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Vom „Rosenblättchen“ zur Stadtzeitung

02.12.2019

Der Mechernicher „Bürgerbrief“ wird 50 Jahre alt – Ende November erschien eine Jubiläumsausgabe mit dem folgenden Grußwort von Mechernichs erstem Bürger Dr. Hans-Peter Schick

Der „Bürgerbrief“ hat sich vom anfangs gehänselten „Rosenblättchen“ (nach Gemeindedirektor Helmut Rosen) zu einer inhaltlich breitgefächerten journalistisch aufgemachten Stadtzeitung entwickelt. Ich als Bürgermeister trage die Verantwortung im presserechtlichen Sinne lediglich für den amtlichen Teil und die öffentlichen Bekanntmachungen – alles andere liegt in der kaufmännischen und redaktionellen „Lufthoheit“ des Rautenberg Media Verlages und seiner Redaktion.

Mit dieser bewährten Aufgabenteilung ist der „Mechernicher Bürgerbrief“ in 50 Jahren zu einem allgemein beliebten und gelesenen lokalen Printmedium geworden, das die Leser vermissen, wenn es nicht alle 14 Tage regelmäßig in den 11.500 Briefkästen unserer Haushalte zu finden ist.

Es gibt kein anderes Druckprodukt, das eine so große Themen- und Artikelfülle aus dem Vereins- und Gesellschaftsleben, der Kommunalpolitik und öffentlichen Einrichtungen und Institutionen in der Stadt Mechernich wiedergibt. Der Name „Bürgerbrief“ ist ebenso berechtigt wie am Markt, bei Lesern und Anzeigenkunden akzeptiert.

Seit der Neugliederung 1969

Ich freue mich heute herzlich und gratuliere dem Rautenberg Media Verlag sowie der Familie Rautenberg-Otten zu diesem 50jährigen Jubiläum, das bei uns am Bleiberg mit einem 50jährigen Kommunaljubiläum zusammenfällt. 1969 haben sich große Teile der heutigen Stadt Mechernich zu zwei Großgemeinden zusammengeschlossen, Mechernich und Veytal, die 1972 zu einer einzigen Kommune zusammenwuchsen. Seit 1975 bekamen wir die Stadtrechte.

Schon damals war der „Bürgerbrief“ die zentrale lokale Post für und an alle in dieser Stadt: In vieler Munde wurde er damals noch „das Mitteilungsblättchen“ genannt, das man wie eine Tageszeitung abonnieren musste, um es zu bekommen. Vor knapp 15 Jahren haben wir dann mit dem Rautenberg Media Verlag Wege gefunden, die zu einer kostenlosen Verteilung an alle Haushalte im Stadtgebiet führten.

In 50 Jahren hat sich nicht nur die Medienlandschaft stark verändert, sondern auch das Gesicht der Stadt selbst. Aus den Gemüsegärten zwischen Weier- und Turmhofstraße entstand eine neue City, zwischen der alten Villa Kreuser und dem freien Feld bei Burgfey wuchs ein Schulzentrum mit allen Schulformen, die scheinbar ewig hadernden Ortsparteien Kommern und Mechernich sind ein Herz und eine Seele und aus früheren Bergarbeiter- und Bauerndörfern wurde eine veritable urbane Siedlungsstruktur mit exzellenten Verkehrsanbindungen und einer Infrastruktur, die manche Kreisstadt vor Neid erblassen ließe.

Mechernich ist ein Magnet für Menschen geworden. Viele wollen hier bauen – auch im Jubiläumsjahr 2019 konnten wir vielen jungen Familien helfen, sich diesen Traum zu erfüllen.

Dennoch gehen wir sehr verantwortlich und behutsam mit unseren Ländereien und umfangreichen Wald- und Naturressourcen um. Bei uns ist viel gebaut worden – das zeigt unsere Beliebtheit als Wohn- und Lebensmittelpunkt. Aber keineswegs „zu viel“.

Wir haben unsere Einwohnerzahl seit 1999 um 2000 gesteigert. In unseren Neubaugebieten sind mehr als die Hälfte der Baugrundstücke an junge Familien aus dem Stadtgebiet Mechernich veräußert worden, die sich ansonsten nur in Nachbarkommunen oder gar nicht den Traum vom kleinen Einfamilienhaus hätten erfüllen können.

Entwicklung mit Augenmaß

Ohne Zuzüge, durch Wegzüge von bauwilligen jungen Familien aus Mechernich und da bei uns weniger Menschen geboren werden als sterben, läge unsere heutige Einwohnerzahl deutlich unter 25.000. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Gebührenhaushalte, die Kaufkraft vor Ort und die Infrastruktur.

Wir würden heute über Schul- und Kindergartenschließungen diskutieren, wie das in benachbarten strukturschwächeren Südkreiskommunen in der Vergangenheit immer wieder der Fall war. Vom dem vor zwanzig Jahren von der Politik im Rahmen der Regionalplanung anvisierten Wachstumsziel 30.000 sind wir jedenfalls weit entfernt – und da wollen wir auch gar nicht mehr hingelangen.

Wir nehmen die Sorgen der Bürger wegen Flächenverbrauch und Nachhaltigkeit ernst und werden diese bei künftigen Planverfahren berücksichtigen. Es gibt Bereiche – wie zum Beispiel zwischen Kommern, Kommern-Süd und Mechernich, da sind über den derzeitigen Flächennutzungsplan hinaus die Grenzen der Bautätigkeit erreicht. Dort gilt es, den Naherholungsbereich zu erhalten. Um weiterhin ausreichend Naherholungsmöglichkeiten für die Siedlungsschwerpunkte Mechernich und Kommern zu erhalten, hat die Stadt vor einigen Jahren u.a. das ca. 30 Hektar große zusammenhängende Waldgebiet um Altusknipp, Grießberg und Mühlenpark von der Kommerner Burg erworben.

Stadtverwaltung und Stadtrat ticken in Mechernich nicht gegen die Zeichen der Zeit, sondern im Gleichklang mit unseren Bürgern. Wir nehmen die Sorgen ernst und agieren nicht über Köpfe hinweg. Wir wehren wir uns aber gegen Stagnation und bemühen uns um Gewerbe und Arbeitsplätze wie Europas modernste Molkerei Hochwald in Obergartzem.

Lasten auf viele Schultern verteilt

Wir versuchen, in den nächsten Jahren durch unsere Bau- und Wirtschaftspolitik, die Bevölkerung konstant zu halten (auch um die Fixkosten im Gebührenhaushalt auf nicht weniger Schultern verteilen zu müssen) und weiterhin neue stabile und möglichst umweltfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Wir machen nicht alles mit, was an Wünschen an uns herangetragen wird, wie die Abwendung der Champignonzucht im Siedlungsschwerpunkt Satzvey-Firmenich/Obergartzem zeigt.  

Möge der „Mechernicher Bürgerbrief“ auch in den nächsten 50 Jahren seine mediale Rolle in diesem konstruktiven „Zusammen sind wir stark“ spielen. Auf Papier, aber auch wie jetzt schon mit allen interaktiven Varianten (www.mechernich.de www.buergerbrief-mechernich.de)

Ich wünsche allen, die an diesem Erfolgsmedium beteiligt sind und allen Lesern ein herzliches „Glück auf“!

Ihr

Dr. Hans-Peter Schick,

Bürgermeister der Stadt Mechernich



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