„Ich bin, weil wir sind!“
Was die alten Kirchen Europas von den jungen Kirchen Afrikas lernen können: Kleine christliche Gemeinschaften als Basis großer bis riesiger Pfarrgemeinden – Interview mit Pfarrer Thomas Banda (38) aus Sambia bei der „Communio in Christo“ in Mechernich
Mechernich – „Wir haben in Afrika eine tanzende Kirche“, lacht Thomas Banda (38), Schwarzafrikaner aus Süd-Sambia, Priester der katholischen Kirche und Mitglied der Mechernicher Ordensgemeinschaft „Communio in Christo“, der er vor einigen Jahren beigetreten ist. Banda ist zum fünften Mal im Mutterhaus an der Bruchgasse zu Besuch. Und er nimmt im Interview unter anderem Stellung zu der Frage, was die alten Kirchen Europas von den jungen Kirchen Afrikas lernen können.
Der aus einer großen christlichen Familie stammende Missionar war in Sambia bis vor drei Wochen der einzige Priester in der 40 000-Seelen- Pfarre „Mtendere“ („Frieden“) nahe Lusaka. Die Pfarre bestand im Wesentlichen aus 40 der genannten kleinen christlichen Gemeinschaften mit bis zu 40 Familien. In den kleinen christlichen Gemeinschaften, so Pfarrer Thomas, gelte das christliche Verständnis „Ich bin, weil wir sind“.
Ein Grundsatz, aus dem ein starkes soziales Netz erwachse. Es nutzt die Stärken der Gemeinschaft, um den Schwachen, wie zum Beispiel verwaisten Kindern oder alten Menschen materiell wie auch ideell zu helfen. In diesen Gemeinschaften werden jede Woche zusammen Gebetszeiten gehalten und Gruppenstunden für alle, aber auch solche speziell für Männer, Frauen und Jugendliche.
Zudem finden in der Hauptkirche jeden Sonntag drei Heilige Messen statt, zu denen die gesamte Pfarrgemeinde zusammen kommt.
Jährlich werden in der Friedensgemeinde über 400 Menschen getauft, berichtet Father Thomas in Mechernich, Erwachsene, Jugendliche, Kinder, davon ein Großteil in der Osternacht. Viele kommen aus den katholischen Familien selbst, andere sind Konvertiten aus einer der zahlreichen protestantischen Gemeinschaften in Sambia. Geistliche Unterstützung in der Betreuung der Riesengemeinde bekam Pfarrer Thomas aus dem zehn Kilometer entfernten katholischen Priesterseminar.
Thomas Banda ist der Meinung, dass das Modell der kleinen christlichen Gemeinschaften gerade wegen des starken Priestermangels auch gut auf Europa anwendbar wäre. Es wäre „kein neuer Weg“, sagt er, sondern eine „Rückbewegung zu Jesus Christus“, denn der habe keine festgelegte Kirche nur für bestimmte Gruppierungen oder gesellschaftliche Schichten gewollt. Thomas: „Die eine Gemeinschaft in Christus ist das Ziel, nicht eine Kirche für Priester, eine für Laien und eine für Ordensleute, womöglich eine für Dominikaner, eine für Franziskaner und eine für Jesuiten . . .“
Der Sambianer beschreibt den Weg in die kleinen christlichen Gemeinden als eine „Befreiung aus unserer sturen Individualität: Man kann nicht an Gott glauben, ohne seinen Nachbarn zu kennen!“
Wobei dem Priester auch in den jungen Kirchen große Bedeutung zukomme: Er sei die Identifikationsfigur, der Vertreter Christi, der mit der Gemeinde Eucharistie feiere und die Sakramente spende. Aber wo der Priester nicht sei, sein könne, da trage die Gruppe Jesus Christus ebenso klar in ihrer Mitte gemäß seiner Zusage „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“
Auf den Punkt gebracht bedeute Communio die Gemeinschaft aller Christen. Das nennt Pfarrer Thomas Banda „The original Sence of the Church“, die ursprüngliche Bedeutung und der Sinn von Kirche.
Vor drei Wochen hat Thomas in die weitaus ärmere Gemeinde „Mkushi“, nordöstlich der sambischen Hauptstadt Lusaka, gewechselt. Dort gibt es immerhin zwei Priester für 20 000 Menschen. In dieser armen Gegend haben die kleinen christlichen Gemeinschaften neben dem Feiern und Teilen von Gottes Botschaft noch mehr als in Bandas vorheriger Gemeinde die Lösung ökonomischer Probleme im Programm.
Seine Gemeinden wie die kleinen Gemeinschaften lebten im Geist der vom Zweiten Vatikanischen Konzil auf den Begriff gebrachten Gemeinschaft in Christus, der „Communio in Christo“. Die Mechernicher Ordensgründerin Mutter Marie Therese habe die konkrete Umsetzung dieses Begriffs zum Lebens- und Liebesprinzip der Kirche erklärt.
Er selbst, so Father Thomas Banda, sei 1995 in einem Priesterseminar in Lusaka mit der „Communio in Christo“ mit Sitz in Mechernich in Berührung gekommen. Und zwar durch den polnischen Missionar Pfarrer Romuald, der mit Mutter Marie Therese zusammen arbeitete und im Übrigen unlängst eine Doktorarbeit über das Werk der christlichen Mystikerin aus Mechernich vorgelegt hat. Mitglied der Communio sei er, so Father Thomas, im Jahr 2000 anlässlich eines Besuchs von Pfarrer Hermann Walch, dem Spiritual des Mechernicher Mutterhauses, in Afrika geworden.
Anna Lang/Agentur ProfiPress

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