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25 Jahre ist Hennie Eley jung und „erzählt“ in ihrem Bild auch von den mehrfachen Vergewaltigungen in ihrer Heimat und der Hoffnung, dass sie eine Aufenthaltsgenehmigung erhält und in Deutschland bleiben darf. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Als Mensch gesehen werden

23.06.2021

Ausstellung auf Vogelsang am Weltflüchtlingstag - Workshop hilft Geflüchteten ihre Gefühle und Erlebnisse aufzuarbeiten – Sprechen, stärken und stolz sein – „Gänsehaut“ angesichts der auf Leinwand gebannten Emotionen - DRK-Kreisverband bietet außerdem ein Empowerment-Treffen für von Rassismus-Betroffene in Euskirchen an: immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr

Vogelsang/Mechernich/Kreis Euskirchen – „Wie ich mehrere Vergewaltigungen überlebt habe.“ Davon „erzählt“ Hennie Eley in ihrem Bild. Mit Farbe und Motiven hat die 25-Jährige ihr Innerstes nach außen gekehrt. Ein schmerzhafter Prozess, aber genauso ein erster wichtiger Schritt, um die Hölle, die sie im eigenen Land erlebt hat, Stück für Stück aufarbeiten zu können. 2018 ist sie nach Deutschland geflüchtet.



Sie begleitete die Teilnehmer beim „Empowerment“: Sylvie Dayiku Pomame von der Integrationsagentur, Servicestelle Antidiskriminierungsarbeit, DRK-Kreisverbands Euskirchen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Ja“, sagt Eley leise. Das Bild zu malen, sei ihr schwergefallen. Das Malen habe sie aufgewühlt, weil wieder alles hochkam, die Gefühle, die so gut und tief im Innern versteckt lagen. Ihr Bild steht nicht alleine, sondern in einer Reihe mit elf weiteren. Alle wurden sie in einem Workshop mit dem Titel „Empowerment“ gemalt und anlässlich des Weltflüchtlingstags zu „Grenzen und Herausforderungen“ auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang ausgestellt. Zu jedem Werk gehört ein Gesicht und eine Geschichte.

Ihnen wird in Vogelsang Raum gegeben. Langfristig soll der Workshop den geflüchteten Menschen helfen, ihre Interessen wieder eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und sich gegenseitig zu stärken. „Die Menschen werden wieder in ihrer Individualität als Mensch gesehen und anerkannt – nicht als Flüchtling“, bringt es Sylvie Dayiku Pomame, von der Integrationsagentur, Servicestelle Antidiskriminierungsarbeit, des DRK-Kreisverbands auf den Punkt. 



Den Workshop organisierten in Teamarbeit, v.l.: Sylvie Dayiku Pomame (DRK-Kreisverband Euskirchen), Roland Kuhlen (KoBIZ Euskirchen), Katharina Wonnemann (Akademie Vogelsang IP), Hassan Hasno (NS-Dokumentation Vogelsang, Teilnehmer und Kommerner Bürger). Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Das Projekt ist eine Idee von der Vogelsang IP. Dayiku Pomame hat das Konzept zur Umsetzung entwickelt und den Workshop durchgeführt. Die Kooperationspartner mit Katharina Wonnemann von der Akademie Vogelsang IP und ihrem Kollegen, dem Mechernicher Hassan Hasno, sowie Roland Kuhlen vom Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ) in Euskirchen, haben den Workshop gemeinsam mit Dayiku Pomame (DRK) auf die Beine gestellt. Basis für die Workshops bildet das Landesförderprojekt „NRWeltoffen“ im Kreis Euskirchen.



Der Kommerner Hassan Hasno (r.) berichtete den Besuchern, dass er zum ersten Mal zu Pinsel und Farbe gegriffen hat, um seine traumatischen Fluchterlebnisse aufzuarbeiten. Sein Bild zeige den Kampf zwischen Gut und Böse. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Stolz & Gänsehaut

 

„Die Ausstellung ihrer Bilder ist für die Menschen eine Anerkennung. Sie können auf diese Art und Weise zeigen, dass sie da sind. Und stolz auf sich sein“, würdigte Sylvie Dayiku Pomame das Ergebnis. Angesichts der auf Leinwand gebannten Emotionen sagt sie: „Ich habe eine Gänsehaut.“

Zwölf Menschen haben an dem kreativen und künstlerischen Workshop teilgenommen. Auch der Mechernicher Hassan Hasno ist einer davon. Gleich nach Eröffnung der Ausstellung wird er von einem Besucher auf sein Bild angesprochen. Sie kommen ins Gespräch. „Malen?“, das sei für ihn „das erste Mal“, sagt Hassan Hasno. Sein Bild zeige „Gut und Böse, den Kampf zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, zwischen Freiheit und Dunkelheit“ und lässt die Zerrissenheit erahnen.



Die Werke aller Teilnehmer des künstlerischen und kreativen Workshops wurden den Besuchern auf Vogelsang, der ehemaligen NS-Ordensburg, im Freien nebeneinander aufgereiht präsentiert. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Corona-bedingt seien leider nur zwei kreative und künstlerische Treffen möglich gewesen, berichtet Sylvie Dayiku Pomame. „Der Weg ist noch nicht zu Ende. Aufarbeitung braucht Zeit, aber ein wichtiger Schritt ist geschafft und Schönes erschaffen worden“, ist sie genauso glücklich über das Erreichte, wie die Teilnehmer.

Jeden Donnerstag bietet der DRK-Kreisverband ein „Empowerment“-Treffen an - von 16 bis 18 Uhr, Kommerner Straße 39, in Euskirchen. „Dort ist die Aufarbeitung ebenfalls Schwerpunkt, richtet sich speziell aber an Schwarze, die häufig im Alltag Rassismus erleben“, so die DRK-Mitarbeiterin. Ein Novum, sagt sie weiter: „Ein solches Angebot gab es bisher nicht im Kreis“, und sei doch bedeutsam: „Weil die Menschen leiden.“

pp/Agentur ProfiPress



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