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Die Planung wurde auch bei einer Versammlung in Firmenich-Obergartzem mit den Bürgern diskutiert. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hatte damals schon die Sorgen signalisiert, dass er sogar eine Klage bis zum Oberverwaltungsgericht nicht ausschließe. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Pilzfabrik wird nicht kommen“

08.10.2019

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick kann nach vielen Gesprächen Entwarnung geben – Anwohner aus Satzvey und Obergartzem können aufatmen – Motocross-Verein wäre auch betroffen gewesen

Mechernich-Satzvey – Für Franz-Josef Graf Beissel war es eine „reine Öko-Sache“, den Bürgern aus Satzvey und Obergartzem stank schon die Idee zum Himmel – und zwar ganz gewaltig. Die Rede ist von einer professionellen großdimensionierten Champignon-Zuchtanlage zwischen Satzvey und Firmenich/Obergartzem.

Auf einer überdachten Fläche von 71.000 Quadratmetern sollten pro Woche 190 Tonnen Pilze produziert werden. Die Anlage hätte per anno nicht weniger als 20 000 Kubikmeter Wasser „geschluckt“.

330 Tonnen Stroh, 220 Kubikmeter Digistat (Nährboden) und sechs Tonnen Naturgips wären pro Woche benötigt worden. 680 Tonnen Substrat und 710 Kubikmeter Champost (Abfallstoff) wären entstanden und zum Teil geruchsintensiv, wie Anwohner befürchteten, auf umliegenden Äckern ausgebracht worden.

Die Chancen, diese geplante Pilzzuchtfarm auf Mechernicher Boden dauerhaft zu verhindern, wurden eher gering eingestuft. Die niederländische Betreiberfirma würde sich auf ein privilegiertes Bauvorhaben für die Landwirtschaft berufen.

Doch Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel agiert und verhandelt. Nach vielen Gesprächen mit Graf Beissel machte sich der Mechernicher Verwaltungschef dafür stark, die Planungen für die Pilzfabrik „ad acta“ zu legen.

„Die Pilzzuchtanlage wird nicht kommen“, so das Stadtoberhaupt im Gespräch mit dem Mechernicher Bürgerbrief.



Die großdimensionierte Champignon-Zuchtanlage zwischen Satzvey und Firmenich/Obergartzem ist dank der Verhandlungen von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick „ad acta“ gelegt. Auf einer überdachten Fläche von 71.000 Quadratmetern sollten pro Woche 190 Tonnen Pilze produziert werden. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Dr. Schick: „Die Bürger können erkennen, dass wir auch bei gewerblichen Bauvorhaben sehr genau unterscheiden, ob es wie bei der Molkerei Hochwald um Hunderte qualifizierte Arbeitsplätze und langfristige wirtschaftliche Stabilität in der Region geht – oder ob durch eine Ansiedlung die Anwohnerinteressen zu stark beeinträchtigt werden.“

In dem einen Fall engagiere sich die Stadtverwaltung für, in dem anderen gegen eine Gewerbeansiedlung. Der in der jungen Vergangenheit mehrfach gemachte Pauschalvorwurf, der Bürgermeister und die Stadtplanung in Mechernich winkten alles durch, was mit Bauen zu tun hat, sei falsch, so Bürgermeister Dr. Schick.

Eine Pilzzuchtfarm mit dem niederländischen Unternehmen Funghi Farms zu etablieren, war erstmals in der Ratssitzung am 4. Dezember 2018 vorgestellt worden. Die Pläne wurden von der Politik wie auch von den Bürgern mit einer großen Portion Skepsis aufgenommen. Die Möglichkeiten der Stadt und der Politik waren jedoch rechtlich eingeschränkt.

Das Problem war ein spezielles: Bei der Pilzfabrik handelt es sich um ein „privilegiertes Vorhaben“, wie Stadtplaner Thomas Schiefer seinerzeit im Rat erklärte. Als landwirtschaftlich-gartenbaulicher Betrieb genieße der Champignonanbau besondere Rechte im Verfahren.



Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel hinter den Kulissen agiert und verhandelt. Jetzt kann das Stadtoberhaupt einen durchschlagenden Erfolg vermelden: „Die Pilzzuchtanlage wird nicht kommen.“ Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Sorgen der Bürger ernst genommen

Die Ansiedlung auf der im ersten Schritt 23 Hektar großen Fläche im Landschaftsschutzgebiet bedrohe seltene Tierarten, hatten die  Gegner kritisiert. Eine Interessensgemeinschaft aus Anrainern gegen die Pilzzuchtanlage hatte sich formiert. Auch das Motocross-Gelände, dass der der Verein, der Motor-Sport-Club (MSC) Wisskirchen, schon seit den 1960er-Jahren zwischen Obergartzem und Satzvey nutzt, wäre betroffen gewesen.

„Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren“, hatte der Bürgermeister die Sorgen der Bürger ernst genommen und frühzeitig bei einer Bürgerversammlung in Firmenich-Obergartzem im März klar signalisiert, dass er sogar eine Klage bis zum Oberverwaltungsgericht gegen die geplante Champignonzucht-Anlage nicht ausschließe.

Eine namhafte Kölner Kanzlei wurde mit ins Boot genommen, um juristischen Rat einzuholen und für weitere Schritte vorbereitet zu sein. Die sind jetzt nicht mehr nötig. Durch die Absage des Vorhabens konnte weiterer Schaden abgewendet werden. Die betroffenen Bürger können aufatmen.

pp/Agentur ProfiPress




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