirituellen Gründen. Die zum Himmel offene Kapelle, die wie eine Kirche im Innern mächtiger Felsen wirkt, animiert zum Beten und Meditieren. Foto: Archiv pp/Agentur ProfiPress

Entworfen und mitgebaut hat es der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor. Als der das Kölner Diözesanmuseum baute, schrieben ihm die Scheidtweilers einen Brief. Darin baten sie den Eidgenossen, eine Kapelle zu entwerfen. Sie wollten das Bauwerk Bruder Klaus widmen, also dem Heiligen Nikolaus von der Flüe. Der ist nämlich Schutzpatron der Katholischen Landjugendbewegung, die dem Ehepaar Scheidtweiler von Jugend an sehr am Herzen liegt.

Bruder Klaus (1417-1487, heilig gesprochen 1947) war aber auch Schweizer – und der Lieblingsheilige von Zumthors Mutter. So entstanden ein persönlicher Kontakt und ein einzigartiges Bauprojekt, für das der international renommierte Architekt auf jegliches Honorar verzichtete.

Zu Beginn der Bauphase wurden 112 Baumstämme im Wald von Bad Münstereifel für das Innengerüst der Kapelle geschlagen. Die wurden zu einem eher kleinen, zeltartigen Raum zusammengefügt, der nun in vielen Schichten mit Beton aus einer Mischung aus rötlich-gelben Sand, Flusskies und Zement verkleidet wurde.

Als der zwölf Meter hohe Turm fertig war, köhlerten die Scheidtweilers und ihre Helfer aus Familie und dem Freundeskreis die Baumstämme durch ein drei Wochen brennendes Feuer aus. 

Weil Nikolaus von der Flüe („Bruder Klaus“) der Lieblingsheilige seiner Mutter war, nahm Stararchitekt Peter Zumthor den Auftrag zum Bau der Wachendorfer Feldkapelle überhaupt an. Er baute zu der Zeit gerade am neuen Kölner Diözesanmuseum, als das Wachendorfer Bauern- und Erbauer-Ehepaar Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler ihn ansprach. Foto: Archiv pp/Agentur ProfiPress

Der brenzliche Geruch wird noch lange in der Andachtsstätte wahrnehmbar sein und ist Programm.

Alle vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft) sollen dort vereint werden. So kann durch eine Öffnung an der Spitze Regen eindringen und einen kleinen See auf dem besonderen Fußboden bilden.

Der ist nämlich aus einem Blei-Zinngemisch hergestellt worden und bietet durch dieses ungewöhnliche Material eine Verbindung zur Bleiberg-Stadt Mechernich.

Bauhistoriker Dr. Carsten Vorwig vom LVR-Freilichtmuseum Kommern meint: "Von außen ist die Kapelle ungewöhnlich und sogar gewöhnungsbedürftig. Der Baustil ist völlig anders als ortsüblich. Wenn man aber ins Innere tritt, wird man mit einem Aha-Erlebnis wachgerüttelt, denn die Innenarchitektur ist völlig anders als erwartet. Die ungewöhnliche, aber gelungene Lösung fasziniert."

Hermann-Josef Scheidtweiler und Helmut Weber im „Bauch“ der von Peter Zumthor geschaffenen Felsenkirche. Foto: Archiv pp/Agentur ProfiPress

Mechernichs Stadtplaner Thomas Schiefer beschreibt seinen Eindruck zu der Kapelle so: „Das ist schon seltsam, inmitten der Landschaft eine harte architektonische Form. Architektur, die anzuecken scheint. 

Und dann in der Ruhe der Betrachtung stellt man fest, irgendwie ist das doch stimmig. Die Farbe des Betons passt zu den erdfarbenen Äckern der Umgebung, die Form ist ergänzender Teil der Landschaft, ohne diese zu verletzen. Im Innern, in der meditativen Stille des Raumes, werden die Elemente Licht, Wasser, Feuer plötzlich physisch wahrnehmbar. 

Das Leben des naturverbundenen Einsiedlers Bruder Klaus wird spürbar im Geruch des verbrannten Holzes, im Wasser auf dem Boden und im Licht, das beim Blick nach oben zu einem Sternenhimmel wird, der sich im Unendlichen zu verlieren scheint.

