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Generalsuperior Karl-Heinz Haus eröffnet in der Unterkirche des Missionshauses St. Michael der Steyler Missionare den 33. Gründungsgedenktag der Communio in Christo. Die heute weltweit verbreitete Gemeinschaft war am 8. Dezember 1984 in Mechernich von der gebürtigen Niederländerin Mutter Marie Therese aus der Taufe gehoben worden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Das Gewissen, die letzte Instanz“

06.12.2017

33. Ordensgedenktag der Communio in Christo im niederländischen Steyl – Festprediger und Referent war der Pallottiner-Pater Professor Dr. Heribert Niederschlag – Er zog Parallelen zwischen seinem den Fahneneid verweigernden Mitbruder Franz Reinisch und de

Steyl/Mechernich – „Wie mein Mitbruder Franz Reinisch, geriet auch Mutter Marie Therese in das Spannungsfeld zwischen dem Gehorsam gegen die kirchliche Obrigkeit und Gott“, erklärte Pallottiner-Pater Professor Dr. Heribert Niederschlag, der Festprediger und Referent des 33. Gründungsgedenktages der Communio in Christo am ersten Adventssamstag im niederländischen Steyl.

Dort beging die Gemeinschaft mit etwa 150 Anhängern, Priestern, Ordensleuten und Laien aus drei Kontinenten, den Jahrestag ihrer Gründung durch Mutter Marie Therese, und zwar in der Unterkirche des Steyler Missionshauses St. Michael, wo im September 1981 die „Kollektive Gemeinschaft Effata“ aus der Taufe gehoben worden war. Sie ging wie mehrere andere Vorgründungen Mutter Marie Thereses am 8. Dezember 1984 in der Communio in Christo auf.

Im Mittelpunkt der Ausführungen des Theologieprofessors aus Vallendar und des ganzen Tages stand das Gewissen als letzte Instanz eines äußeren moralischen Wollens, das mit dem eigenen Willen in Einklang steht. Schon die von Norbert Arnold im Gottesdienst vorgetragene Lesung aus der Apostelgeschichte verwies auf den Tenor: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“



Die Hauptzelebranten während der Eucharistiefeier (von rechts): Pfarrer Robert Mutegeki (Uganda, z.Zt. Rom), Pater Professor Dr. Hderibert Niederschlag, Pater Rudolf Ammann und Pfarrer Jaison Thazhathil, der stellvertretende Generalsuperior der Communio in Christo. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auch das von Pater Rudolf Ammann verkündigte Evangelium (Lukas) vom zwölfjährigen Jesus, der bei der Wallfahrt zu seiner Bar Mitzwa in Jerusalem den Eltern die Gefolgschaft versagt, um „in dem“ zu sein und zu bleiben, was seines Vaters „ist“, warf den zur Rede stehenden Gewissenskonflikt auf.

„Geben Sie sich keinen Illusionen ein“, dozierte Professor Niederschlag nicht ohne Humor: „Auch der Teufel macht Einflüsterungen“. Da dürfe man „den eigenen Vogel nicht für den Heiligen Geist halten.“ Das Gewissen sei zwar nach Überzeugung des Zweiten Vatikanischen Konzils auch in Glaubensfragen ein verlässliches Organ, das den Willen Gottes anzeigen könne. Aber um den von raffinierten Eingebungen der eigenen Phantasie und des eigenen Wünschens unterscheiden zu können, müsse dieses „Organ trainiert“ werden.

Im eigenen Gewissen, das „Instanz der Unterscheidung“ sei, begegneten sich „Zeit und Ewigkeit“, so Niederschlag. Das belegten auch Berichte von Menschen mit Nahtoderfahrungen: „Es geht um das Gelingen eines Lebens in Gott, wobei unser Leben nicht eine Aneinanderreihung äußerer Ereignisse ist, sondern die Geschichte unseres Gewissens.“



„Geben Sie sich keinen Illusionen ein“, dozierte Professor Heribert Niederschlag vor der Mechernicher Ordensgemeinschaft im niederländischen Steyl: „Auch der Teufel macht Einflüsterungen. Da darf man den eigenen Vogel nicht für den Heiligen Geist halten.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mit Amtsträgern in Konflikt

Ins Zentrum seiner Ausführungen beim 33. Ordensgedenktag der Communio in Christo stellte Niederschlag seinen am 21. August 1942 mit dem Fallbeil hingerichteten damals 39jährigen Pallottiner-Mitbruder Franz Reinisch, in dessen Seligsprechungsprozess Niederschlag der Postulator (Fürsprecher, Anwalt) ist. Auch Reinisch folgte allein seinem Gewissen vor Gott, als er Adolf Hitler den Fahneneid verweigerte, so der Festredner. Und zwar gegen den ausdrücklichen Rat und die Anordnungen der Kirchen- und Ordensoberen, die Nachteile für die Gemeinschaft befürchteten, wenn Reinisch hartnäckig bliebe.

