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Weltaidstag ... auch in der Eifel


Sabine S., eine junge Frau aus dem Kongo, hier bei einer Karnevalsveranstaltung in der Pflegeeinrichtung der Communio in Christo in Mechernich. Foto: privat/ pp
In der Schwerst- und Langzeitpflegeeinrichtung der Communio in Christo gehört Aids zum Alltag – Seit 1989 bereits über 200 HIV-Patienten betreut - Ein Bericht zum Weltaidstag am 1. Dezember

Deborah ist  immer dabei. Deborah ist eine Puppe und Sabine S. (Name geändert) hält ihren glatzköpfigen Liebling im Arm, wenn sie durch die Gänge der Langzeitpflegeeinrichtung der Communio in Christo in Mechernich geht. Auch im Wohnbereich der Patientin lässt sie Deborah nicht los – und die Puppe muss mit in die HIV-Ambulanz der Kölner Uniklinik fahren. Sabine S. hat Aids.
Schwester Nicole, die in der Schwerst- und Langzeitpflegeeinrichtung der  Communio in Christo arbeitet, erzählt: „Seit 14 Monaten lebt die gebürtige Kongolesin, im Wohnbereich bei uns im Hause. Als sie zum zweiten Mal von ihrem Ehemann schwanger war, wurde eine HIV-Infektion festgestellt. Aufgrund dieser Infektion litt sie an einer Hirnhautentzündung, die durch die Narkose bei der problematischen Geburt noch verstärkt wurde.


Dadurch konnte sie nicht mehr ambulant gepflegt werden. In dieser Zeit hatte der Ehemann bereits den Kontakt zu seiner Frau abgebrochen. Ein Kölner Krankenhaus schickte Frau S. zu uns. Im Mai 2005 gebar sie einen gesunden Sohn. Er lebt bei Pflegeeltern ...“

Schwester Nicole kennt viele ähnliche Lebensgeschichten. Aids isoliert. Auch heute noch. In der Schwerst- und Langzeitpflegeeinrichtung der Mechernicher Ordensgemeinschaft Communio in Christo betreuen hoch qualifizierte Mitarbeiter durchschnittlich zwischen sechs und zehn Bewohner im Vollbild einer Aidserkrankung. Häufig kommen Patienten wie Sabine S. mit ausgeprägten geistigen Defiziten in die Langzeitpflege. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lern- und Denkfähigkeit sind gestört. Das sind die Folgen krankhafter Veränderungen im Gehirn, die durch den Erreger ausgelöst werden. An Aids selbst stirbt niemand, wohl aber an den Folgeerkrankungen.

Einmal im Monat begleiten Mitarbeiter der Communio ihre Patienten in die HIV-Ambulanz der Uniklinik Köln. Dort werden sie auf die retrovirale Therapie eingestellt, die den Weitergang der Krankheit zumindest für eine gewisse Zeit bremst und so die Lebensqualität der Betroffenen erhöht. „Im Warteraum der Ambulanz fällt eines auf“, berichtet Schwester Nicole: „Diese Krankheit macht keinen Unterschied zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Hier sitzt der Anzugträger neben dem Liebhaber von Jogginghosen.“

Als Aids in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch keine Weltseuche war und für die meisten in Europa nur ein böses Gerücht, erkannte die Gründerin der Communio in Christo bereits die Tragweite der Diagnose „HIV positiv“. Deswegen erklärte sie die weltweite Solidarität mit den Aidskranken zu einem vorrangigen Ziel ihrer Ordensgemeinschaft. „Aids ist eine Aufgabe, an der sich unser Christsein entscheidet“, war ihre tiefe Überzeugung.

Da Mutter Marie Therese nicht nur eine Frau der klugen Gedanken war, sondern sie auch in Werke der Nächstenliebe umsetzte, öffnete sie ihre Häuser für Menschen mit Aids. Auf Bitten des Gesundheitsamtes hat sie bereits 1989 den ersten Patienten aufgenommen. Über 200 mit dem heimtückischen Virus infizierte Patienten hat die Communio seitdem betreut. Die Ordensgemeinschaft unterstützt auch Projekte für Aids-Kranke in Sambia und kooperiert mit anderen Organisationen und Initiativen in der Aids-Hilfe, etwa dem Medikamentenhilfswerk „action medeor“ in Tönisvorst.

Das Pflegeteam versucht den Aidskranken ein Zuhause zu geben und Abwechslung und Freude in das Leben der Aidskranken zu bringen. Wichtig dabei ist deren „Biographiearbeit“. Denn häufig will die Familie der Betroffenen mit der Diagnose HIV positiv nichts zu tun haben. Neben konventionellen Therapien wie Krankengymnastik können sich die Patienten in Gruppen wie einer Koch- und Kaffeeklatschgemeinschaft engagieren.

Frau S. hat ein ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus und bereichert die Musikgruppe. Auf den Festen der Einrichtung ist sie die „Dame an den Bongos“ und hält für alle den Takt. Und wenn ihr inzwischen geschiedener Mann und ihre älteste Tochter Deborah wieder einmal zu Besuch da waren, sieht man Sabine S. hin und wieder auch ohne ihre weiße Puppe Deborah.

Judith Rosen, Agentur ProfiPress



 
 
 
 
 
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