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Ingenieur Jörg Nußbaum (l.), Teamleiter der Stadtwerke Mechernich, und Versorgungstechniker Daniel Uhlhaas, an den beiden modernisierten Filtern. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Innovative Technik für reines Wasser

10.08.2020

Mechernicher Stadtwerke setzen mit neuen Filtern auf Absorptionsverfahren in Düttlinger Anlage - Granuliertes Eisenhydroxid hält Blei zurück

Mechernich/Düttling – Die Modernisierung der Trinkwasseraufbereitungsanlage Düttling schreitet weiter zügig voran. Mitte August sollen die neuen Filter in Betrieb genommen werden. Mit der neuen Technik gehen die Stadtwerke Mechernich innovative Wege. Das Projekt hat Pilotcharakter und kann auch für andere Wasserversorger wegweisend werden.

Genutzt wird mit dem neu eingeführten System das sogenannte Absorptionsverfahren, berichtet Jörg Nußbaum, Teamleiter der Stadtwerke Mechernich. Beim Trinkwasser sei es bisher in Deutschland nur vereinzelt zum Einsatz gekommen und da höchstens zur Entfernung von (Halb-)Metallen wie Arsen und Palladium. In Bezug auf das Blei, das in der Region von Haus aus im Grundwasser dieses Versorgungsgebietes enthalten ist, gab es keinerlei Erfahrungen im Umgang mit dem Filtermaterial.

Hervorragende Ergebnisse

Die ersten technischen Probedurchläufe über mehrere Wochen mit einem eigens installierten Testfilter brachten hervorragende Ergebnisse. „Insofern wird mit unserem Fall das zum ersten Mal publik, dass es für das Zurückhalten von Blei nicht nur geeignet ist, sondern auch über das Umweltbundesamt zertifiziert wird“, berichtet Nußbaum weiter. 



Jörg Nußbaum am eigens installierten Testfilter, der in der Probephase gute Ergebnisse lieferte. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die Anlage, die etwas abseits im Düttlinger Wald liegt, wurde 1975 erbaut. Ein Anbau kam 1990 hinzu. Von den dortigen Brunnen werden versorgt: im Westen des Stadtgebiets Mechernich die Orte Bergbuir, Bescheid, Bleibuir, Berg, Eicks, Floisdorf, Glehn, Hostel, Lückerath, Schützendorf, Voißel, Wielspütz und das Gewerbegebiet Strempter Heide sowie Hergarten und Düttling.

Bisher waren dort fünf Filter in großen Bottichen gefüllt mit Kalk in Betrieb, um die Reinheit und gleichbleibende Qualität des Wassers zu gewährleisten.

„Das hat über die Jahrzehnte auch immer reibungslos funktioniert“, so Nußbaum. Doch in den vergangenen Wochen waren bei turnusmäßigen Kontrollen leichte Schwankungen bei den Bleiwerten festgestellt worden. Stellenweise lagen sie, allerdings minimal, über dem Grenzwert für Säuglinge und Kleinkinder. So ging man auf Ursachensuche.



Insgesamt fünf Filter sorgen in der Düttlinger Trinkwasseraufbereitungsanlage für sauberes Wasser. Foto: Jörg Nußbaum/pp/Agentur ProfiPress

„Die Veränderungen im Wasser führen wir durchaus auch darauf zurück, dass wir in den vergangenen Jahren sehr trockenes Wetter hatten“, so Nußbaum. Das Grundwasser durchlaufe bedingt dadurch andere, eher tiefer gelegene Schichten im Erdreich. Hinzu komme, dass die Filtration von Trinkwasser ein durchaus komplexer Prozess ist, wo schon minimale Veränderungen der Ausgangswerte im Wasser Auswirkungen haben können.

Neue Filter starten Mitte August

Die modernisierte Anlage wird voraussichtlich Mitte August in Betrieb gehen. Zwei der fünf Filter werden dann mit dem Absorptionsmaterial befüllt sein: statt wie bisher mit Kalk, nun also mit granuliertem Eisenhydroxid. „Die Bleimetallionen im Grundwasser haften dann direkt an das neue Material an, ähnlich wie man es vom Aktivkohlefilter kennt, und können dann komplett zurückgehalten werden“, erklärt Nußbaum das Prinzip. Das Wasser werde zur Reinigung dann zuerst über die drei Kalkfilter laufen und danach über die zwei Absorber. Letztere werden vor dem Start noch gespült, gereinigt und desinfiziert. Damit ist es aber noch nicht getan.



An der „Zapfstelle“ kann Wasser entnommen und damit auch direkt die Qualität überprüft werden, wie Daniel Uhlhaas, Versorgungstechniker, demonstriert. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Bevor wir tatsächlich in den vollen Betrieb gehen, müssen nochmal mehrere neue Probenentnahmen erfolgen, dass alles auch ganz genau den Vorgaben entspricht“, so Nußbaum. Das geschehe in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. In der Düttlinger Trinkwasseraufbereitungsanlage werden nach Angaben der Mechernicher Stadtwerke im Jahr durchschnittlich rund 220.000 Kubikmeter Wasser gefördert, gefiltert und verteilt.

„Die durch das Gesundheitsamt angeordnete Verzehrwarnung darf zurückgenommen werden, wenn die Stadtwerke Mechernich anhand von mehreren Probereihen wieder eine konstante Unterschreitung des Grenzwertes nachweisen. Dieser Prozess läuft bereits und wir werden sofort darüber berichten, sobald diese Forderung erfüllt ist“, fügt der erste Betriebsleiter der Stadtwerke, Mario Dittmann, hinzu.

pp/Agentur ProfiPress



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