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Etwa 150 Gläubige, darunter viele Kinder mit Martinsfackeln und etwa 30 jugendliche und junge erwachsene Christen aus der GdG („Gemeinschaft der Gemeinden“) St. Barbara, die sich zurzeit auf die Firmung vorbereiten, feierten unter freiem Himmel einen Sankt-Martins-Gottesdienst. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Noch nie ein Lächeln wie dieses gesehen…

09.11.2020

Sankt Martin ohne Zug und doch unter freiem Himmel: Kinder und Jugendliche teilten beim Open-Air-Gottesdienst in Mechernich ihre Ansichten über Verantwortung und Nächstenliebe mit den Erwachsenen

Mechernich – Einen denkwürdigen Sankt-Martins-Gottesdienst unter freiem Himmel feierte die Pfarrgemeinde Mechernich am Samstagabend auf dem Vorplatz der Kirche, im Dreieck zwischen Gotteshaus, Johanneshaus und Pastorat.

Etwa 150 Gläubige waren gekommen, darunter viele Kinder mit Martinsfackeln und etwa 30 jugendliche und junge erwachsene Christen aus der GdG („Gemeinschaft der Gemeinden“) St. Barbara, die sich zurzeit auf die Firmung vorbereiten.

Alle saßen auf Abstand, alle trugen Mund-Nase-Masken, doch die Folgen der Covid-19-Pandemie in den Seelen waren schwerer absehbar. Die Martinszüge sind hierzulande zuletzt im Krieg ausgefallen, der Friedensgruß wurde per Winke-winke auf Distanz gegeben, und die Kommunion wurde in den Sitzblöcken dargereicht, damit möglichst wenig Aufhebens und Bewegung entstand.



„Es geht um Aufmerksamkeit und Verantwortung füreinander. Es geht um Rücksicht und ums Teilen“, sagte Pfarrer Erik Pühringer beim Open-Air-St.-Martins-Gottesdienst im Dreieck zwischen Kirche, Johanneshaus und Pastorat. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Botschaft des Heiligen Martin von Tours unterdessen drang auch so durch, vielleicht noch mehr als in unbelasteten Zeiten: „Es geht um Aufmerksamkeit und Verantwortung füreinander. Es geht um Rücksicht und ums Teilen“, so Pfarrer Erik Pühringer.

Nicht weniger als 17 Zentner Lebensmittel in 44 großen Transportkisten hatten die 30 Firmlinge der Gemeinschaft der Gemeinden Mitte Oktober im REWE-Markt Marienau gesammelt. Und zwar, in dem sie jeden Käufer baten, ein Kilo mehr Reis, Mehl, Zucker, Nudeln oder Konserven einzukaufen und diese und andere haltbare Lebensmittel für die Hilfsbedürftigen der Mechernicher „Tafel“ zu spenden.

 

Tafel-Chef beeindruckt:
17 Zentner gesammelt

 

Wolfgang Weilerswist, der Vorsitzende der Mechernicher „Tafel“ und Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln in NRW, war begeistert, wie sich „die jungen Leute da reingehängt haben“. Weilerswist, der den Open-Air-Gottesdienst an der Seite seiner Frau Marlene mitfeierte, freute sich über den Zusammenhalt und den Einsatz der Pfarrgemeinde für die Hilfsbedürftigen aus Mechernich und Umgebung.



„Tafel“-Chef Wolfgang Weilerswist, hier mit Frau Marlene, war begeistert, wie sich „die jungen Leute da reingehängt haben“. Die diesjährigen Firmlinge sammelten Mitte Oktober nicht weniger als 17 Zentner haltbare Lebensmittel für Bedürftige. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Beim „Herr erbarme Dich“ formulierten kleinere Kinder aus dem Familienmesskreis: „Lieber Gott, wir sehen oft nicht die Not unserer Mitmenschen oder übersehen, was ihnen fehlt - erbarme dich!“ Und: „Lieber Gott, wir vergessen oft, dankbar zu sein.“

Im Wortgottesdienst berichtete eine Firmkandidatin eine möglicherweise wahre Begebenheit aus Belfast. Die Studentin Anna Marie McDaniel habe den „Vorfall“ bei Facebook geschildert: Der Bus 10H, den die Studentin immer auf dem Nachhauseweg benutzt, fuhr auch an dem betreffenden Tag an einem bestimmten Obdachlosen vorbei.