In der Umsetzung all dessen in Architektur, dokumentiert sich ein Architekt, der sich auch heute noch Baumeister nennen darf. Die Architektur wird mit ihrer starken Aussagekraft zu Kunst - und zu einem
Kleinod, für dessen Komposition wir Bauherrn und Baumeister in Zeiten schöpferischer Reduziertheit dankbar sein sollten“.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick weist darauf hin, dass nicht jeder die Kapelle schön finden wird. „Jede Zeit hat ihren eigenen Baustil, auch was die Kirchen angeht. Vielleicht werden erst zukünftige Generationen dieses Bauwerk vermehrt schätzen. Architektur ist immer eine Sache des Geschmacks. Mir gefällt die Kapelle. Dort wird Spirituelles und Architektonisches vereint und der Innenraum ist ein wirklicher Andachtsraum. Spannend wird sein, wenn der Beton durch den Zahn der Zeit Patina ansetzt.“

Bei gutem Wetter kommen tagsüber fast ständig Besucher zu dem Mechernicher Ausnahme-Gotteshaus. Schon am Parkplatz an der Hauptstraße durch Wachendorf ist ein Fußweg zur Andachtsstelle ausgeschildert.

Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler wollten sich mit einem Kapellenbau für ihr gutes Leben bei Gott bedanken. Aus einer Laune wandte sich das Ehepaar an den Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor. Mit den Worten „Sie können mich gar nicht bezahlen“ nahm er sich der Bauanfrage schließlich an – und verzichtete auf sein Honorar. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Karl-Heinz Haus, der Generalsuperior der Mechernicher Ordensgemeinschaft „Communio in Christo“, sieht die Kapelle als Experiment, dessen Besucherzustrom für sich spricht. Er sagt: „Es ist bemerkenswert, dass eine gläubige Familie aus einer tiefen Verbundenheit mit dem Schweizer Nationalheiligen Nikolaus von Flüe in der Lage ist, mit einer öffentlichen Kapelle ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, das über sich selbst hinaus weist. Was mich an Nikolaus von Flüe, einem der letzten spätmittelalterlichen Mystiker, beeindruckt: Er war nicht der lebensfremde Heilige, der fernab der Probleme der Menschen und der Welt Haus und Hof verlassen hat. Er wurde von den Zeitgenossen als »lebender Heiliger« in der Schweiz schon früh als Friedensstifter verehrt und als Ratgeber und Fürbitter von einfachen Menschen, auch von in- und ausländischen Gesandten, aufgesucht. 

Nichts ist für unsere Zeit dringlicher, als den Glauben mit unserem Leben und mit den Problemen der heutigen Welt und Gesellschaft zu verbinden."

Eines ist sicher: Die Bruder-Klaus-Kapelle macht Mechernich ein Stück berühmter. Sogar japanische Architekturstudenten wurden an dem „Mechernicher Monument“ angetroffen. 

pp/Agentur ProfiPress

Entlang der gut ausgeschilderten EifelSchleife "Stockertblick und Herkelstein" können Sie den Anblick der Bruder-Klaus-Kapelle auch zu Fuß hautnah erleben.

Weitere Informationen zur Bruder-Klaus-Kapelle finden Sie im Internet unter https://www.feldkapelle.de/

Haben Sie noch Fragen?
Schumacher, Gabriele
/ Zi.:021
Telefon: 02443 / 49-4322
g.schumacher@mechernich.de
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Dienstag bis Sonntag:
Sommerzeit 10:00 - 17:00 Uhr,
Winterzeit: 10:00 - 16:00 Uhr
(entsprechend Uhrumstellung)
53894 Mechernich-Wachendorf
Iversheimer Straße (Parkplatz))

Größere Gruppen ab 10 Personen melden sich bitte vorab beim Eigentümer der Privatkapelle - Familie Scheidtweiler - unter Tel. 02256-7127, Fax: 02256-957090 oder eMail info@feldkapelle.de an. Weitere Informationen – auch zu Führungen - finden Sie auch auf www.feldkapelle.de.

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