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Außen der leidende Christus, drinnen der leidende Mensch


Michael Kober und seine Leute demontierten vor einigen Wochen die mit den Jahren verblasste Auferstehungsgruppe am Mutterhaus der Communio in Christo. Dann brachten sie das dreiteilige Kunstwerk zur weiteren Bearbeitung in die Werkstatt. Foto: Manfred Lang/Agentur ProfiPress
Der Prager Künstler Luděk Tichý schuf für die Communio in Christo mit Hospiz und Langzeitpflegeeinrichtung an der Mechernicher Bruchgasse einst die „Statuengruppe Auferstehung“ – Jetzt musste das in die Jahre gekommene moderne Kunstwerk restauriert werden

Christus ist wieder da, und die Vitrine oberhalb der Kapelle am Mutterhaus der Communio in Christo an der Mechernicher Bruchgasse nicht länger verwaist. 
Die katholische  Ordensgemeinschaft freut sich über die Rückkehr jener Figur, die der Prager Künstler Luděk Tichý einst in ihrem Sinn und Auftrag schuf. Die Skulptur zeigt Jesus im Augenblick seiner Kreuzigung, allerdings ohne Kreuzbalken. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, sein Körper vor Qual gebogen. Übergroße Hände halten dem Betrachter die Wundmale entgegen. Neben dem leidenden Heiland stehen seine Mutter Maria und Johannes, sein Lieblingsjünger. Mit den Jahren hatte das Lärchenholz dieser kunstvollen Dreiergruppe mit expressiver Kraft seinen goldenen Schimmer verloren und war immer mehr ergraut. Deshalb musste die dreiteilige Plastik jetzt von der Außenfassade der Communio in Christo abgenommen, in dicke Laken gehüllt und zur  Kölner Restaurierungs- und Schreinerwerkstatt Michael Kober transportiert werden.


Dort wurde die Holzskulptur gründlich gereinigt und mit einem ganz besonderen Öl gestrichen und hoffentlich auf lange Zeit haltbar gemacht.


Im rötlichen Lärchenton und dauerhaft konserviert hängen Christus mit Maria und Johannes als expressionistisches Meisterwerk nun wieder über dem Kapelleneingang der Communio. Foto: Edo Dijkstra/ProfiPress
Und zwar nach Beratung und unter Aufsicht von Dr. Wolfgang Stracke, einem promovierten Kunstgeschichtler und Kirchenausstatter, der auch mehrere tausend Priester für den Weltjugendtag eingekleidet hatte und die Communio in Christo in allen Fragen der Kirchenkunst berät.

Die sichtbare Aussage von Luděk Tichýs Kunstwerk spiegelt laut Dr. Stracke hervorragend das Tun des Ordens Communio in Christo wider, nämlich im Leid näher an Christus und näher aneinander zu rücken und sich gegenseitig Trost zu spenden. Die von der Communio geführte Langzeitpflegeeinrichtung und das Hospiz in Mechernich seien lebendige Beispiele für diese Haltung der praktizierten Nächstenliebe.

Dieser Tage nun wurden Christus, Maria und Johannes, frisch restauriert und im alten rötlichen Glanz erstrahlend, wieder aufgehängt. Und zwar entgegen ihrer früheren Position drängen sich Mutter und Jünger jetzt enger an den leidenden Christus heran. Das entspricht dem Wunsch und neuester Interpretation des inzwischen 81jährigen Luděk Tichý.


Mit einem speziellen Öl wurde die zuvor penibel gereinigte Holzskulptur angestrichen und haltbar gemacht. Foto: Gunnar Tameer Eden/Agentur ProfiPress
Neben dem leidenden Heiland mit seinen ausgebreiteten übergroßen Händen mit den Wundmalen stehen seine Mutter Maria und Johannes, sein Lieblingsjünger.

Während Maria ihren Sohn anblickt und sein Leiden aushält, wendet sich Johannes ab und schlägt seine ebenfalls übergroße Hand vors Gesicht. Es scheint, als ob der Apostel am liebsten in seine Hand verschwinden möchte. Bloß nicht hinsehen.
Hinsehen, und das wollte der Künstler mit seiner Skulptur vermutlich zum Ausdruck bringen, tut die Ordensgemeinschaft Communio in Christo. Sie verschließt nicht die Augen vor dem Leid der Menschen und lebt getreu ihrem geistlichen Leitwort „Die Liebe zum Nächsten ist Leben in Gott.“ Tagtäglich pflegen Schwestern und Mitarbeiter schwerstkranke Menschen und begleiten sie liebevoll. Denn zur Communio in Mechernich gehören ein Hospiz mit zwölf Betten und eine Langzeitpflegeeinrichtung mit 153 Betten. Dort werden schwerstpflegebedürftige und zum Teil beatmungspflichtige Patienten betreut.


Der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Stracke, der die Communio in allen kunstgeschichtlichen Fragen berät, leitete die Arbeiten in der Kölner Schreinerwerkstatt Michael Kober an. Foto: Gunnar Tameer Eden/Agentur ProfiPress
Ihr Durchschnittsalter beträgt 41 Jahre, viele liegen im Wachkoma. Betreut werden Schädel-Hirn-Verletzte, ALS-Patienten, Patienten nach Schlaganfall, Menschen mit neurologischen Krankheitsbildern (z.B.MS-Kranke), Patienten mit Chorea-Huntington, schwerstpflegebedürftige Behinderte und Patienten mit Infektionskrankheiten wie AIDS oder  MRSA. Beatmungspatienten werden in einem besonders ausgestatteten Wohnbereich betreut. Wer Hilfe braucht, wird aufgenommen. Das gilt vor allem für junge Pflegebedürftige, die besonders schwer vermittelbar sind.

Für sie und das Communio-Personal, das sie betreut, schuf Luděk Tichý die Skulptur mit dem Christus und seinen übergroßen Händen und Wundmalen. Der heute 81jährige Bildhauer ist für seine Sakralkunst aus Holz weit über seine Heimat hinaus bekannt. „Macht in Ohnmacht“ überschrieb Tichý einen Kreuzweg, den er für die Kirche St. Anna in Köln-Ehrenfeld schuf. Sein Wort kann man auch auf die „Statuengruppe Auferstehung“ am Mutterhaus der Communio übertragen: Ohnmächtig ist Jesus dem menschlichen Leiden preisgegeben, aber mächtig erscheint er durch seine Hände, deren Gestus die Überwindung allen Leids ankündigt. Für Gläubige ist das seine Auferstehung.

Judith Rosen/Gunnar Tameer Eden/pp/Agentur ProfiPress


 



 
 
 
 
 
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