„Heute stand er wieder dort an seinem angestammten Platz, im strömenden Regen, sein T-Shirt war bis auf die Haut durchnässt.“ Plötzlich habe der Busfahrer gestoppt und den Mann zu sich herangerufen. „Er gab ihm eine große Plastiktüte und sagte ihm, dass er gehofft habe, ihn heute zu sehen - denn er habe ihm einen Wintermantel gekauft.“



Agnes und Rainer Peters (vorne) sorgten für die gute Akustik und eine Powerpoint-Show zur Ein-Kilo-Aktion der Firmlinge. Die Mütter und Kinder des Familienmesskreises gestalteten die Liturgie, die Katechetinnen der Firmlinge und die Firmlinge selbst sorgten im Hintergrund dafür, dass alles wie am Schnürchen klappte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Offenbar konnte der Bettler sein Glück zunächst kaum fassen, denn er weigerte sich, die Gabe anzunehmen. „Aber der Fahrer war unerbittlich.“ Der Mann müsse das annehmen, denn er habe den Mantel extra für ihn gekauft. Anna McDaniel beschreibt den Gesichtsausdruck des Beschenkten. „Ich habe noch nie ein Lächeln wie dieses auf dem Gesicht des Obdachlosen gesehen.“

 

Käufer behandelten
„Bettler“ freundlich

 

Statt einer Predigt gaben die Firmlinge im Interview mit Diakon Manfred Lang ihre Eindrücke aus der Lebensmittel-Sammelaktion für die Mechernicher Tafel wieder: „Die Menschen, die wir ansprachen, waren meistens sehr freundlich und gingen auf unsere Vorschläge ein, über den eigenen Bedarf hinaus »1 Kilo mehr« Mehl, Zucker, Trockenerbsen, Reis oder auch Plätzchen und Konserven für Bedürftige zu kaufen.“

Bereits am Abend des ersten Sammelnachmittags hatten die Aktionsteilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 16 und 17 Jahren 16 große Stapelkisten mit haltbaren Lebensmitteln für die „Tafel“ gefüllt. „Die meisten Leute brachten was mit raus von ihrem Einkauf, das sie uns für Bedürftige dalassen“, so Jan Cunzemann, einer der Sammler.



Musiker unter sich: Der frühere hauptamtliche Organist und Chorleiter Hans Wolpers bediente im Sankt-Martins-Freiluftgottesdienst das Klavier, Rainer Peters, professioneller Rockmusiker, sorgte für die perfekte Beschallung des Gottesdienstgeländes vor der Mechernicher Pfarrkirche. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Wenige gaben uns zu verstehen, dass sie es eilig haben“, so eine junge Frau aus dem Kreis der Firmaspiranten. Da müsse man Fingerspitzengefühl entwickeln und die Leute auch in Ruhe lassen. „Insgesamt waren wir aber sehr positiv überrascht, wie gut die Leute uns und unsere Bitte annehmen.“ Jan Cunzemann: „Manche gaben uns auch Geld und schickten uns, selbst was für die Bedürftigen auszusuchen“.

In den Fürbitten baten Ben und Yves stellvertretend für alle Anwesenden Gott um seinen Einfluss auf die Herzen der Menschen, damit sie Verantwortung füreinander übernähmen, teilten, „auch nah bei denen sind, die einsam sind und sich ausgeschlossen fühlen“, die Kranken besuchen und trösten.

 

Viele arbeiteten vor und
hinter den Kulissen mit

 

Für Musik sorgte Hans Wolpers am Klavier, eine Powerpoint-Präsentation hatte Agnes Peters vorbereitet, ihr Mann Rainer Peters, professioneller Rockmusiker, sorgte für den perfekten Klang, die Mütter und Kinder des Familienmesskreises gestalteten die Liturgie, die Katechetinnen der Firmlinge und die Firmlinge selbst sorgten im Hintergrund dafür, dass alles wie am Schnürchen klappte.

Ein ganz dickes Lob hätte auch dem Heiligen Petrus gebührt, falls der tatsächlich fürs Wetter verantwortlich ist. Denn es blieb nicht nur trocken, sondern mit angenehmen 15 Grad auch für die Jahreszeit sehr angenehm.

Am Ende gab es für alle „Lichtertüten“, auch für die, die selbst keine Martinsfackel mitgebracht hatten. Sie wurden verteilt und das Licht von Tüte zu Tüte, von Träger/in zu Träger/in weitergegeben. Jeder bekam zwei Tüten- eine für sich und eine, um sie mit nach Hause zu nehmen und dort an jemand anderen weiterzureichen.

Damit folgten die Mechernicher Katholiken einer Aktion des Bistums Aachen, in der es heißt „Zünd ein Licht an“. Am Abend des 11. November sollen alle Lichtertüten in den jeweiligen Fenstern erstrahlen. Obwohl Sankt Martin dieses Jahr nicht hoch zu Pferd und persönlich erschien, wurden am Ende des denkwürdigen Martinsgottesdienstes auch noch Wecken verteilt.

pp/Agentur ProfiPress



Fackeln und Wecken gab es in der katholischen Pfarrgemeinde Mechernich trotz ausgefallenen Martinszuges. Die Fackeln hatten die „Pänz“ zum Großteil selbst gebastelt und mitgebracht. Aber am Ende bekam jeder Gottesdienstteilnehmer zwei Lichtertüten. Sie sollen am Abend des 11. November, dem Festtag des Heiligen Martin, in den Fenstern der Häuser stehen und leuchten – als Licht der Hoffnung und des Trostes in diesen traurigen Pandemie-Zeiten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

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