Es sei in den Lebensläufen heiligmäßiger Menschen gar nicht selten, dass sie über Kurz oder Lang mit kirchlichen Amtsträgern in Konflikt gerieten. Da befinde sich Mutter Marie Therese in guter Gesellschaft, die am 8. Dezember 1984 den Orden Communio in Christo gegen die Anordnung des von ihr im Übrigen über die Maßen geschätzten und verehrten Aachener Bischofs Professor Dr. Klaus Hemmerle gründete.



Der Mechernicher Kämmerer Ralf Claßen lobte in Steyl das Sozialwerk der Communio in Christo als segensreiches Werk humanistischen Engagements und christlicher Nächstenliebe, das heute mit über 300 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Stadtgebiet Mechernich sei. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auch ihr Gewissen wies ihr nach langen Unterredungen und einer letzten durchlittenen und durchwachten Nacht vor der Gründung den Weg, was zu tun sei. Über ein Jahr blieb die Ordensgründung ein gut gehütetes Geheimnis, womit der Bischof von Aachen geschützt werden sollte, doch dann wurde für die offiziellen Kirchenvertreter offenbar, dass man es bei der ihrem Gewissen und Gott folgenden Mutter Marie Therese womöglich mit einem Fall von „kirchlichem Ungehorsam“ zu tun habe. Diese Vermutung hat sich in einigen Köpfen bis heute gehalten, in anderen ist sie der Überzeugung gewichen, dass bei Mutter Marie Theres außerordentlichem Gründungscharisma der Heilige Geist selbst Regie führte.

Beim 33. Ordensgedenktag in Steyl konzelebrierten diesmal rund 15 Priester aus Deutschland, Polen, Afrika und Indien an der Seite des Hauptzelebranten und Festpredigers, darunter auch Generalsuperior Karl-Heinz Haus, dessen Stellvertreter Father Jaison Thathathil und sein Berater Pater Rudolf Ammann. Ministranten aus den eigenen Reihen der Communio und aus der Gemeinschaft der Gemeinden St. Barbara Mechernich dienten, Ordensschwestern aus Indien und Afrika brachten in einer Gabenprozession Brot und Wein zur Wandlung.



In der Unterkirche des Missionshauses St. Michael beging die Communio in Christo mit etwa 150 Anhängern, Priestern, Ordensleuten und Laien aus drei Kontinenten, den Jahrestag ihrer Gründung durch Mutter Marie Therese am 8. Dezember 1984. Drei Jahre zuvor, im September 1981, hatte die charismatische Niederländerin in Steyl die „Kollektive Gemeinschaft Effata“ aus der Taufe gehoben. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Fürbitten in vielen Sprachen

Die Fürbitten wurden wie immer bei den jährlichen Gedenktagen und anderen feierlichen Anlässen der Communio in mehreren Sprachen vorgetragen, diesmal in Deutsch, Englisch, Niederländisch, Polnisch, Malayalam und Luganda. Für Musik sorgten die Flötistin Claudia Sonnenschein und der Organist Gerhard Vüllers sowie die indischen Ordensschwestern, die mit im Konvent des Mechernicher Mutterhauses leben und wirken.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick wurde von  Kämmerer Ralf Claßen vertreten, der keinen Hehl aus seiner Hoffnung machte, dass der Ordensgedenktag 2018 nach zwei Intermezzi im niederländischen Valkenburg und in Steyl wieder am Mechernicher Bleiberg stattfinden möge, wo Mutter Marie Therese am 8. Dezember 1984 mit der Gründung der Communio in Christo den Anlass für die seither jährlich stattfindenden Gedenktage gegeben hatte.

Claßen lobt das Sozialwerk der Communio in Christo als segensreiches Werk humanistischen Engagements und christlicher Nächstenliebe, das im Übrigen heute einer der größten Arbeitgeber im Stadtgebiet Mechernich sei. Grußworte hatten auch Jacek Pauli, der Bürgermeister von Mechernichs Partnerstadt Sarskewy, und der emeritierte Warschauer Theologieprofessor Stanislaw Urbanski entsendet, die der Communio in Christo eng verbunden sind.

pp/Agentur ProfiPress



Generalsuperior Karl-Heinz Haus zitierte eine öffentliche Erklärung Mutter Marie Therese kurz vor ihrem Tod an die Teilnehmer des Ordensgedenktages 1993: „Die Gründung dieses Ordens ist der Gehorsam gegenüber der Aufforderung meines Gewissens. Dieser Orden bezeichnet sich als Communio in Christo. In diesem Namen folgte er dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, um dieses Konzil gemäß dem Willen des Geistes in Wort und Leben zu verwirklichen. Die ganze Kirche und die ganze Welt sollen in den Werken und in den Schriften dem Aufruf folgen, der Sendung Christi Gehorsam zu leisten und alle Gebote in das eine Gebot einmünden zu lassen: Liebet einander!“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

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