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In Berg nahm der als römischer Reitersoldat Martinus verkleidete Stefan Schmitz in der Kutsche von Udo Schäfer Platz und fuhr im Straßendorf von Haus zu Haus. Gezogen wurde das Gefährt von den Ponys Frederik und Niko. Vor jedem Haus, in dem ein Kind wohnt oder ein Senior (60 +), wurde im Namen der Dorfgemeinschaft in Vertretung des Heiligen Bischofs von Tours ein Martinsweck übergeben. Foto: Sabine Schmitz/Privat/pp/Agentur ProfiPress

Corona ein Schnippchen geschlagen

12.11.2020

Alternative Sankt-Martins-„Umzüge“ in Berg und Lückerath – Fackel-Bollerwagen und Gesang, Kutschfahrt und Bescherung von Haus zu Haus

Mechernich – Alle Martinszüge im Stadtgebiet waren wegen dem mit der Pandemie verbundenen Lockdown untersagt. Was nicht heißt, dass keine „Umzüge“ stattgefunden hätten. Sowohl Sankt Martin selbst, als auch einige seiner Fans schlugen Corona ein Schnippchen – zum Beispiel in Berg und in Lückerath.

In Berg nahm der als römischer Reitersoldat verkleidete Stefan Schmitz, der designierte Nachfolger Ferdi Leys als Berger Ortsvorsteher, in der Kutsche von Udo Schäfer Platz und fuhr im Straßendorf von Haus zu Haus. Gezogen wurde das Gefährt nicht von Rentieren, wie der Schlitten von Sankt Nikolaus, sondern von den Ponys Frederik und Niko.

Vor jedem Haus, in dem ein Kind wohnt oder ein Senior, zog Sankt Martin die Zügel an – und überbrachte die freundliche Gabe der Dorfgemeinschaft in Vertretung der Heiligen Bischofs von Tours, dem das Rheinland diesen wunderschönen Brauch um Martinsfeuer, Martinszug und Martinsweck zu verdanken hat.



Angesichts des abgesagten Lückerather Martinszuges ließ sich die fünfköpfige Familie Tesch in der Schoßbachstraße eine im wahrsten Sinne des Wortes „gangbare Alternative“ einfallen – und zog mit einem zum „Fackelwagen“ umfunktionierten Bollerwagen durchs Dorf und verteilte selbstgebackene Martinswecken. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Martinszüge erst seit 1900

 

Das heutige Martinsbrauchtum ist jünger, als man vermuten sollte. Im 19. Jahrhundert war älteres Martinsbrauchtum mit Fackelläufen und Gelagen zum allgemeinen Schabernack Jugendlicher verkommen. Vor allem Lehrer und Geistliche begannen damit, das mehr oder weniger ausufernde Treiben in geordnete Bahnen zu lenken.

Ein geordneter Martinsumzug wurde 1867 erstmals am Niederrhein abgehalten (Dülken). 1886 saß in Düsseldorf der erste Martin auf einem Pferd. Um die Jahrhundertwende loderten die ersten Martinsfeuer im heutigen Kreisgebiet, um 1920 waren Sankt-Martins-Fackelzüge im Raum Mechernich obligatorisch.

Angesichts des abgesagten Lückerather Martinszuges ließ sich die fünfköpfige Familie Tesch in der Schoßbachstraße eine im wahrsten Sinne des Wortes „gangbare Alternative“ einfallen – und zog mit einem zum „Fackelwagen“ umfunktionierten Bollerwagen durchs Dorf.

Bereits am Nachmittag des „Elften im Elften“, der schon lange Martinstag war, ehe an ihm die Jecken ihre „Session“ eröffneten, standen Jona, Jaron und Kaja mit ihren Eltern Caroline und Guido in der Küche und buken Martinswecken für Schulfreunde und gute Bekannte im Dorf.

Die besuchten sie mit ihrem „Fackelwagen“ und sangen mit gebührendem Corona-Sicherheitsabstand ein selbstgedichtetes Martinslied dazu – und das ging so: „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin zieht heut nicht voran/ Corona, ja, ist schuld daran/ Sankt Martin sitzt im Sessel fein/ Drum laufen wir heut hier allein . . .“

pp/Agentur ProfiPress



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