"Nicht im Sterben begleiten wir, sondern im Leben"

Tatjana Kolb vom Sozialwerk der "Communio in Christo" Mechernich. Foto: Gunnar Tameer Eden / Agentur ProfiPressZum Deutschen Hospiztag veranstaltete das Kreis Euskirchener Netzwerk „NEST e.V.“ einen gut besuchten Informationstag - Leitwort: „Sterben – Teil des Lebens“ – Auch das Mechernicher Hospiz „Stella Maris“ der Ordensgemeinschaft Communio in Christo stand im Fokus des Interesses
Euskirchen/Mechernich - „Nehmen wir noch würdig Abschied?“ Eine Antwort gaben am 3. Aktionstag von NEST e.V. sieben kompetente Vertreter aus dem Bestattungswesen, der Hospizarbeit, der Kirche und auch aus den „weltlichen“ Institutionen. Vertreten war natürlich auch das Mechernicher Hospiz „Stella Maris“ der Ordensgemeinschaft „Communio in Christo“. Es ist nicht nur das erste und einzige Hospiz im Kreis Euskirchen, sondern auch in seiner Architektur und inneren Struktur bereits auf beachtliche Resonanz im In- und Ausland gestoßen. Erst vor kurzem waren Architekturstudenten aus Tschechien und eine Delegation der katholischen Kirche Südkoreas auf Lernbesuch in Mechernich.

Auch Diakon Horst Lennartz beteiligte sich aus dem Auditorium heraus an der Podiumsdiskussion um die Belgleitung von Menschen im Leben - und im Sterben. „NEST e.V.“ steht für: Netzwerk im Kreis Euskirchen für Sterbe- und Trauerbegleitung. Das seit 2003 bestehende Netzwerk bündelt Angebote und Aktivitäten zur Hospiz- Trauer- und Demenzbegleitung. „Wichtig ist uns, dass in NEST Einzelpersonen, Institutionen und Unternehmen partnerschaftlich und kooperativ zusammen arbeiten und ehrenamtliches und berufliches Engagement gleichberechtigt nebeneinander stehen“, so Birgit Wullencord, stellvertretende Vorsitzende von NEST. Allein ein Blick auf das breit gefächerte Programm des Informationstages zeigt, wie groß das Engagement der einzelnen Mitglieder ist.
Die rund hundert Gäste konnten Vorträge, Workshops und zwei Ausstellungen besuchen. Die Palette reichte von juristischen Themen wie „Tipps zur Patientenverfügung“ über medizinische Fragen „Schmerzgeplagt sterben – muss das sein?“ bis zu einem Einblick in den Alltag eines Hospizes.

Die Bildhauerin Christine Nicolay setzt sich künstlerisch mit Emnde irdischen Lebens auseinander.
„Hospizarbeit ist Begleitung im Leben“, betonte Tatjana Kolb vom Hospiz „Stella Maris“ der katholischen Mechernicher Ordensgemeinschaft „Communio in Christo“. Von Klischees wie etwa Sterbehaus will sie nichts wissen. Um ein Leben in Würde gehe es, gerade wenn der Eintritt in ein anderes Leben absehbar sei, so die beeindruckende Einschätzung Tatjana Kolbs. „Im Hospiz wird so viel gelacht wie geweint“, erklärte sie weiter. Einen starr festgelegten Tagesablauf gebe es in der stationären Hospizarbeit nicht.
Den bestimme der Gast, der übrigens ohne Rücksicht auf Religion und Nationalität aufgenommen wird, mit seinen individuellen Wünschen. Eine Eins-zu-Eins-Betreuung mache das im Hospiz „Stella Maris“ der Communio in Christo möglich. „Ich komme erst, wenn ich DSL in meinem Zimmer habe“, habe vor kurzem ein Herr gewünscht, schmunzelte Kolb. Zwei Tage habe es gedauert, dann habe die Leitung gestanden.

Die Künstlerin Michaela Frank malte sich am Sarg der 53jährig verstorbenen Mutter Trennungsschmerz, Wut und Hoffnung von der Seele. Erst Jahre später konnte sie die eigenen Bilder ausdeuten.Künstlerisch setzten sich die Bildhauerin Christine Nicolay und die Malerin Michaela Frank mit dem Lebensende auseinander. Ihre Exponate vermittelten den Besuchern einen visuell-emotionalen Einstieg in die Trauerarbeit. Bei ihrer Arbeit mit krebskranken Kindern habe sie deren ungeheure Lebensenergie tief beeindruckt, erzählt Nicolay. „Da habe ich Demut gelernt.“
Michaela Frank, die in Stolberg lebt, erfuhr die Absolutheit des Todes am eigenen Leib. Vor zwölf Jahren verstarb plötzlich ihre damals 53jährige Mutter. Ihre Trauer verarbeitete Frank malend am Sarg. Pure Emotion strahlen ihre Bilder aus. Wut, Entsetzen, Hoffnung. Erst heute könne sie ihre Bilder richtig deuten. „Der Abschied ist entscheidend“, gibt sie ihren Gästen mit auf den Weg.
Sterben und Tod gehören zu den letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen.
„Die Frage nach dem Tod stellt eigentlich die Frage nach dem Leben und den Werten unseres Zusammenlebens“, philosophierte Markus Mauel vom Caritasverband Eifel, einer der vielen Träger von NEST. 
Auch der Bad Münstereifeler Theologe Clemens Wilkens engagiert sich bei Nest e.V., dem Netzwerk im Kreis Euskirchen für Sterbe- und Trauerbegleitung. Foto: Gunnar T. Eden/ProfiPressÄngste abbauen, Zuversicht wecken, Gemeinschaft stiften: Der Aktionstag von NEST war ein erfolgreicher Schritt in die Zukunft.
Judith Rosen, Agentur ProfiPress
(Fotos: Gunnar Tameer Eden / Agentur ProfiPress)
NEST e.V.
Ansprechpartnerin: Ursula Koch-Traeger (Vorsitzende)
Tel: 02253 / 544447
Fax: 02253 / 544448
E-Mail: Ursual.Koch-Traeger@web.de
www.nest-euskirchen.de
Ursula Koch-Traeger appelliert:
„Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen auch die letzte Phase ihres Lebens selbstbestimmt gestalten können, und wollen die Gesellschaft für diesen Gedanken sensibilisieren. Arbeiten auch Sie in unserem Netzwerk mit Einzelpersonen, Institutionen und Unternehmen partnerschaftlich und kooperativ zusammen.“

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